FC Basel
Einst als Carles Puyols Nachfolger gehandelt, will Éder Balanta bei Basel seine Karriere neu lancieren

Mit Tram und Bus in Basel unterwegs zu sein, ist für Éder Balanta ein Privileg. Die Geschichte eines Spielers, der einst mit dem FC Barcelona in Verbindung gebracht wurde und in seiner Heimat nicht einmal unerkannt an den Kiosk konnte.

Sébastian Lavoyer
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Éder Balanta gibt nur auf dem Rasen den Ton an – daneben versuchte er auch schon, sich unsichtbar zu machen.

Éder Balanta gibt nur auf dem Rasen den Ton an – daneben versuchte er auch schon, sich unsichtbar zu machen.

Andy Mueller/freshfocus

Es war ein Samstag, der das Leben von Éder Fabián Álvarez Balanta auf den Kopf stellte. Am 7. April 2013 – wenige Wochen nach seinem 20. Geburtstag – gab der Kolumbianer sein Debüt in der ersten Mannschaft von River Plate. Im Derby gegen Racing Club de Avellaneda. River gewinnt mit 2:0, Balanta ist in aller Munde.

Éder Balanta im Trikot von River Plate.

Éder Balanta im Trikot von River Plate.

Keystone

Tags darauf ist ESPN bei ihm Zuhause. «Mein Leben änderte sich von einem Tag auf den anderen», erinnert sich Balanta. Vor diesem 13. April bewegte er sich mit der U-Bahn oder dem Bus durch die 13-Millionen-Metropole. «Nach meinem Debüt bei River konnte ich irgendwann nicht einmal mehr an den Kiosk um die Ecke gehen», erzählt der Innenverteidiger. Normalerweise brauchte er dafür keine fünf Minuten.

Nach seiner Premiere für den argentinischen Rekordmeister dauerte es immer länger. Irgendwann sei er in den Laden gekommen und der Besitzer habe seine Freunde angerufen, damit sie herkämen, ein Foto mit ihm machen könnten. «Es war eine Art Schock für mich.»

So hart und entschlossen Balanta in die Zweikämpfe geht, so zurückhaltend, ja, schüchtern ist er im Gespräch. Seine Stimme ist leise, oft senkt er beim Sprechen den Blick nach unten. Das ändert nichts daran, dass er in Buenos Aires einschlägt wie eine Bombe.

Fünf Monate nach seinem Debüt gibt es Gerüchte, dass Barcelona an ihm dran sei. Er solle Nachfolger von Carles Puyol werden. Sein Preisschild: 15 Millionen Euro. 2014 wird er Meister mit River, gewinnt den Cup, kriegt für die WM ein Aufgebot von José Pékerman, Kolumbiens Trainer der Nationalmannschaft. Gegen Japan spielt er erstmals über 90 Minuten für die Selección.

Éder Balanta im Training der kolumbianischen Nationalmannschaft zusammen mit Coach José Pékerman.

Éder Balanta im Training der kolumbianischen Nationalmannschaft zusammen mit Coach José Pékerman.

Keystone

Neben Barça sollen nun auch Juventus und Chelsea an ihm dran sein. Das französische Magazin «So Foot» schreibt: «Balanta ist einer der besten Innenverteidiger seiner Generation.» Es scheint keine Grenzen zu geben.

Es ist in dieser Zeit, als er sich angewöhnt, nur noch mit Baseball-Mütze aus dem Haus zu gehen. Der Versuch, sich unsichtbar zu machen, den Privilegien zu entfliehen, welche die fussballfanatischen Argentinier Spielern wie ihm zu kommen lassen.

Balanta sagt: «Wenn du in ein Restaurant gehst und sie dich erkennen, setzen sie dich an den besten Tisch, überhäufen dich mit Aufmerksamkeiten.» Er mag das nicht, sieht sich und gibt sich als ganz normaler Mensch – und man nimmt es ihm ab. Da ist nichts aufgesetzt, gekünstelt, geschauspielert.

Erst Englisch, dann Deutsch

So rasant der Aufstieg, so schnell verschwand Balanta vom Radar der Spitzenklubs. Er verletzte sich. Rückschläge, Ersatzbank bei River. Die Aufgebote der Nationalmannschaft bleiben aus. Es ist in diesen Tagen, als der FCB und allen voran Scout Bernard Challandes das Werben um den talentierten Innenverteidiger intensivieren.

«Ich bin viel gereist, um ihn zu beobachten», sagte Challandes gegenüber «Le Matin». Die Krise machte Balanta für den FC Basel plötzlich erschwinglich. 3 Millionen sollen die Basler vergangenen Sommer nach Argentinien überwiesen haben, um sich die Dienste des Kolumbianers zu sichern.

Unterdessen spielt Balanta seit knapp sechs Monaten beim Schweizer Meister. Eben noch hat er das erste Mal in seinem Leben Schnee berührt, schon schwitzt er unter der Sonne Marbellas im Trainingslager. Er will sich verbessern, sich weiterentwickeln, die Karriere noch einmal lancieren. Darum der Wechsel nach Basel.

Es brauchte seine Zeit, bis er sich an den europäischen Fussball gewöhnte. Das Spiel hier ist physischer, Verteidiger werden schneller unter Druck gesetzt. Damit bekundete auch Balanta seine Mühe, doch zuletzt fand er immer besser Tritt. Sportdirektor Georg Heitz sagt: «Seine Entwicklung ist äusserst positiv. Er hat sich schnell angepasst.»

Auch dank Captain Matías Delgado. «Er hat mir sehr geholfen, gezeigt, wie das Leben hier funktioniert», sagt Balanta. In Basel, wo er wohnt, hat er sich gut eingelebt. Hier kann er ohne Baseball-Mütze unbehelligt durch die Strassen gehen, mit Tram und Bus die Stadt erkunden. Noch ist er allein, irgendwann soll seine Freundin aus Buenos Aires zu ihm stossen.

Bis dahin büffelt er fleissig Englisch, die wichtigste Sprache im Team. Später will er auch mit Deutsch anfangen. Denn Balanta will weiterkommen, früher oder später in der Bundesliga spielen. Es wäre der nächste grosse Schritt, der nächste grosse Tag, nachdem er mit dem FC Basel schon seine Premiere in der Champions League erleben durfte.