Podiumsdiskussion

Eltern berühmter Spitzensportler - frauenplus lädt zum Podium ein

Daniel und Monika Sommer, Fabiola Steingruber, Beni Thurnheer (v. l. n. r.)

Daniel und Monika Sommer, Fabiola Steingruber, Beni Thurnheer (v. l. n. r.)

Am Freitag, 15. September lud frauenplus Baselland zu einem Podiumsgespräch im Stadtsaal Liestal ein. Eingeladen waren die Eltern von Yann Sommer (Schweizer Nationalgoalie) und die Mutter von Giulia Steingruber (Elite-Kunstturnerin). Die Moderation führte Beni Thurnheer

Wann haben Yann mit Fussballspielen und Giulia mit Kunstturnen begonnen? Wann wurde es klar, dass sie bei dieser Sportart bleiben möchten? Wie gross war der Trainingsaufwand, wie gross der Einsatz für die Eltern? Wie kam es schliesslich zur Professionalisierung der Sportart?

Beide Elternpaare betonten, dass ihre Kinder die Sportart schon sehr früh, noch vor dem Kindergarten, gewählt hätten. Alles sei damals noch sehr spielerisch gewesen und aus Freude geschehen. Sie hätten ihre Kinder nie zu etwas gezwungen oder Druck aufgelegt. Bei Steingrubers gab es jeweils im Sommer eine Standortbestimmung darüber, was im nächsten Jahr Giulias Ziel und Wunsch sei.

Diese Standortbestimmung wird heute noch durchgezogen. In dieser Familiendiskussion war immer offen, ob Giulia weitermachen oder aufhören wolle. Yann Sommers Schlüsselerlebnis war vielleicht, als er mit seinem Vater, der auch Goalie war, mit 4 Jahren an einen Match mitgehen durfte. Das habe ihm sehr gefallen und ihn motiviert, mit Fussballspielen anzufangen. Ein Ball war aber schon vorher sein ständiger Begleiter.

Grosser Zeitaufwand

Die Trainings wurden häufiger, teilweise fast täglich und die Taxifahrten für die Eltern anspruchsvoll und zeitaufwändig. Frau Sommer hat ihren Beruf als Werbefachfrau aufgegeben, um vollumfänglich für Yann da zu sein. Bis er 16 Jahre alt war, ging er ja auch noch zur Schule. Aber oft war das Training in Basel bei den Junioren des FCB gleich anschliessend. Sie hat ihn vor der Schule abgeholt, Yann zog sich während der Autofahrt auf dem Rücksitz um und nahm zugleich sein Zvieri zu sich.

Eltern berühmter Spitzensportler im Gespräch mit Beni Thurnheer: : (v. l. n. r.) Daniel und Monika Sommer, Fabiola Steingruber

Eltern berühmter Spitzensportler im Gespräch mit Beni Thurnheer: : (v. l. n. r.) Daniel und Monika Sommer, Fabiola Steingruber

Wie viele Mütter wartete auch Frau Sommer bis zum Trainingsschluss am Rande des Fussballfeldes, damit Yann nicht zu spät nach Hause und ins Bett kam. Auch bei Steingrubers war die zeitliche Belastung sehr gross, umso mehr da Giulias Schwester schwerstbehindert war und ebenfalls viel Zeit brauchte. Beide Eltern erklärten, dass sie sich nicht vorgestellt hätten, wie viel Zeit und Ausdauer das anfängliche Hobby und dann die Professionalisierung der Sportart ihrer Kinder mit sich bringt. Sie seien als Familie hinein gewachsen, hätten viel Spannendes erlebt und dabei sehr viel gelernt.

Enger Kontakt

Bei Yann kam irgendwann die Betreuung durch externe Berater hinzu. Herr Sommer betonte, dass er alle Bereiche, wie mentales Training, Therapien, juristische Beratung etc. durch Einzelpersonen habe abdecken lassen. Er hat wegen des Klumpenrisikos von einem Einzelbüro, das alles abdeckt, sehr abgeraten. Vor allem die Versicherungsfragen in Deutschland seien für die Sportler sehr komplex und nur mit gutem juristischem Wissen zu lösen. Sommers haben, wie Steingrubers, einen sehr engen Kontakt zu ihrem Kind. In der Regel ein tägliches Telefonat oder mindestens einmal pro Woche sehen sie sich.

Frau Steingruber, die selber Fussballtrainerin ist, betont, dass sie an Giulias Wettkämpfen sehr angespannt sei. Dies aber vor allem, weil sie Angst um die Gesundheit ihrer Tochter habe. Sie freue sich riesig, wenn Giulia ihre angestrebten Ziele erreichen könne. Ob und wie lange Giulia noch weitermachen wolle, sei offen. Solange sie Freude daran habe und ihre Gesundheit es zulasse, werde sich daran wohl kaum etwas ändern.

Vom Sport leben

Was das Finanzielle betrifft, kann Giulia heute dank Sponsoren bescheiden von ihren Einkünften leben. Das ist bei Yann natürlich ganz anders. Als Fussballprofi verdient er mehr, als er zum Leben braucht, und die Verwaltung der Einkünfte sei deshalb wichtig. In der Schweiz werden die einzelnen Sportarten ganz unterschiedlich finanziell gefördert. Ohne Sponsoren ist es für etliche Sportler und Sportlerinnen deshalb nicht möglich, selbständig durchzukommen.

Umfangreicher Apéro

Umfangreicher Apéro

Sie sind lange auf die finanzielle Hilfe anderer, meist der Eltern, angewiesen. Yann Sommer hat seit zwei Jahren eine Freundin. Seine Eltern sind froh, dass auch sie mit dem Trainings- und Matchplan ihres Sohnes umgehen kann. Auch sie ist beruflich sehr engagiert, weswegen regelmässige Zweisamkeit im Moment kein Thema ist.

Zukunft ist offen

Die Zukunft ihrer Kinder ist für beide Elternpaare offen. Sie unterstützen sie so lange wie nötig und gewünscht. Wichtig sei, dass Yann und Giulia sich von ihren Eltern getragen fühlten und dass beide Seiten offen und ehrlich miteinander umgingen. Frau Steingruber und die Eltern Sommer liessen an dieser Aussage keine Zweifel offen.

Beni Thurnheer hat es verstanden, mit seinen Fragen den zahlreich erschienenen Gästen einen guten Einblick in das Leben einer Familie mit einem Kind als Spitzensportler oder – sportlerin zu vermitteln. Durch kleine persönliche Episoden aus seiner Zeit als Moderator und Sportreporter hat er den Abend aufgelockert und bereichert. Frauenplus Baselland durfte eine aufgestellte Besucherschar verabschieden.

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