Fussball Cup-Halbfinal

Einer für Basel, der andere für Winterthur: Die Zuffis vor dem grossen Familien-Duell

Dario Zuffi (Bild links, im Dress von Lugano anno 1993) trifft als Assistenztrainer des FC Winterthur auf seinen Sohn Luca

Dario Zuffi (Bild links, im Dress von Lugano anno 1993) trifft als Assistenztrainer des FC Winterthur auf seinen Sohn Luca

Mit Dario und Luca Zuffi treffen heute Vater und Sohn aufeinander – die bz hat die beiden mit beinahe identischen Fragen konfrontiert.

Dario Zuffi: «Es musste einfach zu diesem Duell kommen»

Dario Zuffi, wie haben Sie vom Spiel gegen Ihren Sohn erfahren und wie haben Sie reagiert?

Dario Zuffi: Ich habe es ganz normal erfahren, die Auslosung geschaut. Aber eigentlich habe ich schon vor der Auslosung gewusst, dass es Basel wird. Erst schafften wir es, dann zog Basel nach – es musste so kommen. Von daher war ich nicht überrascht, sondern habe mich vor allem gefreut. Ich schrieb meinem Sohn eine SMS, er antwortete, wir machten Sprüche.

Haben Sie sich diese Affiche gewünscht oder hätten Sie sie lieber vermieden?

Ich habe es mir gewünscht. Vielleicht ist es deswegen genau so gekommen. Es gibt fast nichts Schöneres, als einen Cup-Halbfinal in einem vollen Stadion zu Hause gegen den FCB zu spielen. Das ist etwas anderes, als ein Spiel gegen Sion oder Luzern, hat einen ganz speziellen Touch. Die Nummer eins kommt, ein richtig grosser Verein, Basel, mein Ex-Verein. Wir hätten das Stadion drei oder vier Mal füllen, sicher 30 000 Tickets verkaufen können.

Was haben Sie für eine Beziehung zu Luca?

Eine ganz normale Vater-Sohn-Beziehung. Sie unterscheidet sich nicht von der Beziehung, die ich zu seinen beiden Brüdern habe. Wir telefonieren regelmässig, treffen uns hie und da zum Mittagessen, wenn Luca in der Nähe ist. Wir haben beide zeitintensive Jobs, sehen uns also nicht mehr täglich.

«Meine Söhne sind alle drei ähnlich, alle sind ruhig. Ich glaube Marco Streller hat mal gesagt, Luca sei introvertiert. Das glaube ich nicht.»

Dario Zuffi, Assistenz-Trainer Winterthur.

«Meine Söhne sind alle drei ähnlich, alle sind ruhig. Ich glaube Marco Streller hat mal gesagt, Luca sei introvertiert. Das glaube ich nicht.»

Wie würden Sie Luca beschreiben?

Meine Söhne sind alle drei ähnlich, alle sind ruhig. Ich glaube Marco Streller hat mal gesagt, Luca sei introvertiert. Das glaube ich nicht. Er drängt sich nicht in den Mittelpunkt, ist kein Lautsprecher in der Kabine oder auf dem Platz und braucht kein Luxusauto. Trotzdem ist er ein Leader im Team. Da sind wir uns alle ziemlich ähnlich.

Wer war oder ist der bessere Spieler?

Das kann man so nicht sagen, wir sind ganz andere Spielertypen. Ich war dynamisch, schnell, habe viele Tore geschossen. Luca kann schon auch Tore schiessen, aber er ist viel defensiver, der ruhende Pol. Und er macht es nicht über die Schnelligkeit, höchstens über’s schnelle Denken, die Spielintelligenz. Wenn man unser Palmarès vergleicht, liegen wir im Moment wohl etwa gleich auf. Ich habe noch ein paar Länderspiele mehr gemacht. Aber am Schluss wird er wohl vorne liegen und mehr Titel gewinnen.

Sind Sie Lucas härtester Kritiker?

Nein gar nicht. Er war immer relativ gut, es gab nicht viel zu kritisieren. Aber wenn mir etwas auffiel, haben wir darüber gesprochen. Es ist nicht so, dass wir nach jedem Match telefonieren und ich ihn beurteilen würde. Im Normalfall kritisiert der Trainer.

Was bedeutet Ihnen Winterthur?

Ich war für keinen Verein länger tätig als für Winterthur, machte hier meine ersten Schritte als Profi. Ausserdem habe ich hier im Trainermetier angefangen und bin noch immer hier. Winterthur ist seit vielen Jahren mein Arbeitgeber. Für mich war es eigentlich nie Thema wegzugehen und solange man mit meiner Arbeit zufrieden ist, werde ich bleiben. Winterthur ist eine gute Sache für mich.

Was bedeutet Ihnen der FC Basel?

Basel hat mir immer sehr viel bedeutet, ich hatte fünf super Jahre beim FCB. Gut, der Abschluss war nicht wirklich schön, aber ich möchte diese alte Geschichte nicht mehr hochkochen. Wenn es dazu nicht gekommen wäre, wer weiss, vielleicht wäre ich immer noch in Basel. Aber ich bin immer Basel-Fan geblieben und mich über jeden Titel gefreut.

Wieso gewinnt Winterthur gegen den FCB?

Im Fussball ist der Sieger nicht vorgegeben. Es gibt Tendenzen, ja, einen haushohen Favoriten. Aber so klein die Chance auch sein mag, sie existiert auch für den Aussenseiter.

Haben Sie eine Wette am Laufen mit Luca?

Nein, das wäre ja auch eine unfaire Wette. Ausser ich hätte eine Quote von wenigstens 1:20.

Was sind Ihre schönsten Cup-Erinnerungen?

Sicher die zwei Cupsiege (mit YB 1987 und mit Lugano 1992), das waren Highlights. Ein Cupsieg ist emotional etwas ganz anderes als eine Meisterschaft, das ist unbeschreiblich. Als Assistent gab es auch Highlights: den Sieg gegen YB unter Gross und der Cup-Halbfinal 2012 gegen Basel.

Luca Zuffi: «Wäre schöner gewesen, im Final aufeinander zu treffen»

Luca Zuffi, wie haben Sie vom Duell gegen Ihren Vater erfahren und wie haben Sie reagiert?

Luca Zuffi: Das war gleich im Anschluss an das Spiel gegen den FC Zürich, als wir auf dem Velo am Ausfahren waren. Er hat mir ein SMS geschrieben, dass wir gegeneinander spielen. Und dann war gleich eine riesen Freude da.

Haben Sie sich diese Affiche gewünscht oder hätten Sie sie lieber vermieden?

Die Freude überwiegt. Natürlich wäre es schöner gewesen, im Final gegeneinander zu spielen. Aber so ist es auch schön. Und es wird sowieso ein spezielles Spiel für mich.

Ist das für Sie die speziellste Affiche?

Ich glaube schon. Ich bin sehr verbunden mit dem Verein, habe dort alle Juniorenstufen durchlaufen und lange in der ersten Mannschaft gespielt. Es ist eine Herzensangelegenheit, gegen meinen Stammverein zu spielen. Deshalb freue ich mich auch sehr.

Was haben Sie für eine Beziehung zu Ihrem Vater?

Wir haben natürlich ein sehr gutes Verhältnis. Wir telefonieren sicher wöchentlich und freuen uns immer, wenn wir uns sehen. Und er hilft mir auch sehr in meiner Karriere und hat das schon immer getan. Er ist ein Profi in diesem Business.

«Winterthur, für mich ist das Heimat, der Heimatclub, und ich freue mich immer, wenn ich wieder da bin.»

Luca Zuffi, Spieler FC Basel

«Winterthur, für mich ist das Heimat, der Heimatclub, und ich freue mich immer, wenn ich wieder da bin.»

Wie würden Sie Ihren Vater beschreiben?

Er ist vom Charakter her ruhig, bodenständig und nicht der Lauteste, sowohl auf, als auch neben dem Platz. Wir sind uns von der Art her ziemlich ähnlich.

Gibt es Punkte, in denen Sie zwei komplett verschieden sind?

Schon am ehesten in der Spielart. Er war Stürmer und hat viele Tore geschossen, ich hingegen bin der eher defensiv orientierte Spieler auf dem Platz. Das ist wohl der grösste Unterschied.

Wer war oder ist der bessere Spieler?

(Lacht) Das ist schwierig zu sagen, eben alleine aufgrund der unterschiedlichen Positionen und auch der unterschiedlichen Zeiten. Der Fussball verändert sich schnell. Wir haben beide auf unsere Arten einen guten Weg gemacht. Und meine Karriere ist ja noch nicht zu Ende.

Ist Ihr Vater Ihr härtester Kritiker?

Schon, ja. Aber er ist jetzt auch nicht gerade der härteste Kritiker, den es gibt. Er ist immer fair, versucht immer Dinge zu verbessern. Das hat sich vor allem in Juniorenzeiten sicher gelohnt. Auch wenn ich mir das früher, wenn ich gespielt habe und er mir danach etwas erklären wollte, vielleicht nicht hören wollte. Aber ich kann viel von ihm lernen. Er gibt mir in allen möglichen Bereichen Tipps.

Was bedeutet Ihnen Winterthur?

Für mich ist das Heimat, der Heimatclub, und ich freue mich immer, wenn ich wieder in Winterthur bin. Meine ganze Familie und meine Freundin sind ja auch noch dort.

Was bedeutet Ihnen der FC Basel?

Der FCB ist sicher auch ein wichtiger Verein für mich, bei dem ich hoffentlich noch ein paar Jahre vor mir haben und mit dem ich mir noch einiges zu erreichen erhoffe.

Wieso gewinnt der FC Basel gegen den FC Winterthur?

Wenn wir unser Spiel so durchziehen, wie wir das in der Meisterschaft jeweils machen, dann müssen wir gewinnen. Wir haben mehr Qualitäten in der Mannschaft. Aber natürlich wissen wir auch, dass es schwierig werden kann, sollte es lange 0:0 stehen. 

Haben Sie mit Ihrem Vater eine Wette am laufen?

Nein, wir haben nicht gewettet, wer gewinnt (lacht). Darüber haben wir gar nicht geredet, und das werden wir wohl auch nicht.

Welches war Ihr bislang grösster Erfolg im Cup?

Das war schon die Cup-Saison 2012 mit dem FC Winterthur. Damals haben wir zuerst St. Gallen geschlagen, dann YB, und sind dann auf den FCB getroffen im Halbfinal. Diesen haben wir dann zwar knapp verloren, aber das hätte auch anders ausgehen können. Ich hoffe, dieses Jahr kommen wir in den Final und können den Titel holen. C. Feller

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