«Ich wäre schon sehr gerne dabei gewesen», sagt Katrin Leumann mit wehmütiger Stimme, wenn sie von den Europaspielen in Aserbaidschan spricht. Bis anfangs Juni sah auch alles danach aus, dass die von einer schweren Verletzung zurückgekehrte Baslerin an den ersten europäischen Spielen teilnehmen wird. «Ich konnte bereits zwei Rennen mit internationaler Beteiligung absolvieren und war zufrieden.» Doch warum muss die 33-Jährige trotzdem zu Hause bleiben? Noch im April wurde sie von Swiss Olympic für Baku selektioniert.

Die Nicht-Teilnahme nahm bereits in Januar dieses Jahres ihren Lauf. Beim Technik-Training mit der Nationalmannschaft stürzte Leumann, brach sich das Radiusköpfchen im Ellenbogen und den Kiefer. Nach einer Operation unter Vollnarkose kam ein neues Problem. Der Blinddarm. Die notfallmässige Operation führte zu einem Schicksalsschlag. Eine bei der Blinddarm-OP montierte Klammer fiel ab. Dies führte dazu, dass Leumann erneut unter starken Schmerzen litt und für einen knappen Monat das Spitalbett hüten musste.

Leumann bereits wieder unter den besten 20

«Es war eine schwere Zeit», blickt Leumann zurück. «Aber umso mehr freue ich mich, dass es mir jetzt schon wieder besser geht, viel besser als alle erwartet haben.» Nach ihrem langen Spitalaufenthalt absolvierte sie ein Reha-Programm. «Als ich das Spital verliess, hatte ich keine Muskeln mehr. Ein schlimmer Anblick», erzählt Leumann.

Beim Weltcup in Albstadt (De) Ende Mai kehrte die aus Riehen stammende Baslerin zurück auf die Rennstrecke. «Meine Rundenzeiten konnte ich konstant halten, das war positiv», sagt sie rückblickend. Eine Woche später in Gränichen konnte sich die 33-Jährige wieder unter den Top 20 klassieren, allerdings mit über elf Minuten Rückstand auf die Siegerin Jolanda Nef. «Es war geplant, dass ich in Gränichen einen schnellen Start probe. Klar, musste ich im Verlauf des Rennens dafür büssen. Aber die Platzierung spielte auch noch keine zentrale Rolle», sagt sie.

Im Engadin die Form finden

Nach Gränichen wäre der nächste Stopp Baku gewesen. Doch daraus wird nichts. Noch im April selektionierte Swiss Olympic die drei besten Klassierten in der Weltrangliste des vergangenen Jahres. Das sind Jolanda Neff, Kathrin Stirnemann und auch Katrin Leumann.

Doch nach dem Weltcup in Albstadt kam die Diskussion auf, ob man nicht die aufstrebende 21-jährige Linda Indergand nach Aserbaidschan mitnehmen möchte. Swiss Cycling setzte sich mit Leumann und Stirnemann an einen Tisch und legte den beiden nahe, dass einer von sich aus auf die Europaspiele verzichten sollte. «Ich habe gespürt, dass Kathrin unbedingt gehen möchte», sagt Leumann. Nach Absprache mit ihrem Trainer gab sie dann im «Sinne des Sports», wie sie es in ihrem Communiqué nennt, ihren Platz frei.

Leumann will die Zeit nun nutzen, um sich auf den Saison-Höhepunkt im Sommer vorzubereiten. Kurz entschlossen reiste sie ins Engadin. «Hier kann ich mich optimal für den Weltcup auf der Lenzerheide vorbereiten», sagt sie. Der Höhepunkt ist dann aber nicht das Heimrennen, sondern die wichtigen Qualifikationswettkämpfe in Kanada und Italien. Dort haben die Mountainbikerinnen die ersten Gelegenheiten, sich für die Olympischen Spiele in Rio 2016 zu qualifizieren. Einen-Top-fünf Rang schreibt Swiss Olympic vor. Leumann sagt dazu melancholisch: «Ich habe ja Erfahrung damit, die Kriterien zu erfüllen und dann nicht dabei zu sein.»