American Football
Europa als «American Dream» für die Basler Haudegen

Mit Corey Stollmeyer, Nick Wanner und Zuri Nance stehen drei US-Amerikaner bei den Basel Gladiators unter Vertrag. Ein Hausbesuch bei den «Imports» vor der Swiss Bowl am Samstag in Grenchen.

Jonas Burch
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Die Verbindung zur Heimat: Corey Stollmeyer (links) und Nick Wanner beim Videostudium in der gemeinsamen WG in Rheinfelden. Fotos: Kenneth Nars

Die Verbindung zur Heimat: Corey Stollmeyer (links) und Nick Wanner beim Videostudium in der gemeinsamen WG in Rheinfelden. Fotos: Kenneth Nars

Kenneth Nars

Die Jungs aus den Staaten sind ein spezielles, aber lustiges Völkchen. Corey Stollmeyer isst gerade Pasta im FC-Basel-Shirt, während sich Nick Wanner auf dem Plasma-TV «The Hobbit» anschaut. Und Zuri Nance? «He is sleeping at the moment», sagt Wanner – um 14 Uhr. Wie dem auch sei. Seit gut drei Monaten wohnen die drei Import-Spieler aus den USA im Rheinfelder Augarten. Eine Plattenbausiedlung, die im groben Kontrast zur schmucken Altstadt steht. Coach Dwaine Wood hat eigens eine 4-Zimmer-Wohnung für die Gäste aus Übersee gemietet, welche jeweils nach der Swiss Bowl wieder abreisen werden. «Ursprünglich musste ich eine Nacht nach dem Endspiel wieder zurück in die Heimat. Ich dachte: ‹What the fuck›?» sagt der Defensive-Back Stollmeyer. Jetzt bleiben dem 25-Jährigen immerhin noch vier Tage.

Danach ist das Abenteuer Europa zu Ende. Nur selten bleiben die Imports länger als eine Saison. Für Corey Stollmeyer ist Basel – nach dem Engagement beim Wiener Klub Danube Dragons im Vorjahr – bereits die zweite Station in Europa. «I love it. Die Mischung aus Sport und dem Kennenlernen von neuen Kulturen ist immer wieder ein Erlebnis.» Für Quarterback Wanner ist das Gastspiel bei den Gladiators gleichzeitig die Europa-Premiere. «Als Amerikaner hat man das klassische Bild der Schweiz im Kopf: Schokolade, Käse und die Alpen.» Mittlerweile haben sich die Aushilfs-Gladiatoren am Rheinknie bestens eingelebt. «Ausser das Wetter könnte besser sein», so Wanner leicht genervt. Verständlich für einen 24-jährigen aus dem kalifornischen Sacramento – wo der Temperatur-Jahresdurchschnitt bei 23 Grad liegt.

Dass Amerikaner bei europäischen Klubs aushelfen, ist längst keine Seltenheit mehr. Auf der Internetplattform «Europlayers.com» können sich die Spieler mit einem kurzen Steckbrief und einem Video vorstellen. «Ist man interessant, wird man von den Coaches kontaktiert.» Während Wood mit Stollmeyer bereits im September ins Gespräch kam, wurde über die Verpflichtung von Wanner erst im Februar entschieden. «Ich hatte noch ein Angebot aus Deutschland, zog aber die Schweiz vor.» Nicht wegen des Geldes, sondern aufgrund des Gesamtpakets stellt Wanner klar.

Für die US-Spieler ist ein solches Engagement in Europa die perfekte Gelegenheit, den Sport mit dem Reisen zu verbinden. Wanner, Stollmeyer und Co. machen keinen Hehl daraus, dass eine NFL-Karriere schon seit den College-Zeiten ein unrealistisches Ziel wäre. «In den USA gibt es die NFL und sonst nichts», bringt Stollmeyer die Ausgangslage auf den Punkt. Zum Vergleich: Wird in der Schweiz in neun Ligen Fussball gespielt, muss man in den Staaten zur Elite gehören, um in einem Football-Klub regelmässig zum Einsatz zu kommen. Entsprechend entscheiden sich viele für die Alternative Europa. «Das Niveau ist überraschend gut hier. Ausserdem wird hier nicht so verbissen um den Erfolg gekämpft wie bei uns», weiss Stollmeyer.

Was nach dem viermonatigen Besuch in Basel folgen wird, lassen beide offen. Auf jeden Fall wollen und müssen die Footballer in der Heimat einen Job suchen. Wanner etwas im Bereich von Sport-Management, was er an der Universität studiert hat. Stollmeyers Familie betreibt Unternehmen in der Einzelhandels-Branche. Nebenbei wollen beide weiter Football spielen, selbst wenn sie derzeit noch keinen Verein haben. «Auch wenn ich meine Familie vermisse, treibt es mich wahrscheinlich erneut nach Europa», blickt er voraus. Wanner nickt zustimmend. Dann würde der «American Dream» wieder von vorne beginnen. Nur etwas anders

Immer die gleiche Geschichte

Zum vierten Mal in Folge treffen die Gladiators m Endspiel auf die Calanda Broncos. Mit 49:7, 65:33, 56:14 haben sich die Bündner Topfavoriten jeweils deutlich gegen die Basler durchgesetzt. Auch die vierte Auflage wird wiederum eine Mission «David gegen Goliath», bei welcher der Druck nur aufseiten des Serienmeisters liegt. Für die Gladiators, welche als Saisonziel die Swiss-Bowl-Teilnahme ausgerufen haben, geht es also demnach nur noch um die Krönung. Der Showdown der 28. Swiss Bowl findet am Samstag im Stadion Brühl in Grenchen statt.

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