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Er redet sich ins Abseits: FCB-Leihgabe Andraz Sporar will bei Arminia Bielefeld weg

Andraz Sporar sieht sich selber als grossen Spieler für einen grossen Klub in einer grossen Liga und nicht als Teilzeitkraft bei einem Klub der zweiten Bundesliga. Die Leihgabe des FC Basel will trotz Vertrag vorzeitig weg aus Bielefeld.

François Schmid-Bechtel
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FCB-Leihgabe Andraz Sporar (vorne) ist bei Arminia Bielefeld nicht erste Wahl und will weg.

FCB-Leihgabe Andraz Sporar (vorne) ist bei Arminia Bielefeld nicht erste Wahl und will weg.

Keystone

Joker bei Arminia Bielefeld. So hat sich das Andraz Sporar (23) nicht vorgestellt. Schliesslich wurde er mal als der kommende Mann des slowenischen Fussballs gehandelt. Er selbst sieht sich als grosser Spieler für einen grossen Klub aus einer grossen Liga. Aber sicher nicht als Teilzeitkraft bei einem Klub aus der zweiten Bundesliga. Gekränkt und im Stolz verletzt redet er sich nun ins Abseits. Sporar will so schnell wie möglich weg aus Bielefeld.

In Basel, wo er vertraglich bis 2020 gebunden ist, konnte er die Erwartungen nicht erfüllen. Deshalb wurde Sporar letzten Sommer für ein Jahr an Bielefeld ausgeliehen. Allen Beteiligten war klar: Der 23-jährige Stürmer braucht Spielpraxis. Weil Basel aber den Zuzug des holländischen Angreifers Ricky van Wolfswinkel zum Königstransfer erklärte, war auch klar: Sporar muss wechseln, wenn er zu Spielpraxis kommen will.

Das 3-Millionen-Juwel

Dabei wurde sein Wechsel im Januar 2016 von Olimpija Ljubljana von allerlei Lobhudeleien begleitet. Schliesslich kam er mit der Referenz von 17 Toren in 18 Vorrundenspielen nach Basel. Ausserdem überwiesen die Basler die nicht unerhebliche Summe von zirka drei Millionen nach Slowenien. Aber Sporar kam angeschlagen nach Basel und zog sich dann einen Sehnenriss zu. Erst im September war er wieder einsatzfähig. Zu diesem Zeitpunkt lösten sich Seydou Doumbia und Marc Janko im Sturm ab. Weil beide regelmässig trafen, blieb Sporar fast keine Möglichkeit, in die Gänge zu kommen. Und wenn er doch mal eine Chance erhielt, vermasselte er sie.

In Basel konnte sich Sporar nicht beweisen

In Basel konnte sich Sporar nicht beweisen

Keystone

Natürlich wurden vor der Ausleihe zu Bielefeld intensive Gespräche zwischen den Parteien geführt. Trainer Jeff Saibene – früher in Aarau, Thun und St.Gallen tätig – pflegt beste Kontakte zum FCB. Spielpraxis für Sporar hiess der Plan. Ein realistisches Vorhaben. Denn jedem war klar, dass der Slowene allein seines unbestrittenen Talents wegen eine wichtige Rolle in Ostwestfalen spielen kann. Die fussballerische Qualität der Arminia ist überschaubar. In der vorangegangenen Saison hat man erst am letzten Spieltag den Abstieg in die 3. Liga verhindert.

Für Sporar entwickelt sich die Geschichte in Bielefeld nicht wie gewünscht. Die ersten sechs Spiele beginnt er auf der Bank. Warum? «Weil seine Konkurrenten Fabian Klos und Andreas Voglsammer in der Vorbereitung bedeutend mehr Tore erzielt und besser gespielt haben», sagt Saibene. Und weil Bielefeld überraschend gut (3 Siege, 1 Remis) in die Saison startet, sieht Saibene keinen Anlass, die Mannschaft zu verändern.

Sporar biegt auf die Erfolgsspur

Am 30. September biegt Sporar auf die Erfolgsspur. Eine Minute nach seiner Einwechslung trifft er zum 1:0 gegen Nürnberg. Saibene belohnt ihn im folgenden Spiel gegen Düsseldorf mit dem ersten Einsatz in der Startelf.

Was danach passiert, irritiert Saibene noch heute. «Zwei Tage nachdem er erstmals von Beginn weg spielte, kam Sporar zu mir und sagte, dass er im Winter den Klub wechseln werde. Er sagte, dass er unzufrieden sei, weil ich ihm mehr Einsatzzeit versprochen habe. Das habe ich nie gemacht. Ich habe lediglich gesagt, dass er gute Chancen habe, bei uns regelmässig zum Einsatz zu kommen. Sporar hat das wohl so verstanden, dass er in jedem Spiel in der Startelf stehen würde.»

In Bielefeld wollte er mehr Einsatzzeit : Andraz Sporar

In Bielefeld wollte er mehr Einsatzzeit : Andraz Sporar

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Sporar redet sich also ins Abseits. Denn Saibene reagiert umgehend und streicht den Slowenen aus dem Kader für den Auftritt vom letzten Samstag in Kiel (1:2).

Wie gehts nun weiter? Wird Saibene bis zur Winterpause auf Sporar verzichten? «Das weiss ich jetzt noch nicht. Ich will mal schauen, wie sich die Geschichte entwickelt. Fakt ist: Sporar trainiert weiterhin mit uns.»

Beim Besitzerklub Basel wird man im Winter kaum Verwendung für Sporar haben. Wohl auch deshalb zeigt sich Sporars Berater Amir Ruznic im Westfalen Blatt um Schlichtung bemüht.

Er werde mit allen Beteiligten zusammensitzen und zu ergründen versuchen, wo das Problem liege. «Andraz hat Fehler gemacht», gibt er zu. Zugleich findet er aber auch, dass die Arminia gewisse Versprechen nicht gehalten habe. Damit dürfte er bei Saibene kaum punkten.