Eine Revolution sollte es werden. Ein Umbruch, der die NLB-Sharks in eine neue Ära führen sollte. Trainer Dany Gélinas versprach «mehr Emotionen auf dem Eis und eine offensive, kreative Spielweise». Als Verfolger Nummer 1 wollte man die Liga aufmischen. Nach zwei Monaten Meisterschaftsbetrieb muss man sich eingestehen, dass Welten zwischen Anspruch und Realität liegen.

Verwaltungsratspräsident Matthias Preiswerk mahnte bereits «zum Abbruch dieser Übung. Weil beim Team absolut keine Fortschritte auszumachen sind.» Gélinas’ Doppelfunktion als Trainer und Sportchef wurde insofern mehr denn je hinterfragt. Im Umfeld häufte sich die Kritik an seiner Arbeit, Matthias Preiswerk trug seinen Unmut sogar an die Öffentlichkeit. Immerhin: Aus den zwei letzten Spielen vor der Länderspielpause holte man zwei 6:2-Siege gegen Martigny und Thurgau. Neben den Akteuren auf dem Eis dürfte vor allem Gélinas tief durchgeatmet haben. Es sind wichtige Punkte in einer kritischen Phase, die dem Kanadier wieder ein wenig Luft verschaffen.

Das Image der grauen Maus

Ein Blick auf die Statistik der letzten Jahre verdeutlicht, dass die Basler das Image der grauen Maus nie losgeworden sind. Konstant ist einzig die Platzierung im hinteren Mittelfeld, als Mitläufer statt Jäger der Spitzenteams. Auch in dieser Saison, wo der grosse Schritt nach vorne erwartet wurde. Gélinas gibt unumwunden zu: «Dieser Zwischenrang ist nicht das, was wir erwartet haben.» Wieso bleibt der Exploit erneut aus? «Unser Team hat sich im Gegensatz zur Vorsaison komplett verändert. Entsprechend müssen neue Automatismen einstudiert werden, was schlicht und einfach Zeit braucht», sagt der 56-Jährige.

Trotzdem scheint es, als habe sich Gélinas mit der Zielsetzung «Playoff-Halbfinal» übernommen. Den vielen jungen Spielern fehlt es an Erfahrung, fallen nebenbei noch Routiniers aus, laufen die Sharks auf dem Zahnfleisch. «Trotzdem sehe ich im Vergleich zu früher Fortschritte. Aber neben diesen persönlichen Fortschritten müssen sich die Spieler auch zu meiner Philosophie auf dem Eis bekennen», meint Gélinas bestimmt. Neben aller Schelte kann man der aktuellen Situation auch etwas Gutes abgewinnen: Es wird (endlich) Klartext gesprochen.

Mehr Kommunikation

So traf sich das Captain-Team um Stefan Voegele mit Matthias Preiswerk zur Detailanalyse – eine gegenseitige Annäherung. «Und das Team hat mir versichert, dass es erfolgreich spielen will», sagte der VR-Präsident jüngst in einem Interview. Auch die Personalie Gélinas wurde in der Sportkommission intensiv diskutiert. «Eine Entlassung ist bekanntlich viel mehr als ein reiner Trainerwechsel.» Nach einer heftigen Sitzungsrunde zwischen Trainer und Sportkommission scheinen die Standpunkte klar zu sein: «Gélinas weiss nun um den Support der Sportkommission. Damit wird ihm Druck genommen», so Preiswerk. Klingt noch nicht nach einer Revolution, ist aber sicher ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.