Basketball
Erneut krasser Aussenseiter: Starwings gastieren beim Rekordmeister Fribourg Olympic

Nur fünf Tage nach dem 81:76-Sensationserfolg gegen Lugano steht das Birstaler Basketball-Kombinat beim Schweizer Renommierklub vor einer auf dem Papier unlösbaren Aufgabe.

Georges Küng
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Murphy Burnatowski: War in der Saison 2015/16 der Topskorer für die Starwings.

Murphy Burnatowski: War in der Saison 2015/16 der Topskorer für die Starwings.

Juri Junkov

Kann man dem nationalen Pressedossier Glauben schenken, so hat Fribourg Olympic mit 900'000 Franken das höchste Budget aller zwölf Nationalliga-A-Vereine. Die «Wings» hin­gegen belegen mit 300'000.- Franken den vorletzten Rang in dieser «Rangliste» - nur Cen­tral Luzern gibt mit 200'000.- Franken einen tieferen Etat an.

Im Basket kommt es sehr, sehr selten vor, dass der «Kleine» den «Grossen» bezwingen kann. Kann man im Fussball trotz Inferiorität und Dauerdruck mal mit 1:0 gewinnen, so ist dies im Basketball nicht möglich. Umso erstaunlicher, dass die Unterbaselbieter am letzten Samstag gegen das «Grande Lugano», das mit gut 750'000 Franken operiert, zu siegen vermochten.

Wer kann Burnatowski stoppen?

Die Aufgabe in Fribourg ist nicht nur schwer, sondern de facto unmöglich. Die Romands haben fünf Ausländer unter Vertrag (wovon vier auf dem Matchblatt stehen dürfen) und mit Dusan Mladjan den besten Schweizer Basketballer der letzten Jahre. Ausgenommen die beiden NBA-Exporte Thabo Sefolosha und Clint Capela.

Gespannt darf man auf Murphy Burnatowski (26, 201 cm) sein. Der Kanadier trug in der Saison 2015/16 das Trikot der Starwings, war Team-Topskorer mit 20 Punkten und einer der besten Profispieler der ge­samten Liga.

Nachdem er in der letzten Saison in Zypern, in einer wesentlich stärkeren Liga als die Schweizer Nationalliga A, für Furore gesorgt hatte und mit seinem Spitzenklub auch auf europäischem Parkett brillierte, überraschte seine Rückkehr in die beschauliche Schweiz. Z

um Saisonauftakt führte der Kanadier mit polnischen Wurzeln FO in Neuchâtel zu einem überzeugenden 87:78-Erfolg trug «Sir Murphy» 21 Zähler bei und hatte die höchste Effizienz (+28) aller Nationalliga-A-Akteure.

Gut möglich, dass sein Antipode Allyn Hess sein wird. Der Amerikaner gilt als begnadeter Werfer, doch ist der Starwings-Flügel dem erfahrenen Burnatowski bezüglich Erfahrung, Muskelkraft und Physis klar unterlegen.

Noble Geste von Hess

Nach jeder Partie, so auch in Birsfelden, der beste Akteur gewählt. Am letzten Samstag war dies besagter Hess. Diese Wahl überraschte, denn ein Branislav Kostic hatte mehr Punkte erzielt – und vor allem mit einer 100-prozentigen Wurfquote jenseits der Dreipunktelinie (fünf von fünf) brilliert.

Wie die bz Basel erfahren konnte, gab Hess in der Garderobe, vor versammelter Mannschaft, sein Präsent an «Brani», diesem Eigengewächs des CVJM Birsfelden mit den Worten «nicht ich, sondern Du warst unser bester Spieler» ab. Grosser Applaus bei den Teamkollegen und Stolz (und vielleicht sogar feuchte Augen) bei Kostic, dem ehemaligen U20-Nationalspieler.

Ist am 5. Oktober eine Niederlage das Normalste auf Erden, so sind die Starwings am 18. Oktober ihrerseits haushoher Favorit. Dann trifft der A-Ligist im 1/16-Finale des Schweizer Cups auf den CVJM Frauenfeld, der in der Regionalklasse (2. Liga) spielt.