Nach zwei internationalen Trainingslagern im Januar in Lignano (Italien) und dem österreichischen Mittersill startete die neue Judo-Saison für die Mitglieder des Nationalteams gerade mit dem European Open, einem Weltcup-Turnier in Sofia.

Im letzten Jahr konnte Evelyne Tschopp neben zahlreichen Europacup-Turnieren, wo sie sehr erfolgreich abgeschnitten hatte, auch zwei Weltcup-Turniere bestreiten und war beide Male nicht über die erste Runde hinaus gekommen.

Es hiess daher für die bald 23-jährige Kämpferin, in Bulgarien den ersten Kampf gegen Sevara Nishinbayeva aus Kasachstan zu gewinnen. Die Muttenzerin ging beherzt ans Werk, geriet aber bald mit Wazaari (Halbpunkt) in Rücklage. Die Kampfdauer bei den Frauen wurde von 5 auf 4 Minuten gekürzt, Tschopp musste sich also beeilen, den Rückstand wett zu machen.

Es gelang ihr mit einem schönen Fusswurf, für den sie ebenfalls einen Wazaari bekam, den Kampf zu wenden. Sofort konnte die Baselbieterin ihre Gegnerin am Boden in einen Festhaltegriff nehmen, aus dem es kein Entrinnen mehr gab. Tschopp siegte damit vorzeitig mit Ippon (Vollpunkt).

Die erste Hürde war also geschafft, da bei einer allfälligen Niederlage in den folgenden Runden noch eine weitere Chance auf Bronze in der Hoffnungsrunde (Repechage) bestand. Gold und Silber lassen sich aber jeweils nur gewinnen, wenn eine Kämpferin im Haupttableau bleibt und damit den Final erreicht.

Der nächste Kampf gegen die Holländerin Juul Franssen begann erfolgversprechender als der erste. Tschopp ging früh mit einem Wazaari in Führung und konnte den Vorsprung lange gut verwalten. 50 Sekunden vor Kampfende wurde sie jedoch mit einem Wurf erwischt - Wazaari für die Niederländerin - und geriet ihrerseits in einen Festhalter. Es war praktisch ein Spiegelbild des ersten Kampfes.

Tschopp konnte sich nicht befreien, verlor und musste in die Repechage. Dort traf sie auf die Russin Tatyana Kazenyuk. Tschopp liess sich nicht beirren und punktete von Anfang an fleissig. Diese Runde ging vorzeitig mit einem Ippon an die Schweizerin. Mit diesem Sieg kam sie in den Kampf um die Bronzemedaille. Wer aber stand wohl erneut auf der anderen Mattenseite? Fabienne Kocher. Schon wieder trafen die beiden Schweizer Temakolleginnen in einem internationalen Medaillenkampf aufeinander.

An den Europameisterschaften der U23 im letzten Herbst musste Tschopp die Medaille Fabienne Kocher überlassen, dieses Mal aber machte sie alles richtig. Sie wartete auf den richtigen Moment, riskierte nicht zuviel und konnte Kocher mit einem Wazaari werfen. Dieser Halbpunkt wurde ihr vom Schiedsrichter in der Folge wieder aberkannt, was keine Konsequenzen mit sich brachte.

Tschopp hatte Kocher bereits fest in einem Kesa-gatame (Schärpengriff) am Boden festgenagelt. Wenn ihr das einmal gelungen ist, ist ihr der Sieg kaum mehr zu nehmen. Tschopp gewann mit einem weiteren Ippon diesen Kampf und schaffte bei ihrer dritten Teilnahme an einem Weltcupturnier bereits den Sprung auf das Podest.

Als Mitglied dieses Kaders wird sie an den grossen und wichtigen Turnieren teilnehmen können, die die nötigen Punkte liefern für die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Rio.