Bürokratische Schweiz

Eri Basel wäre gerne ein echter Verein: Doch das ist für die Migranten nicht so einfach

Eri Basel wäre gerne ein echter Fussballverein.

Eri Basel wäre gerne ein echter Fussballverein.

Für Eri Basel spielen hauptsächlich Flüchtlinge aus Eritrea. Sie träumen seit Jahren davon, in einer Meisterschaft zu spielen. Doch so eine Vereinsgründung ist schwieriger als gedacht.

Mittwochabend Claraplatz: Sador Abraha strahlt, als er zum Termin kommt. Wir machen uns auf den Weg zur Turnhalle Wettstein. Nach und nach trudeln die Spieler ein – auch sie alle mit einem Lächeln im Gesicht. Jeder gibt zur Begrüssung sowohl dem Trainer, wie auch der fremden Journalistin die Hand. Das Fussballtraining beginnt mit einem Spiel Fünf gegen Zwei. Die Stimmung ist locker. Es werden ständig Witze gemacht, die zu grossem Gelächter führen. Sador Abraha ist zufrieden. Es scheint wie ein ganz normales Fussballtraining an einem Mittwochabend, doch ganz so einfach ist es nicht.

Sador Abraha leitet das Training von Eri Basel in der Turnhalle Wettstein.

Sador Abraha leitet das Training von Eri Basel in der Turnhalle Wettstein.

Das Team besteht aus Flüchtlingen aus Eritrea, die Trainingssprache ist Tigrinya. Die Spieler kamen mit ihrer Familie oder ganz alleine aus ihrem Heimatland nach Basel. Dort gibt es zurzeit zwei Fussball-Teams für eritreische Spieler: Eri Basel A und Eri Basel B. Zwei Mal in der Woche treffen sie sich zum Training. Die erste Mannschaft besteht schon seit vier Jahren, die zweite erst seit knapp zwei Jahren. Ein grosser Wunsch der zwei Teams wäre es, an einer Meisterschaft teilzunehmen, doch das Team gehört keinem Verein an. Sie haben sich schon mehrfach darum bemüht, aber eine Vereinsgründung und die damit verbundene Aufnahme in den Schweizerischen Fussballverband ist gar nicht so einfach.

Schwierigkeiten mit der Schweizer Bürokratie

Die Vereinsgründung selbst ist eher eine Formsache. Um aber in den Schweizerischen Fussballverband aufgenommen zu werden und somit an der Meisterschaft teilzunehmen, braucht es zuerst knapp 4500 Franken Startkapital (siehe Box). Die Hürden sind hoch. Deshalb ist es nicht sonderlich verwunderlich, dass Eri Basel Schwierigkeiten hat, sich in der Schweizer Bürokratie zurecht zu finden und bereits mit der Platzsuche vor ein bislang unüberwindbares Hindernis gestossen ist. Als wäre die Schwierigkeit mit der deutschen Sprache nicht schon Problem genug. Sador Abraha erzählt: «Wir haben schon mehrfach angefragt, aber es hat einfach nicht geklappt. Es könnte auch sein, dass die Sprache ein Problem war.» Es ist zudem keine Selbstverständlichkeit, dass die Mannschaft überhaupt in einer Turnhalle trainieren kann. «Es kommt oft vor, dass jemand auf den Platz kommt und sagt, wir müssen gehen, weil sie den Platz gemietet haben», sagt er.

Training als Abwechslung zum schwierigen Alltag

Dass die Stadt Basel ein allgemeines Platzproblem hat, bestätigt auch Steve Beutler, Leiter Abteilung Sport vom Sportamt Basel-Stadt: «Die Plätze in Basel sind beschränkt. In der Regel sind diese bereits von bestehenden Vereinen belegt, neue Anfragen werden aber immer geprüft», sagt er.

Nicht nur in fussballerischer Sicht stossen Sador Abraha und seine Spieler auf Probleme, sondern auch im Alltag. Vor allem die jungen Spieler hätten es sehr schwierig. Abraha erklärt: «Viele finden keine Lehrstelle und müssen den ganzen Tag zu Hause bleiben.» Das Fussballtraining ist oft die einzige Beschäftigung, die sie momentan haben. Doch von Missmut ist im Training nichts zu spüren. Es wird mehr gelacht als gefoult. Das Geschehen in der Turnhalle Wettstein zeigt: Der Fussball scheint die Spieler von den Problemen im Alltag abzulenken.

Es gibt noch eine einfachere Lösung für Eri Basel

Der Traum der Teilnahme an einer Meisterschaft ist für Eri Basel aber noch nicht abgeschrieben. Es gäbe noch eine weitere Möglichkeit, die keine Vereinsgründung voraussetzt. «Wir empfehlen solchen Teams, sich in einen bestehenden Verein zu integrieren und eine Untersektion zu bilden», sagt Pascal Buser, Leiter Spielbetriebsadministration beim Fussballverband Nordwestschweiz. Diesbezüglich ist Sador Abraha bereits im Gespräch mit dem Verein Basel Nord, der auf dem Rankhof zu Hause ist. Vier Spieler von Eri Basel sind schon Mitglied in diesem Verein.

Einen Trainings-Spot am Freitag konnte Eri Basel bereits von Basel Nord übernehmen, da diese durch Spielerknappheit im zweiten Training oft nicht genutzt wird. Eri kann so trainieren und die Spieler von Basel Nord, die Lust auf eine zweite Trainingseinheit haben, können diese bestreiten. «Das Training ist intensiv und sportlich hochstehend. An den Freitagen wird man technisch wie auch physisch stark gefordert. So können beide Seiten profitieren», erklärt Basel-Nord-Spielertrainer Fabiano De Pasquale. Nur zu Beginn seien gewisse Spieler ein wenig skeptisch gegenüber dem Team von Eri Basel gewesen. Doch De Pasquale verweist auf ein weiteres gelungenes Integrationsprojekt von Basel Nord: «Wir konnten bereits mit dem Expad-Team positive Erfahrungen in der Integration von fremdländischen Spielern machen.»

Der Verein Basel Nord will bezüglich der kompletten Aufnahme von Eri Basel zunächst abklären, wie weitere Schritte aussehen könnten. Denn auch wenn gewisse Spieler von Eri Basel bereits zum Verein gehören, bräuchten alle Spieler Fussballlizenzen und Mitgliederbeiträge müssen bezahlt werden. Das Ziel sei es aber trotzdem, diese integrative Rolle weiterzuführen und voneinander zu profitieren. Oder um es mit den Worten von Pascal Buser zu sagen: «Es sollte jedem ermöglicht werden, Fussball zu spielen.» Denn bekanntlich zaubert der Sport nicht nur Sador Abraha ein Strahlen ins Gesicht.

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