Dass an diesem Nachmittag Geduld vonnöten sein würde, war allen Beteiligten klar. Wie viel es davon brauchte, überraschte dann aber doch. 52 Minuten lang musste der FC Basel nämlich warten, bis er im Sechzehntelfinal des Schweizer Cups gegen den Erstligisten Echallens Région sein erstes Tor – erzielt durch Albian Ajeti – bejubeln konnte. «Im Cup ist es immer so, dass man, je länger das Spiel dauert, umso mehr Chancen kriegt. Heute hat es einfach länger gedauert als normalerweise», so Fabian Frei nach dem Spiel.

Auch er persönlich musste sich in dieser Partie gedulden. Aufgrund einer Verletzung von Carlos Zambrano rückte Frei mal wieder auf die Innenverteidiger-Position zurück. Von dort aus war er weniger in die Offensivaktionen eingebunden, war beim Offensiv-Feuerwerk in der zweiten Halbzeit nur Zuschauer. Bis zur 85. Minute. 6:1 steht es da bereits, als der FCB einen Freistoss herausholt. «Der Trainer und die anderen Spieler haben alle gesagt, Sämi (Campo, d. Red.) sollte doch eigentlich schiessen. Aber mir war das wurst. Alle anderen hatten bereits ihre Chancen. Also habe ich gesagt, sie sollen mal den alten Mann schiessen lassen.»

Fabian Frei mit der Nummer 6 durfte oder musste mal wieder in der Innenverteidigung ran.

  

Und der alte Mann, der mit seinen 29 Jahren gar nicht so alt ist, wie diese Aussage implizieren könnte, erzielt ein Traumtor. Aus 25 Metern verwandelt er den Ball direkt im Tor. Es ist das schönste aller sieben FCB-Tore an diesem Tag. «Alle haben gesagt, der Torhüter sei Schuld und die Mauer habe falsch gestanden, aber für mich war das einfach ein schöner Freistoss», sagt Frei. Und hat Recht damit.

Schnörkellos, statt schön

Als Frei das Tor zum 7:1 erzielt, sind sämtliche Zweifel längst verschwunden. Gross waren diese ohnehin nie. Schon alle die Startaufstellung liess diese nicht zu. Mit einer Elf, die problemlos auch in der Super League beginnen können, machte Marcel Koller deutlich, wie ernst man dieses Spiel nimmt. Gerade auch deshalb verwunderte es, wie lange der FCB brauchte, um den Torreigen zu eröffnen. «Wir haben in der ersten Halbzeit zu langsam gespielt und umgeschaltet», so Koller. Chancen waren zwar vorhanden, aber: «Wir wollten zu schön spielen, wollten uns bei jedem Angriff in den Sechzehner hinein kombinieren», erklärt Ajeti die Problematik des ersten Durchgangs. «Gegen einen Gegner, der so tief steht, ist das nicht einfach.»

Albian Ajeti nach dem Torfestival gegen den FC Echallens

  

Also spielte man nach Wiederanpfiff schneller, schnörkelloser. Die Folge: ein Doppelpack Ajetis in der 52. und 53. Minute. Der Bann war gebrochen. Zwar liess der FCB nur zwei Minuten nach Ajetis 2:0 den Anschluss zu. Ein Gegentor, «das wir fast selber geschossen haben», wie Koller mit Blick auf die Fehlerkette seiner Spieler meint. Aber wirklich Angst, dass dieses Spiel noch kippen könnte, musste der FCB-Trainer dennoch nicht haben.

Oberlin mit wichtigem Erfolgserlebnis

Zu ungefährlich war Echallens, zu bedacht darauf, nicht zu viele, weitere Tore zu bekommen. Dies, in Kombination mit den nachlassenden Kräften der Gastgeber, liess den FCB seine von Beginn an erdrückende Dominanz auch endlich in Tore ummünzen. Zwischen der 63. und der 69. Minute trugen sich auch noch Ricky van Wolfswinkel, Kevin Bua und Samuele Campo in die Liste der Torschützen ein. Mit Dimitri Oberlin erzielte einer noch das 6:1, für den das Erfolgserlebnis eines erzielten Tores sehr wichtig ist.

Dass der Schlusspunkt dann Echallens gehört, Saliminah Galokho in der 91. Minute ein noch schöneres Freistosstor als Fabian Frei schiesst und auf 2:7 verkürzt, stört wenn überhaupt Frei. Natürlich dürfen gegen einen vier Ligen tiefer spielenden Kontrahenten keine so einfachen Gegentreffer kassiert werden. In der Endabrechnung fällt dies aber nicht ins Gewicht. Der FCB steht im Cup-Achtelfinal und Echallens hat mit zwei Toren seinem perfekt organisierten und inszenierten Cup-Fest die Krone aufsetzen können.