Badminton

Eine Schottin im Kampf gegen die erdrückende Macht aus dem Osten

Unerschrocken: Kirsty Gilmour

Unerschrocken: Kirsty Gilmour

In der Badminton-Szene dominieren die Asiatinnen fast nach Belieben. Kirsty Gilmour versuchte in Basel, diese Dominanz auf den Kopf zu stellen. Die schottische Weltklasse-Spielerin sorgte bereits zu Beginn dieses Jahres für Furore.

Diese «Schlacht» ging verloren: Mit Kirsty Gilmour ist an den Swiss Open die letzte Europäerin aus dem Turnier ausgeschieden. Sie scheiterte an der Chinesin Sun Yu, der Weltnummer 27. Die Dominanz der Asiatinnen ist auch in Basel erdrückend. Die Überlegenheit der Spielerinnen aus China, Indien oder Indonesien manifestiert sich nicht nur in St. Jakobshalle, sondern widerspiegelt sich auch in der Weltrangliste.

Nach dem Rücktritt der Deutschen Juliane Schenk vor wenigen Tagen, sind mit Carolina Marin aus Spanien (13) und Kirsty Gilmour (19) nur noch zwei Europäerinnen in den Top 20 vertreten. Zum Vergleich: Bei den Männern mischen mit Jan Ø. Jørgensen (Dä,5) und Mark Zwiebler (De, 11) immerhin zwei Nicht-Asiaten an der Spitze mit.

Gekämpft und verloren. Kirsty Gilmour unterliegt Sun Yu.

Gekämpft und verloren. Kirsty Gilmour unterliegt Sun Yu.

Sieg am Swedish Masters

Eine, die bereit ist, die bestehenden Kräfteverhältnisse zu verschieben, heisst Kirsty Gilmour. 21, Schottin, wohnhaft in der Nähe von Glasgow, unerschrocken. Mit ihrem Turniersieg an den Swedish Masters im Januar gelang ihr erstmals der Sprung unter die besten 20. Wie weit Gilmour von den Top-Spielerinnen allerdings noch entfernt ist, bekam sie kurz darauf an den All England Open zu spüren. Gegen die indische Nationalheldin Saina Nehwal unterlag sie sang und klanglos. «Damals hatte ich nicht meinen besten Tag», erinnert sich Gilmour.

Volkssport vs. Randsportart

Der Studentin der Medienwissenschaften weiss sehr wohl, dass der Unterschied zwischen ihr und Nehwal nicht in erster Linie an der Tagesform liegt. Um dauerhaft gegen die asiatische Übermacht bestehen zu können, braucht es neben Talent auch einen langen Atem. Die Voraussetzungen in Europa spotten mit jenen in Asien jedem Vergleich. In China, Korea, Indonesien, Malaysia, Singapur oder Indien ist Badminton Volkssport, geniesst hohes Ansehen und wird entsprechend gefördert.

Weltweit betreiben rund 14 Millionen lizenzierte das Rückschlagspiel. In China, der unangefochtenen Badminton-Macht, spielen geschätzte 90 Millionen Menschen Federball. Kirsty Gilmour entlocken diese Zahlen ein Lachen. Schottland zählt gut fünf Millionen Einwohner. «Davon spielt eine Handvoll Badminton.»

In Frankreich aktiv

Einschüchtern lässt sich der weibliche Braveheart deswegen nicht. Mutig geht die 21-Jährige in bester schottischer Manier ihren Weg. Bis zu 25 Stunden trainiert sie wöchentlich. Sie spielt in der französischen Liga und wird für hiesige Verhältnisse materiell so gut unterstützt, dass sie, wie sie sagt, «gut über die Runden kommt.» Sie ist Teil eines staatlichen Förderprogramms. Dass die Unterstützung ein «Return on Investment» ist, beweist sie mit ihren Erfolgen. Was Kirsty Gilmour besonders freut: «In Schottland dominiert Fussball über alles. Inzwischen sind die Leute auch auf Badminton aufmerksam geworden.»

Saisonhighlight vor der Haustüre

Dieser Eindruck dürfte sich in diesem Jahr noch verstärken. Ende Juli finden in Glasgow, nur wenige Kilometer von ihrer Wohnung entfernt, die Commonwealth-Spiele statt. Für Schottland und für Kirsty Gilmour der Höhepunkt schlechthin. Ihre Planung ist auf diesen Anlass ausgerichtet. Sie will vor ihrem Heimpublikum brillieren. Viel einfacher zu punkten als in Basel wird es für die kämpferische Schottin nicht. Zum losen Staatenbund unter der britischen Krone gehören Nationen wie Singapur, Malaysia und Indien.

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