Schach
Einer wie Roger Federer oder David Beckham

Mit dem iranischen Grossmeister Ehsan Ghaem Maghami ist am Schachfestival Basel ein Spieler im Teilnehmerfeld, der in seiner Heimat uneingeschränkten Heldenstatus geniesst.

Jonas Burch
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Konzentriert: Shayetesh Pour mit Ehemann Ehsam Maghami. Burch

Konzentriert: Shayetesh Pour mit Ehemann Ehsam Maghami. Burch

Was Roger Federer für uns Schweizer oder David Beckham für die Engländer ist, ist Ehsan Ghaem Maghami für die Iraner. Gefeiert wie ein Popstar und verehrt als Grossmeister des iranischen Nationalsports. Als Mensch aber zeigt sich der 29-Jährige aus Teheran bescheiden und ohne Starallüren. Seit gut einem Jahrzehnt ist Maghami die unumstrittene Nummer 1 in seiner Heimat und hat bisher über 50 internationale Turniere gewonnen.

Riesengrosses Medieninteresse

Bereits im zarten Alter von 18 Jahren wurde er Grossmeister, was der höchstmöglichen Anerkennung im Schachsport entspricht. Auf den heimischen Strassen wird der Schachvirtuose sofort erkannt, «und auch das Medieninteresse ist riesengross», sagt Maghami, der rund um Teheran fünf Schachschulen.

Starke Frau an der Seite

Aber auch seine Ehefrau Shayetesh Ghader Pour hat sich mit derzeit 2252 Wertungspunkten im offiziellen Schach-Rating den Status des Internationalen Meisters der Frauen gesichert. «Nun strebe ich den Grossmeistertitel an», führt die 27-Jährige aus. Mit solchen Ambitionen ist die studierte Informatikerin nicht alleine. Denn im 75-Millionen-Einwohner-Staat am Persischen Golf erfreut sich Schach auch bei den Frauen einer grossen Beliebtheit.

«Ich würde den Frauenanteil in meiner Heimat auf gut 10 Prozent schätzen, mit steigender Tendenz», so Pour. Dies vor allem deshalb, da es einer der wenigen Sportarten ist, die man problemlos auch mit einem Schleier ausüben kann. «Aber so konservativ, wie wir Iraner in den Medien dargestellt werden, sind wir nun wirklich nicht. Wir können problemlos für Turniere ins Ausland reisen und zu Hause ohne Einschränkungen Schach spielen», stellt Maghami klar.

Harziger Turnierverlauf

Obwohl das illustre Schachpaar mit grossen Vorschusslorbeeren ans Schachfestival nach Basel gereist war, läuft es beiden noch nicht wie gewünscht. Immerhin hat sich Maghami in der Verfolgergruppe festgesetzt. «Naja», seufzt der baldige Masterabsolvent in Jura und Sport Management. «Die Doppelbelastung mit Studium und Schach ist enorm schwer miteinander zu vereinbaren. Deswegen habe ich in den letzten sieben Jahren praktisch keine Fortschritte erzielt», ergänzt er.

Das schlägt sich auch in den Zahlen nieder. Aktuell kommt Maghami auf 2580 Punkte, vor ein paar Jahren standen ihm noch 2633 zu Buche. «Wenn ich mein Studium beendet habe, ist mein Kopf wieder frei. Schach ist meine Leidenschaft, die ich noch mehrere Jahre intensiv betreiben will», sagt er kämpferisch. Die Leistungs-Baisse hat seinem Heldenstatus in Vorderasien keinen Abbruch getan. «Die Menschen wollen jedenfalls immer noch Autogramme von mir», scherzt der Grossmeister.