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Enttäuschung über geplatzten FCB-Transfer überwunden: Tomi Juric fokussiert sich wieder auf Luzern

Nach dem gescheiterten Transfer zum FCB ist Stürmer Tomi Juric wieder ganz auf den FC Luzern fokussiert. Nach fast einem Vierteljahr, in dem er verletzungsbedingt nicht spielen konnte, kehrt er nun zurück auf den Rasen.

Markus Brütsch
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Rot ist nur die Werbung. Statt des rot-blauen Basler Trikots trägt Tomi Juric weiterhin das uniblaue des FC Luzern.

Rot ist nur die Werbung. Statt des rot-blauen Basler Trikots trägt Tomi Juric weiterhin das uniblaue des FC Luzern.

KEYSTONE/URS FLUEELER

Tomi Juric ist gut drauf, als er am frühen Nachmittag in der Luzerner swissporarena zum Gespräch erscheint. Eben erst ist er noch auf der Massagebank gelegen, jetzt aber bereit, nach einer dreimonatigen Leidenszeit über seine Situation zu sprechen. Fast ein Vierteljahr ist er verletzungsbedingt auf Entzug gewesen, konnte nicht tun, was Fussballer am liebsten tun: spielen.

Am vergangenen Sonntag aber ist er nun endlich auf den Rasen zurückgekehrt und hat nur zehn Minuten benötigt, um mit einem Penalty auch gleich ein Tor zu schiessen. Er war zwar nicht mit der ersten Mannschaft nach Zürich gereist (1:0 für den FCZ), sondern mit der U21 nach Biel und spielte dafür in dieser Erstligapartie (3:2 für Biel) gleich durch.

«Das war ein guter Fitnesstest», sagt Juric und denkt, diesen bestanden zu haben. Wobei ihm natürlich schon klar ist, dass der Rhythmus in der Super League ein gutes Stück höher ist. «Aber ich bin glücklich, dass mein Knie gehalten hat und ich wieder Vertrauen in meine gesundheitliche Verfassung habe», sagt Juric. Jetzt liege es an Trainer René Weiler, ob er mit nach Basel fahren dürfe. «Ich fühle mich bereit und kann der Mannschaft vielleicht als Joker helfen», sagt der Australier. Die Entscheidung, ob er dabei ist, fällt allerdings erst heute Mittwoch.

Spielen mit Schmerztabletten

Zugezogen hatte sich Juric die Knieblessur gleich im ersten Spiel bei der WM in Russland. Beim 1:2 gegen den späteren Weltmeister Frankreich war ihm Corentin Tolisso ziemlich übel in die Parade gefahren, und wäre ein World Cup nicht das Grösste in der Karriere eines Profis, hätte Juric auf weitere Einsätze verzichtet. «Aber solch ein Turnier spielt man einmal im Leben», sagt der Stürmer. «Ich bin fünf Mal am Tag, vom frühen Morgen bis zum Abend, in der Therapie gewesen. Und gespielt habe ich mit schmerzlindernden Tabletten.»

So reichte es gegen Dänemark (1:1) wenigstens zu einem 15-minütigen Teileinsatz und gegen Peru (0:2) sogar für die Startaufstellung. «Das war ein unglaubliches Erlebnis. Von den 50 000 Zuschauern waren 10 000 Australier und 40 000 Peruaner», erzählt Juric. «Man hatte uns zuvor geschildert, dass es Leute aus Peru gegeben habe, die Hab und Gut verkauft hätten, um sich den Trip nach Russland leisten zu können.» Deshalb sei es ihm für einmal nicht nur beim Abspielen der australischen Nationalhymne kalt über den Rücken gelaufen. «Unter dem Strich aber war es für uns eine enttäuschende WM. Wir waren offensiv zu schwach.»

Schon im Januar aber winkt die Chance zur Wiedergutmachung, wenn Australien in den Emiraten als Titelverteidiger im Asien Cup antritt. «Unser neuer Trainer Graham Arnold lässt einen offensiven Fussball spielen. Er passt zu uns, und ich bin schon ganz aufgeregt, wenn ich an dieses Turnier denke», sagt Juric.

Fokussiert auf den FC Luzern

Vorerst aber gilt in den nächsten knapp drei Monaten seine ganze Konzentration dem FC Luzern. Dass Juric heute Abend im St. Jakob-Park nicht das rot-blaue Trikot der Basler trägt, sondern, falls im Aufgebot, jenes der Zentralschweizer, macht ihm nicht mehr zu schaffen. Vor ein paar Wochen noch war der FCB nämlich an einer Verpflichtung des 38-fachen Nationalspielers interessiert gewesen, hatte diesem dann aber nach Absolvierung des medizinischen Checks eine Absage erteilt. «Klar war ich enttäuscht. Aber aus Sicht der Basler war die Entscheidung auch irgendwie nachvollziehbar», räumt Juric ein.

Und, ist er nach diesem schrecklichen 1:7 des FCB in Bern vielleicht gar nicht mehr so wahnsinnig traurig, nun nicht bei diesem krisengeschüttelten Verein unter Vertrag zu stehen? «Nein, nein», wiegelt Juric ab, «Basel ist noch immer eine gute Adresse und ein grosser Klub, auch wenn es derzeit nicht wunschgemäss läuft.» Dennoch erinnert den 27-jährigen australisch-kroatischen Doppelbürger der sportliche Niedergang des FCB an seinen Lieblingsklub, die einst so grosse AC Milan. «Auch dort führten Veränderungen im Verein dazu, dass es nicht mehr wunschgemäss lief und man sich zuerst finden musste. Da gibt es wohl schon ein paar Parallelen zu Basel», sagt der Mann aus New South Wales.

Punkte holen im St. Jakob-Park

Aber eben, sein Klub ist noch immer der FC Luzern, dem er sich im Sommer 2016, aus dem niederländischen Kerkrade kommend, angeschlossen hatte. 57 Super-League-Spiele hat er seither bestritten und dabei 15 Tore geschossen. «Ich fühle mich wohl in Luzern und in Hergiswil, wo ich lebe, habe ich einen wunderbaren Blick auf die Berge», sagt Juric.

Aber er räumt ein, wie alle Profis aus Down Under davon zu träumen, mal in England zu spielen. «Damals, als die Australier Mark Viduka und Harry Kewell für Leeds United aufliefen, da fieberten wir als Teenager am Fernsehen natürlich mit», sagt Juric.

Von der Zukunft über die Vergangenheit in die Gegenwart: Diese hat für den FC Luzern die Aufgabe parat, im St. Jakob-Park zu punkten. «Das 1:7 der Basler gegen YB erleichtert unsere Aufgabe nicht gerade», sagt Juric. «Die werden bis in die Haarspitzen geladen sein. Wir werden aber sicher nicht vor Angst in die Hosen machen.»

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