Aber Mohamed Elyounoussi ist eben nicht wie jeder andere. Er ist anders. «Sie können schon sagen ich bin jung. Aber ich habe schon viel erlebt.» Wenn er das erzählt, meint er vor allem das letzte halbe Jahr. Im Sommer erklärte Matías Delgado seinen Rücktritt. Wochen später brach sich Ricky van Wolfswinkel den Fuss.

Die anfangs so stark besetzte Offensive des FC Basel – bestückt mit zwei Routiniers – war auf einmal geschrumpft und verjüngt. Neben Neftali Manzambi, Afimico Pululu und Dimitri Oberlin war da auf einmal nur noch Elyounoussi. Er war der Älteste. Der Erfahrenste. Nach van Wolfswinkels Verletzung kam FCB-Coach Raphael Wicky dann auf Elyounoussi zu.

Mohamed Elyounoussi erzielte bei der norwegischen U-21 ein schönes Tor

Mohamed Elyounoussi erzielte bei der norwegischen U-21 ein schönes Tor

Er offenbarte dem Norweger, dass er nun der Anführer sein müsse. Dass er die Jungen mitreissen müsse, sie führen und beraten müsse. «Ich wusste schon, dass ich Verantwortung übernehmen müsste. Das hätte ich auch getan, ohne dass Raphi mir das gesagt hätte. Aber er machte es mir noch bewusster.»

Der gestiegene Respekt

Für Mohamed Elyounoussi war klar: spätestens jetzt muss er ein Vorbild werden. «Ich habe das immer schon versucht. Auf dem Feld war ich es, denke ich. Ab diesem Zeitpunkt aber wollte ich es auch neben dem Platz sein. Als Idol will ich mich nicht bezeichnen, aber ich will als gutes Beispiel vorangehen. Ich wollte zeigen, was es braucht, um so weit zu kommen.»

Elyounoussi meint dies nicht arrogant. Überheblichkeit ist dem ruhigen, eher schüchternen Norweger absolut fern. Er sagt, er rede nicht gerne über sich. Und dass er nicht wisse, wie wichtig er für das Team sei. «Aber ich hoffe, zu den wichtigsten Spielern zu gehören.» Mit seinen Werten tut er das ohnehin.

Zehn Assists und fünf Tore in der Liga kann er in der Hinrunde aufweisen. Ebenso wie eine konstante Entwicklung, die definitiv noch nicht am Ende ist. Und vor allem auch, weil Elyounoussi sofort umsetzte, was Wicky von ihm wollte. Er redete mehr mit den Jungen, appellierte an seine Kollegen.

Mohamed Elyounoussi

Mohamed Elyounoussi

Er könne gar laut werden, wenn es sein muss. «Dass Sie sich das nicht vorstellen können, verstehe ich schon», sagt er und lacht. Aber er wisse, was er wann zu sagen habe. Und die Mitspieler, sie hören auf ihn. «Ich spüre noch viel mehr Respekt im Team als vorher. Ich habe viele Spiele machen können, habe geliefert. Dadurch habe ich eine Stimme im Team.»

Druck macht er sich trotz der ganzen Verantwortung, die Wicky ihm übertragen hat, aber nicht. «Das habe ich noch nie. Wenn mir jemand Druck macht, dann ich selber. Ich war immer mein härtester Kritiker.» Wenn Elyounoussi spricht, wirkt er viel älter, als er ist. So, als wäre er seit zehn Jahren in diesem Business. Das letzte halbe Jahr hat ihn enorm weiter gebracht.

Er sagt, dass er auch mehr aus sich herauskommen könne als bei seiner Ankunft in Basel. Und tief im Inneren weiss er, wie wichtig er ist. Angst, dass sein Einfluss nun etwas abnimmt, da mit Fabian Frei und Valentin Stocker zwei Routiniers zum Team gestossen sind, empfindet er nicht.

Elyounoussi will mehr

Marco Streller meinte, dass deren Zuzug gut sein könnte für Elyounoussi, weil er so einen Schritt zurück in den Schatten machen könne, Ruhe habe, weniger Verantwortung. Er aber will das nicht. Weil es selbstverständlich ist für ihn. Zufrieden mit sich ist er aber nicht.

Elyounoussi will mehr. Mehr Tore, mehr Assists. Aktuell noch beim FC Basel. Wie langer er das hier noch tun wird, ist fraglich. Er ist begehrt. Vor allem in der Premier League. «Ich kann nichts versprechen. Im Fussball kann es bekanntlich manchmal schnell gehen, aber ich gehe stark davon aus, dass ich hier bleibe.»

Wenn er das sagt, meint er wohl nicht nur die ganzen Transfermodalitäten. Sondern alles Drumherum. Auch das hat er lernen müssen im letzten halben Jahr. Einem halben Jahr, in dem der erst 23-Jährige vom Hoffnungsträger zum Anführer gereift ist.