Es war sein letzter grosser Auftritt. In einem Cabrio wird Kurt Thalmann am 3. Juni beim grossen FCB-Cortège zu Ehren des zweiten Sterns durch Basel gefahren. Links und rechts der Strasse winken Fans. Er winkt zurück. Und geniesst es. Ein letztes Mal gefeiert werden. Ein letztes Mal wichtig sein. Das hat Kurt Thalmann immer genossen.

Bis er an diesem Dienstag, dem 9. Januar 2018, im Alter von 86 Jahren der Welt endgültig entschlief. «Sein Herz, und vielleicht er selber, mochten nicht mehr.»

Mit diesen Worten informierte sein Sohn Roger Thalmann den FC Basel über den Tod seines Vaters. Denn Kurt Thalmann hat Geschichte geschrieben mit dem FC Basel.

Er gehörte jener legendären Mannschaft an, die 1953 den allerersten Meistertitel nach Basel hatte holen können. Nun ist mit ihm das zweitletzte noch verbliebene Mitglied dieser historischen Errungenschaft verstorben.

Die Hassliebe zum FCB

Vier Jahre lang trug Thalmann das rotblaue Trikot, zwischen 1951 und 1955, traf 22 Mal in 107 Einsätzen. Sein Abschied aber war nicht schön. «Der Verein unterstützte uns nicht ausreichend. Bei anderen Vereinen wurden den Spielern Jobs verschafft, der FCB kümmerte sich nicht. Also wollte ich weg», erzählte Thalmann, als die bz ihn im Mai letzten Jahres traf.

Und auch wenn das Ende in Rotblau nicht perfekt war, böse war er dem Verein schon kurz danach nicht mehr. Dies wurde beim Treffen in seiner Wohnung in seiner Basler Altersresidenz klar. Viel mehr wurde damals deutlich: Auch 64 Jahre nach dem grossen Triumph, dem grössten, den Thalmann in seiner 15-jährigen Fussballer-Karriere erlebt hatte, zehrte er noch immer davon, Teil dieses Klubs gewesen zu sein. Der FCB war überall. Im Gang hingen drei Bilder.

Im Wohnzimmer ein Dress, nebenan ein weiteres Bild, das die ganze Mannschaft zeigt. «Der Kleinste von allen, unten rechts, das bin ich», zeigte er damals stolz.

«Das war wirklich eine tolle Zeit», schwärmte er. Denn er erlebte damals, was man sich heute kaum mehr vorstellen kann: «Wir bekamen jeweils fünf Franken für ein Training, 50 Franken Siegesprämie, 30 bei einem Unentschieden, und für eine Niederlage gab es noch 20.»

Abgeholt wurde das «Lohngüggli» jeweils nach den Spielen. Wegen eines solchen hatte er gar die Geburt des ersten seiner vier Kinder verpasst.

Der Trainer hatte ihn aufgrund eines anstehenden Duells gegen den FCZ nicht freigeben wollen. Also erfuhr er auf dem Platz, dass er Vater geworden war. «Ich sage ja, verrückte Zeiten!»

Es sind nur einige Episoden von unzähligen, die Thalmann so lebhaft und freudig zu erzählen vermochte. Nun ist er verstummt. Die Erinnerung an ihn wird bleiben.

Vom Mini-Cortège nach dem ersten Meistertitel, der ihn vom Landhof zur Mustermesse führte, bis hin zum grossen Fest im letzten Juni. Einem Abschied auf der grossen Bühne. Wie er sich das mit Sicherheit gewünscht hätte.