Dieser junge Mann, dieser Julien Wanders. Der 22-jährige Genfer brillierte in den letzten Monaten, allen voran mit seinem 10-km-Strassenlauf-Europarekord vor sieben Wochen. Und jetzt folgen Klassevorstellungen bei den Stadtläufen. «Es ist mir wichtig, mich auch in der Schweiz und meinen Fans so zu zeigen», sagt er. In Bulle tat er dies mit einem Tempolauf und einem Alleingang zum Streckenrekord. In Basel, seinem einzigen Auftritt in der Deutschschweiz, führte eine Strategie voller Unsicherheiten zum Vollerfolg.

«Eine Erkältung band mich in den letzen Tagen zurück, ich wusste nicht, was ich mir zutrauen kann», beschrieb er seine Gefühle vor dem Start. Also taktierte er zu Beginn des 7,5 km langen Rennens über viereinhalb Runden durch die Basler Innenstadt. Rasch aber stellte Wanders «gute Beine» fest und wurde offensiver. Als letzten Begleiter schüttelte er den Kenianer Bernhard Mateka ab. «Nun liefs immer besser, ich fand meine eigene Pace und konnte richtig aufs Tempo drücken», strahlte er. Und Wanders pulverisierte den Streckenrekord mit seinen 21:23 Minuten. Nicht weniger als 19 Sekunden blieb er unter der Marke von Tadesse Abraham, dem Rekordsieger mit seinen sechs Siegen zwischen 2011 und 2016, Halbmarathon-Europameister und Marathon-Rekordhalter. «Das hätte ich so nicht erwartet», sagte Wanders glücklich.

Gespannt blickt er nun in Richtung Escalade in Genf vom nächsten Sonntag. Dort bekommt er es nicht nur mit Abraham zu tun, sondern auch mit international hochklassiger Konkurrenz.

Wyders Aufholjagd

Auch im Frauenrennen wurde die Favoritin ihrer Position gerecht. Helene Bekeie siegte nach den 5,9 km in 18:45 Minuten vor der Kenianerin Cynthia Kosgei. Auch bei dieser Zeit handelt es sich um eine neue Rekordmarke, und Bekeles Siegesserie umfasst nun bereits vier Siege in Folge. Weit überraschender und aus Schweizer Sicht von besonderem Interesse war aber das, was sich in ihrem Rücken abspielte: ein spannendes Duell um Rang 3. Die bestausgewiesene Martina Strähl musste sich der überzeugend auftretenden Judith Wyder beugen.

«Ich bin mir solche Fights kaum gewohnt und versuchte mich nicht zu stressen», sagte Wyder. Deutlich verhaltener war die eben erst aus dem Nationalteam der Orientierungsläufer zurückgetretene Bernerin gestartet als Strähl. Doch Wyder vermochte je länger je mehr aufzudrehen. Beim steilen Rheinsprung der Schlussrunde überholte sie Strähl und distanzierte sie um 6 Sekunden. Die Zufriedenheit der 21-fachen OL-WM-Medaillengewinnerin war sodann augenfällig. Das Überraschende des Endkampfes bekam indes rasch eine Erklärung. «Je länger das Rennen dauerte, desto stärker wurden die Schmerzen im Gesäss», sagte Strähl. Eine ernsthafte Verletzung muss befürchtet werden.

Die Spezialisten gefordert

Grund zur Freude hatte die fünftplatzierte Selina Büchel. Die 800-m-Läuferin sprach von «einer harten Sache, aber einem tollen Resultat». Sie konnte «auf dieser ungewohnten Überdistanz» ihren Rhythmus durchziehen. Bestätigt sieht sie nicht zuletzt die Wirkung der neuen Impulse nach dem Trainerwechsel vor wenigen Wochen.

Und ein Läufer aus der Region überzeugte besonders eindrücklich: Matthias Kyburz. Der OL-Doppel-Europameister und Gesamtweltcup-Sieger dieses Jahres aus Möhlin lief als dritter Schweizer auf Rang 8. Sein Kommentar: «Ein solch überzeugendes Resultat beim Heimrennen abzuliefern bereitet mir Freude.»