Analyse

Es geht um mehr als um den Cup-Final: Analyse zur Bedeutung des heutigen Spiels für den FC Basel

Der FC Basel spielt heute im Schweizer Cup gegen die Berner Young Boys.

Der FC Basel spielt heute im Schweizer Cup gegen die Berner Young Boys.

Der FC Basel spielt heute im Schweizer Cup gegen die Berner Young Boys. Eine Analyse zur Bedeutung des Cup-Halbfinals für den FC Basel im Hinblick auf die Meisterschaft.

Sie kennen dieses Gefühl: Sie stehen vor einer Herausforderung. Sie wissen, dass Sie die Hürde überspringen können, aber was Sie auch probieren, Sie kommen einfach nicht ans Ziel. Das Problem scheint unlösbar. Bis es plötzlich «klick» macht.

Was zuvor ein unüberwindbares Hindernis zu sein schien, ist auf einmal ein Kinderspiel. Alles ist klar und einfach. Im Sport spricht man in diesem Fall vom Ketchup-Effekt. Wie damals im Herbst, als Michael Lang nach langer Tor-Durststrecke plötzlich am Laufmeter einnetzte.

Es geht um den Cup, nicht die Meisterschaft 

Der Ketchup-Effekt wirkt aber auch bei Teams: Ein einziger Triumph kann eine ganz neue Dynamik in eine Mannschaft bringen. Plötzlich ist die Leichtigkeit des Siegens zurück, plötzlich lebt die Hoffnung – sei es im Abstiegskampf oder wie hier und heute im Meisterrennen. Halt, werden Sie rufen, heute ist Cup-Halbfinal, nicht Meisterschaft.

Der FC Basel feierte seinen Cupsieg im Mai 2017 in Genf. Welches Team darf dieses Jahr seinen Triumph begiessen?

Der FC Basel feierte seinen Cupsieg im Mai 2017 in Genf. Welches Team darf dieses Jahr seinen Triumph begiessen?

Aber tatsächlich geht es für den FC Basel in diesem Spiel in Bern um mehr als «nur» die Final-Qualifikation. Auch wenn Cheftrainer Raphael Wicky sagt: «Heute werden keine Meisterschaftspunkte vergeben. Man könnte zwar argumentieren, dass dieses Spiel einen mentalen Einfluss auf die Meisterschaft haben kann. Aber davon halte ich nicht viel.» Er nehme Spiel für Spiel. Und so weiter.

Warum sich Wicky hütet, die Partie verbal aufzublasen

Man muss Wicky in diesem Punkt widersprechen. Der FCB braucht dringend ein Erfolgserlebnis. Von vier Spielen im Jahr 2018 hat er deren drei verloren. Und dabei war das 0:4 gegen die Giganten von Manchester City noch am leichtesten zu verkraften. Zwei Heimpleiten haben am Selbstverständnis als Liga-Dominator des FC Basel gekratzt.

Elf Punkte beträgt der Rückstand auf die Young Boys. Natürlich, der FCB hat ein Spiel weniger. Aber gegen Lausanne muss man auswärts auch zuerst einmal gewinnen. Und: Letztmals grösser war Basels Rückstand auf YB Ende August 2009. Nach acht Runden führten die Berner damals mit 22 Punkten die Tabelle an, während Basel mit deren neun am hinteren Ende herumdümpelte.

Sébastian Lavoyer

«Im schlimmsten Fall geht es heute um den einzigen Titel für den FC Basel.»

Sébastian Lavoyer 

Jetzt sind 15 Runden mehr gespielt und Basel liegt im besten Fall mit acht Punkten hinter YB. Aus eigener Kraft kann der FCB nicht mehr Meister werden. Also geht es heute im schlimmsten Fall um den einzigen Titel für den FCB.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Man stelle sich das vor: Noch vor wenigen Wochen hiess es, dass dieses Cup-Spiel wegweisenden Charakter haben wird im Hinblick auf den Ausgang der Meisterschaft. Jetzt geht es in erster Linie darum, wenigstens einen Titel zu holen. Verliert der FCB aber, kann man mit grösster Wahrscheinlichkeit auch die Meisterschaft abhaken.

Natürlich widerspricht da Raphael Wicky. Denn hier ist von Statistik, von Wahrscheinlichkeit und auch von den Young Boys die Rede. Die haben es in den vergangenen 32 Jahren mehr als nur einmal fertig gebracht, den Meistertitel auf der Zielgeraden zu verspielen.

Kein Kopf an Kopf Rennen: Der FCB hat zwar ein Spiel weniger, aber dennoch elf Punkte Rückstand auf die Berner

Kein Kopf an Kopf Rennen: Der FCB hat zwar ein Spiel weniger, aber dennoch elf Punkte Rückstand auf die Berner

Kurz: Sie haben noch jede Meisterschaft «veryoungboyst». Selbst im Falle einer Niederlage besteht also noch Hoffnung. Und die will und darf Wicky nicht killen, in dem er diesen Cup-Halbfinal verbal zum Schlüsselspiel für die Meisterschaft aufbläst. Dafür ist er zu clever.

Als YB vor dem FCB landete – und doch nicht Meister wurde

Für einen neutralen Beobachter aber ist sofort klar, dass es in diesem Spiel um mehr geht. Es geht um den Glauben ans Unmögliche. Den brauchen die Basler. Denn in der Geschichte der Super League gab es noch kein Team, das nach 23 Runden so weit vor der Konkurrenz lag und den Titel dann noch vergeigte. Ein Sieg muss her. Sonst erinnert plötzlich allzu viel an die Saison 2008/09. Damals verlor der FCB den Cup-Halbfinal in Bern nach dem Elfmeterschiessen.

Am Ende der Saison lag YB einen Punkt vor dem FCB. Zur allgemeinen Freude in Basel: Die Berner wurden natürlich trotzdem nicht Meister, sondern der FC Zürich. Und sie lagen seither zum Ende der Saison nie mehr vor den Baslern. Zu gross war die Hürde FCB für YB. Wenn das so bleiben soll, braucht es heute einen Sieg.

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