Volleyball

Erst bei Sm’Aesch, jetzt mit der Nati: Timo Lippuner hat überall Erfolg

«Der Erfolg hat den Spielerinnen gezeigt, dass es sich lohnt, zu kämpfen und auf die Karte Spitzensport zu setzen», sagt Nati-Trainer Timo Lippuner.

Drei Jahre lang war Timo Lippuner bei Sm’Aesch Pfeffingen. Jetzt führt der Erfolgstrainer die Schweizer Frauen-Nati erstmals zur EM.

Timo Lippuner hat als Cheftrainer des Frauen-Nationalteams Historisches erreicht. Zum ersten Mal in der Geschichte qualifizierten sich die Schweizer Volleyballerinnen auf sportlichem Weg für die Europameisterschaften. Doch die Passion, mit der der 38-Jährige heute den Trainerberuf ausübt, galt früher etwas ganz anderem. Der damals achtjährige Schüler aus Deitingen, SO, wollte eigentlich Lokomotivführer werden.

Unzählige schulfreie Nachmittage verbrachte er am Bahnhof und beobachtete die ein- und ausfahrenden Züge. Das Buch mit allen 236 Schweizer Lokomotiven, ein Geschenk seiner Grossmutter, kannte er auswendig. Die Faszination ist heute noch gross. «Ich bin fast jeden Zugkilometer in der Schweiz gefahren, nur 30 Kilometer in der Region Bodensee, Rorschach und Romanshorn fehlen noch», so Lippuner. Wie man das neben Studium und Beruf hinbekommt? Oft stieg er zu Uni-Zeiten am Morgen um 6 Uhr in den Zug, um zu arbeiten und kam abends erst um 22 Uhr nach Hause.

Die Leidenschaft packt ihn

Zum Volleyball fand Timo Lippuner erst mit 18 Jahren. Und das, obwohl ihm der Sport durch seine Mutter in die Wiege gelegt wurde. Er war viel in Turnhallen unterwegs und feuerte die Teams an, doch selbst hatte er es noch nie versucht. «Wie immer hatte meine Mutter auch dieses Mal recht», sagt der Naticoach. Mittlerweile ist Volleyball sein Leben. Nachdem er ein Jahr selbst in Solothurn gespielt hatte, übernahm er das Junioren-Team und die Leidenschaft packte ihn endgültig.

Als Trainer hatte er seine erfolgreichste Zeit im Baselbiet. Von 2014 bis 2017 trainierte er – und das zum ersten Mal als Headcoach – Sm’Aesch Pfeffingen. Dort gilt er noch heute als Baumeister des Erfolgs. Timo Lippuner rettete die Volleyballerinnen erst vor dem Abstieg und führte sie dann in obere Tabellenregionen. Wer Erfolg hat, weckt bei anderen Vereinen– auch im Ausland – Begehrlichkeiten. Lippuner verliess Sm’Aesch trotz Vertrag bis 2018 schon ein Jahr früher und wechselte nach Deutschland. Dort trainiert er auch heute noch das Bundesligateam Rote Raben Vilsbiburg. «In Basel habe ich viel gelernt, was die Selektion der Spielerinnen und den Umgang mit der Klubführung und den Agenten betrifft», sagt Lippuner. Vor allem mit Letzterem hatte er zuvor noch nichts zu tun gehabt.

Musiktalent liebt das Land

Bevor er seine Volleyballkarriere startete, war Timo Lippuner im Musik-Bereich unterwegs. Er beherrscht Klarinette, Fagott und Bassklarinette und spielte mit seinem Bruder in der Dorfmusik. «Deitingen ist für mich Heimkommen, ich habe lange da gewohnt und meine Familie und Freunde wohnen noch immer dort. Es ist der perfekte Mix aus Landidylle und Erreichbarkeit», sagt der Naticoach. Lippuner bezeichnet sich als sehr ehrgeizigen Menschen, was sich in seinem sportlichen Erfolg widerspiegelt. «Bei mir hat ein Tag locker zwanzig vollgepackte Stunden. Wenn ich etwas mache, dann immer mit hundert Prozent Einsatz» sagt Lippuner. Und das zahlte sich aus. Mit der Nationalmannschaft hat er Historisches geschafft. Entsprechend gross war die Freude bei ihm und seinem Team nach der erfolgreichen EM-Qualifikation. «Es war ein gewaltiges Gefühl», so Lippuner.

Oft wurde er kritisiert, da er und sein Team einen sehr hohen Trainingsaufwand betrieben. «Der Erfolg hat den Spielerinnen gezeigt, dass es sich lohnt, zu kämpfen. Das ermutigt hoffentlich auch die jungen Spielerinnen, auf die Karte Spitzensport zu setzten», sagt Lippuner. Wie die Chancen für das junge Team an der Endrunde stehen, zeigt sich am 23. Januar an der Gruppenauslosung. Dank dem neuen Spielmodus erreichen vier von sechs Teams pro Gruppe, also 16 Teams, die zweite Runde. Lippuners Ziel ist es, mindestens ein Gruppenspiel zu gewinnen: «Wenn wir ganz grosses Glück haben, reicht es vielleicht sogar, die erste Runde zu überstehen.»

«Alles ist viel professioneller»

Seit 2014 ist Timo Lippuner Nati-Trainer. Die Doppelbelastung war damals mit Sm’Aesch wie heute mit Visbiburg kein Problem. Der grösste Unterschied zur Schweiz zeigt sich für ihn vor allem darin, dass der Spitzensport in Deutschland viel mehr geschätzt wird. «Alles ist viel professioneller: grössere Hallen, mehr Zuschauer, grösseres Medieninteresse und vor allem mehr Respekt. Da liegen Welten zwischen Deutschland und der Schweiz», sagt der 38-jährige, der im süddeutschen Vilsbiburg wohnt.

Timo Lippuner musste in den vergangenen Jahren oft umziehen. Doch das ist kein Problem für ihn, da er sich schnell einlebt. Doch an der Schweiz etwas besonders zu schätzen: «Das Essen. So richtig gutes Brot, das gibt es nur in der Schweiz.» Wo sich der 38-jährige in zehn Jahren sieht? Für ihn keine Frage: «Mit viel Leidenschaft und Herzblut an der Seitenlinie einer Mannschaft». Und natürlich, die fehlenden dreissig Zugkilometer der Schweiz abgefahren und abgehakt.

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