Kunstturnen
Eine WM als Standortbestimmung

Der Seltisberger Roman Gisi will in Rotterdam Erfahrungen für Tokio 2011 sammeln.

Fabian Kern
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Eine WM als Standortbestimmung

Eine WM als Standortbestimmung

bz Basellandschaftliche Zeitung

«Eine Weltmeisterschaft ist immer ein Highlight», sagt Roman Gisi, «Doch für uns geht es primär darum, Erfahrungen für nächstes Jahr zu sammeln.» Das hat seinen Grund. An den Welttitelkämpfen 2011 werden die ersten acht Startplätze für den Teamwettkampf an den Olympischen Spiele 2012 vergeben – dem erklärten Ziel der jungen Schweizer Equipe.

Für Gisi ist die WM in Rotterdam, bei der er heute erstmals im Einsatz steht, auch persönlich eine gute Bewährungsprobe. Seit einem Jahr ist der Seltisberger nicht mehr nur Mitläufer, sondern Leistungsträger. An der Einzel-WM in London 2009 liess Gisi den Schweizer Teamleader, Niki Böschenstein, hinter sich und sorgte mit seinem 13. Platz im Mehrkampf für Aufsehen. «Das hat mich nicht verändert. Ich weiss, dass es auf der Welt noch ganz viele Kunstturner gibt, die besser sind als ich», sagt der 25-Jährige. Er wisse, was er noch alles machen müsse.

Schon seit einer Woche befindet sich Gisi mit seinen Kollegen in Rotterdam. Dennoch hat er noch nicht viel von der holländischen Hafenstadt gesehen. «Wir hatten nur einen Nachmittag und einen Vormittag frei», erklärt Gisi. Und der einzige Ausflug animierte den Kunstturner nicht zu weiteren Aktivitäten. «Wir wollten ins Wellness gehen, haben uns aber verlaufen. Am Schluss haben wir viel mehr gemacht, als wir eigentlich wollten», erzählt der Baselbieter lachend.

Über die wenige Freizeit vor dem Wettkampf ist Gisi aber froh: «Wenn ich zu oft frei habe, dann kommt es zu einem Spannungsabfall.» Das sei vor einem Wettkampf alles andere als erwünscht, zumal Gisi sich in Form fühlt und mit seiner Vorbereitung zufrieden ist. Nun gilt es, die Leistung auch im Wettkampf abzurufen. «Die grössten Schwierigkeiten sind, zur richtigen Zeit die Form zu zeigen und mit dem Druck umzugehen», meint Gisi. Mentales Training ist deshalb ein wichtiger Bestandteil der Vorbereitung des Seltisbergers: «Ich gehe meine Übungen innerlich immer wieder durch. Jedes Mal, wenn ich das Gerät sehe, visualisiere ich den Ablauf.» So will Gisi seinem Ziel, die Übungen fehlerfrei durchzuturnen, möglichst nahe kommen.

Das Schweizer Team hat sich für Rotterdam keine konkrete Platzierung vorgenommen. «Wir machen uns keinen unnötigen Druck, sondern wollen möglichst viele Erfahrungen hinsichtlich der WM 2011 mitnehmen», sagt Gisi. Für den 25-Jährigen, der sich als ausgeprägten «Teamplayer» bezeichnet, ist das kein Problem. «Ich kann ohnehin nur meine eigene Leistung beeinflussen», so Gisi. Dennoch schielen die jungen Schweizer auf eine Klassierung in den Top Ten. Das würde zeigen, dass man im Fahrplan Richtung London 2012 ist.