Eseosa Aigbogun, bald startet die WM. Was sind Ihre persönlichen Ziele in Kanada?

Eseosa Aigbogun: Ich will der Mannschaft in allen Belangen helfen. Egal, ob ich auf der Ersatzbank oder auf dem Feld bin.

Das Minimalziel ist der Achtelfinal. Wie weit kann die Reise in der KO-Phase gehen?

Wenn wir im Achtelfinal sind, können wir alles erreichen. Wir nehmen jetzt erst mal Schritt für Schritt.

Für die Schweizer Frauenfussballnationalmannschaft ist es die erste Teilnahme an einer Weltmeisterschaft. Was bedeutet dies für den Frauenfussball in der Schweiz?

Es gibt einen gewaltigen Schub, das spürt man. Es motiviert viele junge Spielerinnen in der Schweiz, noch mehr zu trainieren, um auch einmal die Chance zu haben, an einer WM teilnehmen zu können. In den letzten Trainings bei meinem Klub Basel ging es nur noch um die bevorstehende Weltmeisterschaft. Alle Nationalspielerinnen gaben alles, um dabei zu sein. Das half auch jenen Spielerinnen, die nicht zum erweiterten Kreis der Nati gehören. Auch sie haben bis zum Schluss mitgezogen und bis zum Schluss ihrer Saison Vollgas gegeben.

Beim FCB treffen Sie als Stürmerin am Laufmeter. Wie viele Tore erzielen Sie an der WM?

Ich will keine bestimmte Zahl nennen, gerade weil ich keine Stammspielerin bin. Ich bin froh um jede Minute, die ich von unserer Trainerin erhalte.

Was machen Sie neben dem Fussball?

Ich arbeite 50 Prozent auf der Geschäftsstelle der Basler Nachwuchsstiftung.

Wie vereinbaren Sie ihre Tätigkeit als Spitzenfussballerin mit dem alltäglichen Job?

Ich kann jeden Morgen aufstehen und das Machen, was ich liebe: Fussball spielen. Es ist ein Privileg, sein Hobby als Beruf auszuüben. Nebenbei ist das Praktikum eine gute Abwechslung. Es tut gut, einfach mal vor einem Schreibtisch zu sitzen und nur den Kopf anzustrengen.

Erhalten Sie zusätzliche Ferien für die WM oder mussten Sie unbezahlten Urlaub nehmen?

Ich habe für die gesamte Vorbereitung und die WM frei erhalten. Mein Arbeitgeber ist sehr spontan. Ich kann also immer zur Nationalmannschaft gehen, wenn ich aufgeboten werde, und verpasse auch kein Morgentraining beim FCB.

Wenn ihr bis in den Final kommt, müssen Sie also nicht schon frühzeitig abreisen?

Nein sicher nicht (lacht). Dann werde ich ihn auf jeden Fall spielen!

Sie spielen beim FC Basel. Ist die WM ein Schaufenster für Sie, um den Sprung ins Ausland zu schaffen?

Das sehe ich nicht so. Es ist viel wichtiger, dass ich viele Erfahrungen von Kanada nach Hause nehmen kann. Ich will an dieser WM wachsen. Der Rest kommt von alleine, wenn ich eine gute Spielzeit beim FCB mache.

Wie wichtig ist Ihnen das Aussehen auf dem Platz?

Unwichtig ist es mir nicht, es hat aber keine Priorität (lacht).

Sie hätten auch für das Land ihres Vaters, Nigeria, spielen können. Sie haben sich aber für die Schweiz entschieden. Was bedeutet es Ihnen, für die Schweizer Nationalmannschaft auflaufen zu dürfen?

Es macht mich stolz, mein Heimatland so gut es geht zu vertreten.

Werden Sie bei der Nationalhymne mitsingen?

Das mache ich immer. Bei uns singen alle immer mit. Anstatt Vaterland singe ich aber Mutterland, weil meine Mutter Schweizerin ist.

Wie ist die Stimmung im Team?

Die Stimmung ist sehr gut. Es freuen sich alle auf die bevorstehende Zeit.

Haben Sie eine beste Kollegin in der Mannschaft?

Es gibt keine Grüppchen bei uns, ich habe es mit allen gut. Meine Zimmerkollegin ist Barla Deplazes, mit ihr ist es immer lustig.

Was halten Sie von ihrer Trainerin, Martina Voss-Tecklenburg?

Ich finde Sie eine grossartige Trainerin. Ich bin für jedes Training dankbar, wo ich von ihr lernen darf. Ich nehme aus jeder einzelnen Einheit etwas mit.

Das erste Gruppenspiel ist gegen Titelverteidiger Japan. Geht es da nur darum, eine Klatsche zu verhindern?

Wir gehen nie in ein Spiel wo wir denken, ein Unentschieden ist okay. Wir wollen jedes Spiel gewinnen, auch jenes gegen Japan. Aber klar wird es eine schwierige Partie.