FC Basel

Erneuter Umbruch sorgt für Zuversicht: Die FCB-Frauen wollen endlich einen Titel

Neun Abgänge, vier Neuzugänge: Ein neuerlicher Umbruch soll die Frauenabteilung des FC Basel in Zukunft sportlich erfolgreich machen. Der Verein blickt deshalb zuversichtlich auf einen baldigen Schweizermeistertitel.

Der FC Basel sorgt in letzter Zeit für Gesprächsstoff. Doch nicht nur bei den Männern und im Nachwuchs läuft viel, auch in der Frauenabteilung tut sich so einiges. Beim FCB gibt es insgesamt vier Frauenteams: Die U15, U17, U19 und das NLA-Team. Obwohl die 1. Mannschaft Jahr für Jahr vorne mitspielt, will es einfach nicht funktionieren mit dem Schweizer-Meister-Titel. Auch in der abgebrochenen Saison lag das NLA-Team der FCB-Frauen auf Platz 3 mit 17 Punkten Rückstand auf den zweitplatzierten FC Zürich. Dies soll sich zukünftig aber ändern.

Begonnen hat der neue Kurs mit der Einstellung des Trainers Sébastien Bader im Januar. Der Franzose ist schon seit 2016 im Verein und trainierte zuvor die U19-Mannschaft, welche seit Januar von Danique Stein, ehemalige FCB-Profispielerin, geleitet wird. Zum Umbruch gehört auch die Überprüfung des Kaders. Das hat dazu geführt, dass es Ende Saison 19/20 ganze neun Abgänge zu verzeichnen gibt.

Verstärkung aus In- und Ausland, aber auch aus dem Nachwuchs

Stefano Ceccaroni, welcher zusammen mit Simon Lombris die Frauenabteilung beim FCB leitet, erklärt: «Ja, es ist auf dem Papier eine hohe Fluktuation. Auf der einen Seite sind Spielerinnen darunter, von denen wir uns aus sportlichen Überlegungen getrennt haben. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Spielerinnen, die aus eigener Motivation gehen wollten. Ivana Fuso, Lara Marti und Tyara Buser zieht es beispielsweise ins Ausland in die deutsche Bundesliga. Wenn eine Spielerin die Chance bekommt, im Ausland zu spielen, ist es auch ein Gütezeichen des FC Basel.»

Stefano Ceccaroni, Leiter Frauenabteilung FC Basel

Stefano Ceccaroni, Leiter Frauenabteilung FC Basel

Das Ziel sei es zukünftig, Spielerinnen im Kader zu haben, die besser werden wollen. Auf der Suche nach solchen Spielerinnen stiess der FCB auf Imane Saoud, Camille Sudez, Selina Fockers und Alayah Pilgrim, welche für die kommende Saison verpflichtet wurden.

Die 18-jährige Imane Saoud wechselt vom FC Vendenheim aus Frankreich zum FCB. Die Mittelfeldspielerin konnte bereits für das französische Juniorinnen-Nationalteam auflaufen. Die 22-jährige Schweizerin Camille Sudez startete bei Neuchâtel Xamax und spielte diese Saison noch bei Girondins Bordeaux, dem Drittplatzierten der höchsten französischen Liga. Die 18-jährige Selina Fockers wechselt direkt vom Nachwuchs des SC Freiburg in die erste Mannschaft des FCB. Und Stürmerin Alayah Pilgrim kommt vom FC Aarau nach Basel.

Alayah Pilgrim ist die jüngste Neuverpflichtung des FCB.

Alayah Pilgrim ist die jüngste Neuverpflichtung des FCB.

Pilgrim hatte schon vor ihrem Wechsel einige Verbindungen zum FCB. Die FCB-Mittelfeldspielerin Riola Xhemaili spielte bereits mit ihr in der U19-Nati und auch ihr Freund Elijah Okafor spielt beim FCB in der U18. Sie freut sich sehr auf die neuen Herausforderungen in Basel: «Natürlich will ich spielen, aber ich gebe mir Zeit für die Umgewöhnung und für alles: neues Team, neue Leute, neue Umgebung», sagt sie.

Neben den neun Abgängen und den vier Neuverpflichtungen wurden die bestehenden Verträge von neun Spielerinnen (Riola Xhemaili, Fiona Sturgess, Sina Hirschi, Marion Rey, Gianna Ferrera, Kristina Sundov, Melanie Huber, Alicia Burla und Michèle Tschudin) verlängert. Sie werden mindestens noch eine Saison im NLA-Kader bleiben. Zudem hat ein Eigengewächs des FCB, U19-Spielerin Chiara Schmid, den Sprung in die 1. Mannschaft geschafft.

Auf die Frage, ob der Fokus zukünftig auf den eigenen Nachwuchs gelegt wird, antwortet Stefano Ceccaroni: «Es wäre falsch, jedes Jahr einfach fix zwei Spielerinnen in die erste Mannschaft zu nehmen. Es kommt immer darauf an, wie viele Spielerinnen bereits auf dem Niveau sind, um sie in unsere NLA- Mannschaft zu integrieren.» Die Philosophie der FCB-Frauen sieht vor, dass es viele eigene Spielerinnen in die 1. Mannschaft schaffen. Mit der Struktur der U15, U17 und U19 gibt es inzwischen eine sehr gute Basis.

Ceccaroni ist überzeugt, dass automatisch jedes Jahr eine, zwei oder sogar drei den Sprung schaffen können. «Es sollen aber wirklich Spielerinnen sein, welche eine reelle Chance haben, in der NLA Fussball zu spielen.»

Die Kaderplanung ist beim FC Basel soweit abgeschlossen

Weitere Neuzugänge soll es bis zum Beginn der neuen Saison im Spätsommer nicht mehr geben. «Wir haben sehr viele junge Spielerinnen mit einem Durchschnittsalter von etwa 20 Jahren, obwohl unsere älteste Spielerin 34 Jahre alt ist. Die meisten könnten noch in der U19 oder sogar in der U17 mitspielen», sagt Stefano Ceccaroni.

Trainer Sébastien Bader kann da nur zustimmen: «Die ganze Mannschaft kommt eigentlich aus dem Nachwuchs.» Das sei aber kein Grund zur Beunruhigung, im Gegenteil: «Es sind alles Spielerinnen, die spielen und gewinnen wollen. Melanie Huber sagte mir beispielsweise: «Sébastien, wir wollen einen Pokal», erklärt Bader.

Sébastien Bader, Trainer NLA-Frauen

Sébastien Bader, Trainer NLA-Frauen

Wird über die Ziele und Zukunft des jungen Teams gesprochen, wechselt Sébastien Bader automatisch ins Französisch. So kommen seine ganzen Emotionen besser durch: «Ca fait des années qu’on a pas gagné un titre! On doit travailler.» Bader spürt, dass die Spielerinnen und das Team etwas erreichen wollen. Dazu gehört zukünftig auch eine immer grösser werdende Professionalisierung, welche Videoanalysen und Statistiken beinhaltet. Davon sollen vor allem das NLA-Team, aber auch die Frauennachwuchsteams profitieren.

Obwohl das Budget für die FCB-Frauen vor einigen Jahren auf 800'000 Franken gekürzt und seither auch nicht mehr aufgestockt wurde, ist man beim FCB zuversichtlich, dass die sportlichen Ziele auch unter diesen Umständen erreicht werden können. Stefano Ceccaroni blickt positiv in die Zukunft: «Das Projekt, das wir im Moment haben, wird im Club sehr ernst genommen. Die Wertschätzung des Vereins spürt man und der Frauenfussball wird wahrgenommen und respektiert. Auf dem Campus begegnen sich die Frauen und Männer auf Augenhöhe. Das wird nicht nur gesagt, sondern auch so gelebt.»

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