Ein Hauch von Hoffnung
Erster Heimsieg 2018 gegen Sion: Das 1:0 ist für den FC Basel ein Mini-Schritt aus der Krise

Ein Hauch von Hoffnung ist zurück in Basel. Vom Meistertitel redet niemand mehr, aber die Erleichterung ist nach den Krisen-Wochen nicht nur bei den Spielern gross.

Sébastian Lavoyer
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Freude beim FC Basel nach dem 1:0 gegen Sion.

Freude beim FC Basel nach dem 1:0 gegen Sion.

KEYSTONE

Aus der Drehung zieht Albian Ajeti ab, trifft den Ball nicht richtig und so kullert er Richtung Sion-Tor, springt kurz vor Torhüter Kevin Fickentscher auf und dann hinter dem bedauernswerten Sion-Keeper ins Tor. 1:0 für den FCB. Das erste Basler Tor 2018 im Joggeli. «Ein dreckiges Tor» wird es Sion-Trianer Maurizio Jacobacci nach dem Spiel nennen.

Und Fabian Frei, der auch gegen die Walliser in der Innenverteidigung spielt, meint: «Natürlich war das keine Gala. Aber es ging uns in erster Linie darum, das Spielfeld als Sieger zu verlassen, dieses Gefühl. Und es tut echt gut, auch wenn bei weitem nicht alles perfekt war.»

Ein Sieg ohne grossen Wert

Aber eben, endlich wiedermal ein Sieg in der Liga. Der letzte datiert vom 10. Februar, als man in Thun ein 2:0 erkämpfte. Dem gegenüber stehen Niederlagen gegen Lugano, St. Gallen und Luzern, das Cup-Aus im Halbfinal gegen YB, die 0:4-Klatsche gegen Manchester City im Hinspiel des Champions-League-Achtelfinals und das dürftige 1:1 in Lausanne unter der Woche.

Natürlich, es gab da noch dieses sensationelle 2:1 in Manchester. Aber es war dies ein Sieg ohne grossen Wert. Das Selbstvertrauen konnte man nicht mit in die Meisterschaft nehmen.

Die Last der Krise

Der Rückstand auf YB ist in diesen Krisen-Tagen von zwei auf derzeit 16 Punkte angewachsen. Der Meistertitel ist noch viel weiter entfernt als das nächste Meisterschaftsspiel. Denn jetzt gehts in die Länderspielpause und erst am Ostermontag geht es weiter in der Liga.

Ausgerechnet in Bern gegen den momentan so unerbittlich starken Leader, der am Samstag gegen den FCZ seinen achten Sieg in Serie einfuhr. «Man muss anerkennen, dass YB sehr gut arbeitet, sie sind ungemein konstant, meint denn auch Luca Zuffi. Und: «Wir müssen jetzt in erster Linie mal schauen, dass wir den zweiten Platz halten können.»

Eine Willensleistung

Das ist vorerst dank dieses dreckigen 1:0-Sieges gelungen. Aber St. Gallen auf Platz 3 macht dem FCB ordentlich Dampf. Die Ostschweizer haben am Samstag GC mit 2:1 bezwungen. Der fünfte Sieg in Serie. Der Abstand auf Basel beträgt bei einem Spiel mehr nur noch drei Punkte.

Der Sieg gegen Sion war eine Willensleistung. In der ersten Halbzeit bringt der FCB ausser einem Offside-Tor von Albian Ajeti nichts zustande. Danach sieht es nicht viel besser aus, ausser dass der zweite Treffer von Ajeti in der 69. Minute zählt. Der Torschütze: «Der Trainer hat uns vor dem Spiel und in der Halbzeit noch einmal gesagt, dass uns nichts geschenkt wird, dass wir uns das Glück hart erarbeiten müssen.»

Vom Meistertitel redet niemand mehr

Ein Hauch von Hoffnung ist zurück in Basel. Vielleicht kommts noch einmal wie im Herbst. Damals erkämpfte man sich ein 1:0 gegen den FCZ und machte so einen ersten Schritt aus der ersten Krise. Jetzt hoffen sie, dass der Kampfsieg gegen Sion ähnliche Wirkung haben könnte.

Vom Meistertitel redet niemand mehr, aber die Erleichterung ist nach den Krisen-Wochen nicht nur bei den Spielern gross. So meinte etwa Trainer Raphael Wicky: «Ich bin sehr zufrieden. Wir wussten, dass es ein schwieriges Spiel wird, wir keinen Champagner-Fussball werden zeigen können.

Der Druck ist gross

Nicht nur weil der Gegner im Aufwind ist, sondern weil die Situation für uns schwierig ist. Der Druck ist sehr gross, das spürt jeder. Und das verunsichert. Selbst erfahrene Spieler bekommen so manchmal zittrige Füsse.»

Ob das mühsam erkämpfte 1:0 gegen Sion reicht, um ein bisschen ruhiger nach Bern zu reisen? Zweifel sind angebracht. Zu labil wirkt derzeit vieles beim FCB.