Kaum zurück in der Schweiz ist der Biathlet Mario Dolder an der ETH Zürich anzutreffen. Noch am vergangenen Wochenende bestritt er in Oslo den letzten Weltcup-Wettkampf der Saison – Rang 65, auch zum internationalen Saisonabschluss gelang dem 23-Jährigen kein gutes Rennen. Kein Wunder, will er sich schnell auf andere Gedanken bringen und sich in sein Teilzeit-Bauingenieurs-Studium vertiefen.

Auf einen Auftritt unter der olympischen Flamme von Sotschi hatte Dolder gehofft – nur, daraus geworden ist nichts. Aufgrund fehlender Limiten wurde er vom Verband nicht für die Olympischen Spiele selektioniert. «Das hat mich in diesem Moment sehr enttäuscht. Ich habe das aber für mich abgehakt», sagt Dolder.

Vielversprechende Ausgangslage

Dabei hatte es nach dem intensiven Sommertraining des Zeglingers vielversprechend ausgesehen: An den Leistungstests in Magglingen erreichte Dolder persönliche Bestleistungen und im Vorbereitungslager in Norwegen konnte er mit den Besten mithalten. Weil er aber anschliessend einen der beiden Testwettkämpfe des Schweizer Kaders verhaute, wurde er nicht für den Weltcup aufgeboten und musste die Saison im zweitklassigen IBU-Cup in Angriff nehmen.

Schliesslich kam Dolder im Verlauf der Saison doch noch zu einigen Einsätzen im Weltcup, zerriss dabei allerdings keine allzu grossen Stricke. Sein ganz persönliches Saisonhighlight ist sein 36. Rang beim Weltcup in Oberhof Anfang Januar – sein mit Abstand bestes Saisonresultat. «Da war bei mir eine gewisse Aufwärtstendenz zu erkennen», sagt er. Die Zuversicht war schnell wieder verflogen. «Ich bin ganz ehrlich gesagt etwas ratlos. Vielleicht war ich zu früh in Form», sagt Dolder.

Mentaltraining vernachlässigt

Erstmals reiste er für ein Sommertraining ins winterliche Neuseeland. Drei Wochen trainierte er intensiv auf dem Naturschnee. Begleitet wurde er dabei von Thomas Beugger. Den Leiter des Baselbieter Sportamts und Cousin seiner Mutter hatte Dolder als Mentaltrainer engagiert. Effekte aus der Zusammenarbeit waren nach aussen hin kaum ersichtlich. Als es ab Saisonstart nicht mehr lief, war Dolder gemäss eigener Aussage verunsichert und konnte sich nicht mehr selber aus dem Tief manövrieren. «Ich habe die Arbeit am Mentalen als ich untewegs auf mich alleine gestellt war vernachlässigt», sagt Dolder. Für die kommende Saison will er nun diesen Bereich auch vermehrt über sein Coaching einfliessen lassen, damit er auch unterwegs nicht alleine ist.

Saisonausklang ohne Erwartungen

Am kommenden Wochenende beschliesst Dolder seine Wettkampfsaison an den Biathlon-Schweizer Meisterschaften definitiv. Er geht aber ohne Erwartungen nach Ulrichen. «Diese Saison ist so oder so nicht mehr zu retten», sagt er. Es geht für ihn nur noch darum, etwas Motivation für das kommende Sommertraining zu tanken.

Und irgendwo im Hinterkopf schwirrt bei Dolder auch bereits «Südkorea 2018» herum. Seine nächste Chance, unter dem olympischen Feuer anzutreten. Doch erst einmal stehen als nächstes die weiteren Studiums-Prüfungen auf dem Weg zum Bauingenieur an.