Wenn es im Kindergarten ums Spielen ging, wusste sie, nicht wie die übrigen Mädchen ihrer Klasse, nichts mit den Puppen und Playmobil anzufangen. Sie vergnügte sich lieber draussen mit den Jungs beim Fussballspielen. Bereits im Alter von fünf Jahren kickte Lara Jenzer mit ihrem Bruder im Garten.

Wirklich Freude hatten aber vor allem die Mutter und die Grosseltern nicht. Sie bevorzugten es, wenn das Mädchen in der Freizeit auch dem nachging, was Mädchen in dem Alter machen: Ballett tanzen, Geige spielen oder in die Pfadi gehen. Doch im Alter von zehn Jahren setzte sich Klein Lara durch und begann beim FC Fislisbach zu spielen.

Bei aller früh entwickelten Liebe zum Fussballspielen, Fussballschauen mag Jenzer überhaupt nicht. Sie spiele ja schon genug Fussball, da müsse sie nicht auch noch andern dabei zusehen. «Ausser Spiele der Frauennati, die schaue ich mir gerne an. Dort kenne ich wenigstens Personen, mit denen ich mitfühlen kann. Gut, die WM der Männer habe ich auch verfolgt», gibt die 20-Jährige zu.

Wobei das mit dem Männerfussball auch so eine Sache ist. Jenzer findet den Frauenfussball deutlich attraktiver, «weil die Männer ja nur am Boden herumliegen. Bei uns ist das Spiel positiver gestimmt».

Die einmalige Chance FCB

Bis zum vergangenen Sommer spielte die Oberrohrdorferin beim FC Aarau Frauen. Dort konnte auch Jenzer nicht verhindern, dass die Aarauerinnen abgeschlagen Letzte wurden und nach nur einer NLA-Saison wieder in die Zweitklassigkeit abstiegen. Gefehlt hat es gemäss Jenzer vor allem an der Erfahrung.

Das letztjährige Kader der FCA-Frauen war sehr jung. Von einem erfolglosen Spiel zum nächsten schleppte sich das Team, das die Saison mit nur gerade vier Punkten aus 28 Spielen beendete. Der Saisonverlauf wurde zu einem einzigen Teufelskreis. «Es ist extrem schwierig, nach 20 Niederlagen noch Hoffnung zu haben», sagt Jenzer.

Weil es für die talentierte Mittelfeldspielerin keinen Sinn gemacht hätte, in der NLB zu kicken, verliess sie im vergangenen Sommer ihren Stammklub und wechselte zum NLA-Klub FC Basel. Nicht, dass sie diesen Wechsel geplant hätte: «Vor einem Jahr hätte ich noch gesagt, dass ich nie im Leben würde wechseln wollen», räumt Jenzer ein.

Doch selbst die Eltern motivierten sie zu diesem Schritt: «Sie sagten mir: ‹Nutz die Chance, die kommt sonst nie mehr!› Rückblickend muss ich sagen, dass es die beste Entscheidung war, die ich je getroffen habe.» Jenzer führt ein «chilliges» Leben, wie sie es selber definiert: Sie hat Zeit für sich, für die Schule und für die Familie.

Alternative YB

Ausserdem entwickelt sich Jenzer auch persönlich weiter, sie wohnt jetzt in Basel in einer WG. Nicht zuletzt war auch die positive Wohnsituation ausschlaggebend für den Wechsel an den Rhein. Es war aber auch ein Bauch- und Herzentscheid: Weil der Rest der Familie Jenzer Basel-Fans sind, war Jenzer früher auch oft im St. Jakob-Park.

Ihre Alternativdestination wäre Bern gewesen. Mit der Trainerin der Young Boys stand sie seit vergangenem Winter in Kontakt, die Aussicht auf tägliche Pendlerei war Jenzer aber ein Dorn im Auge. In Basel konnte sich die Mittelfeldakteurin sofort durchsetzen. Sie spielte ab dem ersten Spiel der Champions-League-Qualifikation, in der die Baslerinnen allerdings scheiterten, alle Spiele von Beginn an.

Jenzer führt den misslungenen Ligastart mit drei Niederlagen in Serie auf die fehlende Erfahrung im Team zurück. Den ersten Meisterschaftssieg für den FCB gab es erst am vergangenen Samstag – gegen YB.

Im Telegramm dieser Partie fehlt der Name Jenzer – ausgerechnet. Überrascht, dass sie beim 2:1-Sieg nicht zum Einsatz kam, war Jenzer nicht. Ihr war von Beginn weg klar gewesen, dass sie weniger Einsatzzeit erhalten würde, sobald die bis dahin verletzten Mittelfeldspielerinnen ins Kader zurückkehren würden.

Klare Zukunftsvorstellungen

Auch dem erweiterten Kader des A-Nationalteams gehört Lara Jenzer an. Im Aufgebot stand sie jedoch nur einmal: Ende Oktober 2017 bei einem Testspiel gegen Japan. Wieder im Aufgebot zu stehen, sei sicherlich ein Ziel, allerdings ist Jenzer aufgefallen, «dass dort alle noch viel schneller und sicherer am Ball sind.» Zwei Punkte, an denen sie bei sich selbst eine Verbesserung will, um zum festen Bestandteil in der Landesauswahl zu werden.

Auf Vereinsebene hat sie ebenfalls klare Vorstellungen: Ein Wechsel ins Ausland kommt nur dann infrage, wenn sie dort auch die Sprache lernen kann. «Deutschland passt nicht zu mir. Da spricht man Hochdeutsch», erklärt die Schülerin der Aarauer Sportkanti.

Zudem kann sich Jenzer nicht vorstellen, für länger als ein Jahr als Profi zu spielen, erklärt sie: «Da bin ich lieber in der Schweiz bei einem guten Verein, wo ich nebenher arbeiten kann.» Nach der Kanti will sie die PH in Basel besuchen und sich als Primarlehrerin und Heilpädagogin spezialisieren.

Mittlerweile steht die gesamte Familie voll und ganz hinter ihr: «Wir haben auch einen Chat über mich. Immer wenn ich ein Spiel habe und jemand schauen kommt, gibt es darin einen Ticker für die, die nicht mitkommen konnten», sagt Jenzer schmunzelnd. Aus dem kleinen Mädchen Lara, das unbedingt Fussball spielen wollte, ist die junge Frau Jenzer geworden, die als Fussballspielerin geschätzt wird.