Embolos Arbeitgeber, der FC Basel, kommuniziert defensiv: «Eine Teilnahme an der Euro 2016 ist nicht ausgeschlossen.» Woraus man schliessen kann, dass die Europameisterschaft ohne Embolo wahrscheinlicher ist als mit Embolo. Dass unsere Nationalmannschaft tatsächlich ohne den grossen Hoffnungsträger nach Frankreich reisen wird, damit muss man seit gestern leider rechnen: Eine Untersuchung hat ergeben, dass sich Embolo am Sonntag in Luzern verletzt hat. Die Patellasehne im rechten Knie ist beschädigt. Wie stark, das wird sich in den nächsten Tagen endgültig herausstellen. Doch mit Verletzungen dieser Art ist nicht zu spassen: Wird das Knie zu früh zu stark belastet, drohen die Beschwerden wieder aufzutreteten und im schlimmsten Fall gar chronisch zu werden.

Embolo ist 19 Jahre alt. Eine EM-Absage wäre für ihn aus heutiger Sicht zwar brutal. Irgendwann aber wird Embolo damit leben können: Denn die Zukunft hält für ihn noch viele Turnierteilnahmen bereit. Eine vollständige Heilung der Patellasehne dürfte also oberste Priorität haben.

Breel Embolo ist einer der einzigen Schweizer Nati-Stürmer der regelmässig zum Einsatz kommt und auch Tore schiesst.

Breel Embolo ist einer der einzigen Schweizer Nati-Stürmer der regelmässig zum Einsatz kommt und auch Tore schiesst.

Auswirkungen auf seine Entwicklung hätte die EM-Absage trotzdem: In Frankreich bietet sich Embolo die Chance, sich endlich mit Gegenspielern von allerhöchstem Niveau zu messen. Denn trotz aller (berechtigten) Vorschusslorbeeren und Lobhudeleien – in seinen bisherigen Einsätzen hat er noch nicht den Beweis erbracht, für die Nationalmannschaft unverzichtbar zu sein.

Muss Embolo tatsächlich länger pausieren, droht auch sein angedachter Wechsel nach Deutschland oder England zu platzen. Die Chancen, dass das Sturmjuwel doch noch ein Jahr in Basel bleibt, sind gestern zumindest nicht gesunken.

Gut möglich auch, dass der Embolo-Abgang bereits beschlossen ist und nur noch die offizielle Bestätigung aussteht. In diesem Fall hätte Embolo am Sonntag in Luzern das letzte Mal das FCB-Trikot getragen. Denn Fakt ist: In den verbleibenden zwei Spielen gegen YB und GC wird der Stürmer nicht auflaufen. Und um ihm bei der Rehabilitation Ruhe zu verschaffen, hat der FCB gleich auch alle Medien- und Sponsorentermine von Embolo abgesagt.

Der Euphorie-Dämpfer

Aufseiten des Schweizer Fussballverbandes ist vorgesehen, dass Embolo zusammen mit den anderen EM-Fahrern ins Trainingslager im Tessin einrückt und dort individuell betreut wird. Das Freundschaftsspiel am 28. Mai in Genf gegen Belgien wird er mit Sicherheit verpassen. Die Hoffnungen von Nationaltrainer Vladimir Petkovic liegen darin, dass Embolo im abschliessenden Test gegen Moldawien (3. Juni in Lugano) zu einem Teileinsatz kommt. Aus dem Nati-Umfeld ist zu vernehmen, dass die EM-Teilnahme Embolos gar nicht so unrealistisch ist.

Embolo ist einer der Publikumslieblinge der Schweizer Nati.

Embolo ist einer der Publikumslieblinge der Schweizer Nati.

Zweckoptimismus? Vielleicht. Denn eine Absage würde die ohnehin kaum vorhandene EM-Euphorie in der Schweiz weiter mindern. In Embolo sehen die Fans den Spieler, der in der Nationalmannschaft für jene magischen Momente sorgen kann, die das Kollektiv nicht auf den Platz bringt.

Vladimir Petkovic müsste im Fall einer Embolo-Absage seine Pläne für die Offensive wohl über den Haufen werfen. Der Basler war in den letzten Wochen der einzige Stürmer mit Schweizer Pass, der regelmässig Tore erzielte. Ihm winkt im ersten EM-Gruppenspiel gegen Albanien ein Stammplatz. Auch als Joker wäre Embolo Gold wert.

Erste Antworten auf die Fragen zu Embolo gibt es heute, wenn Petkovic sein provisorisches EM-Aufgebot bekannt gibt.