Taulant Xhaka zieht am Trikot von Shkelqim Demhasaj. Der Luzerner geht im Mittelkreis zu Boden. Ohne zu zögern pfeift Schiedsrichter Alain Bieri – und zeigt Xhaka, der in Abwesenheit von Fabian Frei die Captainbinde trägt – die gelbe Karte. Gelb. Obwohl Xhaka der letzte Mann ist und Demhasaj damit klar daran hindert, alleine auf FCB-Goalie Jonas Omlin zuzulaufen. Ein Foul als letzter Mann hat in der Regel eine rote Karte zur Folge. Bieri aber entscheidet anders. Wohl, weil der Weg Demhasajs bis zum Basler Tor noch ein halbes Spielfeld beträgt. Dennoch gehen die Emotionen hoch.

Die Luzerner Spieler fordern den Platzverweis Xhakas, dieser wiederum beschwert sich beim Unparteiischen darüber, verwarnt worden zu sein. «Er hält und zieht mich zuerst. Danach bin ich zu spät und es ist ein Foul. Aber es ist keine rote Karte, gelb ist okay», sagt Xhaka nach Abpfiff zur meistdiskutierten Szene des Spiels. Dass seine Gegner anderer Meinung sind als er, kommentiert er lapidar: «Es interessiert mich nicht, was die Luzerner denken. Der Schiri hat die gelbe Karte gezeigt.»

Bieri verliert die Kontrolle

Die Szene in der 37. Minute erhitzt die Gemüter. Und wie. Keiner der 22 Akteure auf dem Platz hat anschliessend die Emotionen mehr im Griff – und Bieri verliert in der Folge endgültig die Kontrolle über das Spiel, das er schon ohne klare Linie begonnen hatte. Auf die Basler hingegen trifft dies nicht zu. Sie starten besser, von Beginn an ist spürbar, dass sie nach dem 2:4-Debakel in Thun eine Reaktion zeigen wollen.

Der FCB hat anfangs Ballbesitzanteile von rund 75 Prozent. Eine erste Chance von Albian Ajeti blockt die Luzerner Hintermannschaft in der 5. Minute gerade noch so. Statt jedoch weiter zielstrebig nach vorne zu spielen, verliert sich der FCB – und gerät in der 7. Minute in Rückstand. Pascal Schürpf wird sträflich alleine gelassen und lässt Jonas Omlin mit seiner Volleyabnahme keine Chance.

Van Wolfswinkel verletzt Knezevic

Aber die fussballerischen Szenen sind nicht jene, die an diesem Nachmittag im Zentrum stehen. In der 24. Minute entgleitet das Spiel ein erstes Mal. Ricky van Wolfswinkel steigt gegen Stefan Knezevic ein und verletzt diesen. Unabsichtlich – aber die Situation eskaliert. Es gibt zwei Rudelbildungen, in denen einzig Omlin nicht mitmischt. Die Spieler schupfen sich, beschimpfen sich, packen sich an den Gurgeln. Bieri schafft es nicht, die Situation zu beruhigen. Nach fünf Minuten löst sich das Gemenge auf.

Bieri verwarnt Christian Schwegler und van Wolfswinkel. Es sind die ersten zwei von sieben gelben Karten in einer Partie, die von emotionalen Entgleisungen geprägt ist, nie aber vom fussballerischen Geschehen. Zu uninspiriert und ohne Zug nach vorne tritt der FCB auf. Zu sehr überlässt der FCL den Gästen Ball und Dominanz. Bis zur Pause gibt nur noch die Szene um Xhaka und Demhasaj zu reden und es sollte auch später nicht viel besser werden.

Die turbulente Nachspielzeit

Kurz nachdem Luzern in der 57. Minute ein Offside-Tor erzielt, welches Bieri zu Recht aberkennt, kochen die Emotionen erneut über. Trotz unterbrochenem Spiel grätscht Silvan Sidler Ajeti um. Dieser verfolgt ihn über das halbe Feld, schreit ihn an – und kassiert Gelb. Bieri wirkt in der Spielleitung überfordert. Während er Ajetis Aktion bestraft, übersieht er ein Frustfoul Balantas. «Es war viel Hektik in diesem Spiel. Dazu hat auch der Schiedsrichter beigetragen. Es ist wichtig, eine klare Linie zu haben. Das war meiner Meinung nicht der Fall», kommentiert FCB-Coach Marcel Koller später.

Die Schlussphase dieser Partie sorgt dafür, dass immerhin zwei Mal auch der Fussball für Emotionen sorgt. In der 95. Minute drückt Eray Cömert den Abpraller eines Ajeti-Schusses zum 1:1 über die Linie. Statt das Spiel danach zu beenden, pfeift Bieri noch mal an. So kann sich Omlin gegen seinen alten Kollegen Schneuwly in der 96. Minute spektakulär auszeichnen, das 1:2 verhindern und einen Punkt retten. Für den FCB ist es ein in extremis gewonnener Punkt. Einer, der die Basler irrtümlicherweise dazu bringt, von einem guten Spiel zu sprechen. Von Moral und Leidenschaft. Tatsächlich aber hat es spielerische Limite und unkontrollierte Emotionen offenbart. Vor allem aber ist der Rückstand nach diesem Remis gegenüber YB auf 16 Punkte angewachsen. Und ausgerechnet die Berner gastieren am nächsten Sonntag im Joggeli.

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