«Natürlich», sagt Valentin Stocker und lächelt in die Kamera. «Für mich ist es eine unglaubliche Befreiung. Ich freue mich riesig, zurück zu sein.» Es sind dies die ersten Worte des 28-Jährigen, die er nach Bekanntwerden seiner Rückkehr zum FC Basel an die Fans und die Öffentlichkeit richtet. Wenige Minuten zuvor hat er auf der Geschäftsstelle des FCB einen Vertrag über dreieinhalb Jahre unterschrieben. Seinen Ex-Verein Hertha Berlin verlässt er nach genau demselben Zeitraum frühzeitig. An die Hertha wäre er noch bis in diesen Sommer gebunden gewesen. Aber Stocker wollte zurück. Heim, wie er es sagt. An den Ort, wo er sich zeit seiner Fussballerkarriere immer am wohlsten gefühlt hat. Und wo er am erfolgreichsten war. Und so geliebt wie sonst nirgends.

Stürmer Valentin Stocker wird 2014 vor dem Wechsel wechselt zu Hertha verabschiedet - jetzt kommt er zurück.

Stürmer Valentin Stocker wird 2014 vor dem Wechsel wechselt zu Hertha verabschiedet - jetzt kommt er zurück.

Steffens schneller Abschied

Dass der verlorene Sohn beim FC Basel überhaupt Platz im Kader findet, hat er wohl Renato Steffen zu verdanken. Als Steffens Ex-Kollegen am gestrigen Morgen noch ziemlich verschlafen am Flughafen Zürich eintreffen, wird soeben sein definitiver Wechsel zum VfL Wolfsburg bekannt. Endlich kann sich der 26-jährige Aargauer dort seinen Traum vom Ausland verwirklichen. Er wollte schon im Sommer gehen, bekam aber die Freigabe nicht. Dass er jetzt aber doch so Knall auf Fall nach Deutschland gehen würde, hatte am Montag dann doch noch niemand erwartet, wie FCB-Coach Raphael Wicky sagt. «Das ist alles doch sehr schnell gegangen.»

Doch ebenso schnell wie Steffen Basel hinter sich lässt, wurden mit Stocker die letzten Details auf der Geschäftsstelle geklärt, der Vertrag unterschrieben und die zweite ganz grosse Rückholaktion in dieser Transferperiode nach jener Fabian Freis publik gemacht.

Und genau so schnell verwandelten sich die Fragen der FCB-Anhänger und FCB-Journalisten von «Ist der Eine noch da?» in «Ist der Andere schon da?». Beides kann nun mit Nein beantwortet werden. Bei Stocker aber nur, weil er unmittelbar nach Vertragsabschluss wieder ins Flugzeug in Richtung Berlin gestiegen ist, um dort den Haushalt aufzulösen und sein Leben in dieser weltoffenen Stadt, wie er sie nennt, endgültig für beendet zu erklären.

Am Montag wird er dann seine zweite Karriere beim FCB aufnehmen. Dann wird er im Trainingslager in Marbella erwartet, wo der Rest der Mannschaft seit gestern Mittag weilt.

Steffen auf der grossen Champions-League-Bühne mit dem FC Basel, hier im Bild gegen ZSKA Moskau, Georgi Schennikow

Steffen auf der grossen Champions-League-Bühne mit dem FC Basel, hier im Bild gegen ZSKA Moskau, Georgi Schennikow

«Ich dachte: Wieso warten?»

Dass beide Transfers am selben Tag abgewickelt und kommuniziert wurden, macht ihren Zusammenhang nur noch deutlicher. Steffen hätte man nicht so einfach und für so wenig Geld (deutsche Medien schreiben von 1,75 Millionen Euro Ablöse) ziehen lassen, hätte man nicht den wechselwilligen und heimatkranken Stocker in der Hinterhand gehabt.

Und dessen sofortige Rückkehr wäre schwer zu rechtfertigen gewesen, weil der FCB auf den Flügeln nicht unbedingt mager besetzt ist. «Es war schon im Sommer ein Thema, jetzt hat sich die Situation gerade so ergeben und Hertha hat mir auch keine Steine in den Weg gelegt. Sie meinten, wenn ich das machen will, dann soll ich das machen», erklärt Stocker seine Rückkehr in diesem Transferfenster. «Also dachte ich: Wieso sollte ich bis im Sommer warten?»

Vielleicht fast noch etwas glücklicher über die Rückkehr des Kriensers, der vor seinem Wechsel nach Berlin sieben Jahre in der ersten Mannschaft des FCB gespielt und in dieser Zeit sechs Meistertitel und drei Cupsiege feiern konnte, war wohl Marco Streller. Sein Strahlen übertraf jenes Stockers beim offiziellen Fototermin gar noch. Der FCB-Sportchef und der jüngste Neuzugang sind seit Jahren enge Freunde. «Vali ist ein fantastischer Spieler. Er wird uns dank seiner grossen Erfahrung und seiner vielseitigen Qualitäten auf und neben dem Platz weiterbringen», lässt sich der Sportchef zitieren.

Die mit Stockers Rückkehr verbundenen Hoffnungen und Sehnsüchte sind riesig. So riesig wie die Last, die von ihm abfällt. In Basel will man genau denselben Stocker sehen, der damals den FCB verlassen hat. Selber sagt er, sehr gerne dieser Spieler sein zu wollen, den man im Joggeli kennt. «Das erwarte ich von mir.» Doch noch bezeichnender ist, was er dann noch ergänzt: «Ich bin hier, um wieder Freude am Fussball zu haben.»