Sm'Aesch Pfeffingen

Eingesperrt nach der Ankunft: Ein Quarantäne-Besuch

Kelli Bates, Madison Duello und Katie Oleksak (v.l.n.r.) posieren auf ihrem Quarantäne-Balkon.

Kelli Bates, Madison Duello und Katie Oleksak (v.l.n.r.) posieren auf ihrem Quarantäne-Balkon.

Die US-Neuzugänge von Sm’Aesch Pfeffingen müssen die ersten zehn Tage in der Schweiz in Quarantäne verbringen. Ihr Wechsel in die Schweiz kam für sie dennoch gerade zum richtigen Zeitpunkt.

Die Bahnhofstrasse in Aesch gehört nicht zu den Orten, die ausländische Ankömmlinge als ersten ansteuern, nachdem sie auf einem Schweizer Flughafen gelandet sind. Lieblose Blockwohnungen aus dem vergangenen Jahrhundert, vorbeifahrende Lastwagen, nur ein paar Bäume erhellen das Bild. Und dennoch steuerten Kelli Bates, Katie Oleksak und Madison Duello nach ihrer Ankunft genau diese Strasse an – und sperrten sich in einer dieser Blockwohnungen ein. Weil die Neuzugänge von Sm’Aesch Pfeffingen aus den USA kommen, müssen sie in die Quarantäne. Frische Luft gibt es nur auf dem Balkon, an dem eine kleine Schweizer Flagge angebracht ist. Zehn Tage müssen die Volleyballerinnen ausharren, am Samstag sind sie frei. Zum Interview stehen die Amerikanerinnen auf dem Balkon, den Journalisten, der sich auf einer Steinmauer darunter hinsitzt, von oben herab im Blick.

«Es stinkt uns schon ein bisschen, dass wir nur diesen Teil der Strasse sehen, im Wissen darum, was wir sonst noch alles anschauen könnten», sagt die 23-jährige Duello, ihr Blick auf die Bäume und die gegenüberliegenden Wohnblöcke gerichtet. Doch das Trio weiss sich drinnen zu beschäftigen, schaut die Fernsehserie Bloodline, liest, trinkt viel Kaffee. Gar Salat wird angepflanzt. Das Essen stellen ihnen die Teamkolleginnen vor die Haustüre. Für Sportlerinnen ist dieser Tagesablauf ungewohnt träge, fast ereignislos. Doch ganz auf der faulen Haut liegen Bates, Oleksak und Duello nicht. Vom Fitnesstrainer bekamen sie einen Trainingsplan, der zu Hause zu erledigen ist. Kugelhantel, Medizinball und Fitnessband sorgen für Schwitzen in Quarantäne. Die Dauer des Trainings ist mit 30 bis 60 Minuten nicht besonders lang. «Es ist aber extrem anstrengend, körperlich schmerzhaft», sagt Bates. Mit dem Workout sei es möglich, auch in der Zeit der Quarantäne fit zu bleiben.

Entspannte Schweiz, leistungsorientiertes Amerika

Eine zehntägige Isolation macht die Integration in ein fremdes Land und in eine neue Mannschaft zu einer Herausforderung. Mit Trainer Andi Vollmer stehen sie vornehmlich digital im Austausch, an einem Tag besuchte er sie auch vor Ort. Er auf der Strasse, sie auf dem Balkon. Der erste Eindruck hat gestimmt. «Wir haben alle nur Positives über den Trainer gehört und sind begeistert, unter seiner Führung zu spielen», sagt Bates. Die Ziele, die sich die US-Girls stecken, sind hoch; sie greifen nach Titeln. Diese Mentalität wollen sie in die neue Mannschaft einbringen. «Der Verein ist wirklich gut in der Schweiz, die Philosophie hinter dem Klub machte ihn für uns sehr attraktiv», so Bates.

Ein Interview in Zeiten von Corona.

Ein Interview in Zeiten von Corona.

Madison Duello und Katie Oleksak machen in Aesch ihre ersten Profi-Erfahrungen, nachdem sie in den USA an Universitäten gespielt haben. Für Kelli Bates ist es der zweite Abstecher nach Europa, sie spielte vor zwei Jahren auch schon in Frankreich. Damals fielen ihr die Unterschiede zwischen der europäischen und amerikanischen Kultur auf. «In den USA heisst es stets ‹Go, Go, Go›, es ist hektisch, der Zeitablauf sehr strukturiert. In Europa ist es entspannter und fürsorglicher», sagt sie. So können auch die kleinen Momente genossen werden. Als sie während der Weihnachtsferien aus Frankreich in die Schweiz reiste, war sie sogleich von dem Land, den Leuten und dem Essen begeistert. «Sogar die Aussicht von diesem Balkon ist besser als in den USA», sagt Bates und lacht.

Die Amerikanerinnen sind froh, haben sie in diesen Tagen ihr Heimatland verlassen können. Die Auswirkungen der Coronapandemie sind deutlich spürbar, der Wille, daran etwas zu ändern, hingegen nicht immer. «Meine Mutter war glücklich, als ich gehen konnte, weil nun die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung gesunken ist», sagt Oleksak. Die Frage, ob es aktuell der perfekte Zeitpunkt für eine Flucht aus Amerika ist, bejahen die Spielerinnen unisono.

Auch wenn sie keinen Fuss nach draussen setzen dürfen, lernen die Neuzugänge die Schweiz kennen. Der Balkon dient als Aussichtsort auf Schweizer Eigenheiten. Sie sehen, dass auf der anderen Strassenseite Zeitungen sortiert sind, es ist Bündelitag. «Das kennen wir aus Amerika nicht», sagt Oleksak lachend. Bis am Samstag müssen sie und ihre Kolleginnen noch warten, bis sie ein eigenes Bündeli auf die Strasse stellen dürfen.

Meistgesehen

Artboard 1