Super League

Es ist zum Schreien: Der FC Basel spielt unter den Augen von Roger Federer gegen Aufsteiger Xamax nur 1:1

Wie beim Remis in Neuenburg ist der FC Basel auch im zweiten Match gegen Aufsteiger Xamax nicht über ein Unentschieden hinausgekommen. Nach einer enttäuschenden Leistung brachten es die Basler auch zuhause nur zu einem 1:1.

Im olivgrünen Anorak und mit gesenktem Blick stapft Sportchef Marco Streller in die Katakomben des Stadions. Sekunden später der Ausbruch in der Kabine, Schreie sind zu hören, es poltert, als würde jemand gegen die Tür treten. Der Sportchef kocht vor Wut. 1:1 gegen Aufsteiger Xamax – das ist viel zu wenig für die Ansprüche des FC Basel. Das ist ungenügend, schlecht, enttäuschend.

Als Streller wenige Minuten später vor die Mikrofone tritt, atmet er tief durch, als er gefragt wird, was er in der Garderobe gemacht habe, sagt nach kurzer Pause: «Die Enttäuschung ist zum Ausdruck gebracht worden.» Auf Nachfrage fügt er an: «Ich bin ein emotionaler Mensch. Aber hoffentlich war ich nicht der Einzige, der ein bisschen lauter wurde. Manchmal braucht es das.»

Roger Federer leidet mit

Vor den Augen von Edel-Fan Roger Federer, den Marco Streller vor der Partie mit einer herzlichen Umarmung begrüsst, beginnt der FCB zwar ansprechend, kommt durch Bua, Ajeti und Zuffi zu guten Gelegenheiten, weiss diese aber nicht zu nutzen. Einmal mehr mangelt es an Effizienz. Und um ein Haar wäre der FCB für seine Nonchalance schon in der ersten Halbzeit bestraft worden.

Nach einem Abpraller von Goalie Martin Hansen reagiert Xamax-Captain Raphaël Nuzzolo blitzschnell, schiebt sein Bein vor das von FCB-Abwehrchef Eray Cömert und fällt. Schiedsrichter Nikolaj Hänni aber pfeift nicht, und noch während Nuzzolo kopfschüttelnd im Strafraum sitzt, kontert der FCB. Flanke Widmer, Kopfball Ajeti – 1:0 für den Gastgeber.

Nuzzolo schlägt nach der Pause zu. Eine abgelenkte Flanke spitzelt er zum 1:1 ins FCB-Tor. Da hätten die Basler noch immer rund 40 Minuten Zeit, um das Spiel doch noch zu ihren Gunsten zu wenden. Aber ausser einer Mehrfach-Chance von Cömert, Widmer und Bua kommt kaum mehr etwas Brauchbares zustande.

«YB hat am Samstag wieder Punkte liegenlassen. Wir hätten ein Zeichen setzen können, dass wir noch da sind. Gegen Xamax daheim. Aber letztlich hat jeder die Verantwortung abgeschoben. Ein 1:1 ist klar zu wenig, die Leistung ist enttäuschend. Das hat das Publikum zu Recht mit Pfiffen quittiert», sagt Streller.

Auf der Suche

Der FCB liefert nicht, der FCB ist auf der Suche. Das muss auch Trainer Marcel Koller einmal mehr zur Kenntnis nehmen. «Das war kein gutes Spiel, wir waren zu uninspiriert, haben zu viele Fehler gemacht, waren zu wenig kompakt», sagt er. Er hat vieles versucht, wechselte verhältnismässig früh, brachte drei neue Offensivkräfte.

Doch Afimico Pululu und Dimitri Oberlin enttäuschten, einzig Aldo Kalulu vermochte ein bisschen neuen Schwung ins Basler Spiel zu bringen. Koller bemerkt: «Wir hatten am Schluss sechs Spieler um die 20 auf dem Platz.»

Das ist auch der Tatsache geschuldet, dass sich etliche erfahrene Spieler verletzt haben und noch nicht wieder einsatzfähig sind (Marek Suchy, Carlos Zambrano, Valentin Stocker und Eder Balanta), aber es ist auch Teil des Konzepts des FCB.

Das wusste Koller schon, als er übernahm, das ist ihm auch nach einem solchen Spiel bewusst: «Auf der einen Seite ist der Anspruch des FCB, der grosse Namen, die Erfolge der Vergangenheit. Andererseits haben wir junge, talentierte Spieler, die noch nicht die gleiche Konstanz haben wie erfahrenere Spieler.»

Fehlender Willen

Doch viel mehr als an Erfahrung fehlte es gegen den Aufsteiger am unbedingten Willen, zu gewinnen. «Das ist für mich absolut unverständlich», sagt Sportchef Marco Streller, «vielleicht hat der eine oder andere gedacht, es ginge gegen den Letzten von allein. Aber so funktioniert das nicht.»

All das schreit nach Konsequenzen, Strafe, Sondertrainings. «Es ist am Trainer, zu entscheiden, wie er damit umgehen will. Aber wir sind enttäuscht, und das darf die Mannschaft auch mal spüren», so Streller.

Man wollte wieder eine Heimmacht werden in dieser Saison. Wenn man gegen den Letzten nicht siegt, tönt das wie ein schlechter Witz. Da passt es dazu, dass der FCB auf den vierten Platz abrutscht. Überholt von Thun, das auf Platz 2 vorstösst. Es ist zum Schreien.

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