Wer denkt, am Eidgenössischen Turnfest (ETF) gebe es nur Wettkämpfe in Leichtathletik, Geräteturnen oder Gymnastik, der irrt. Auch exotischere Teamsportarten wie Indiaca erhalten in Aarau eine Bühne. India-Was?

Das dynamische Rückschlagspiel aus Südamerika mit dem gleichnamigen, charakteristischen Spielgerät, das aus einem gelben Schaumstoffkissen mit vier roten Putenfedern besteht, ist derzeit en vogue. Auch am ETF in Aarau zieht es so manchen Zuschauer in seinen Bann.

«Indiaca ist eine Sportart, die an den Stränden Südamerikas erfunden wurde und in den 1930ern erstmals nach Europa kam», erklärt Martin Buess, Spielertrainer der Männerriege Tecknau. Buess und sein Team gehören im Baselbiet zu den Pionieren der exotischen Volleyball-Variation.

Erfolg ohne Ende

«In unserem Team kommen die meisten Spieler vom Faustball. Wir haben uns einmal im Indiaca versucht, als der Trend hierzulande aufkam. Schnell konnten wir erste Erfolge feiern. Da wussten wir: Das ist etwas für uns», erinnert sich Buess.

Die Erfolge sind für die Männerriege Tecknau nicht mehr abgerissen: Zehnmal in Serie triumphierte man bei der Meisterschaft der Kantonalmeister, der inoffiziellen Schweizer Meisterschaft, zuletzt vor zwei Wochen in Bellinzona.

Der Titel berechtigt zur Teilnahme am Indiaca World Cup in Estland, an dem sich die besten Vereinsmannschaften der Welt duellieren. «Das Niveau dort ist jeweils enorm hoch. Es ist ein tolles Gefühl, dort die Schweiz vertreten zu dürfen», sagt Buess.

Doppelt am World Cup vertreten

Als Athleten einer Randsportart müssten die Tecknauer ihre Reisen an die World Cups zwar grösstenteils selbst finanzieren, das sei es jedoch allemal wert. In diesem Jahr qualifizierten sich gleich zwei Teams aus Tecknau: Auch im Mixed feierte man einen Erfolg.

«Das ist natürlich etwas ganz Spezielles für unser kleines Dorf», zeigt sich der 55-Jährige stolz. Die Tecknauer setzen auf regionale Verankerung als Erfolgsrezept und stellen ihre Teams grösstenteils aus Athleten zusammen, die im Dorf leben oder dort aufgewachsen sind.

Trotzdem zählt Tecknau im Vorfeld des ETF nur zum erweiterten Favoritenkreis. Der Grund: Ihre Erfolge feiern sie vor allem in der Kategorie 40+, beim ETF wird jedoch in einer offenen Alterskategorie gespielt.

Fast ein Drittel aus dem Baselbiet

Buess und sein Team meistern die Herausforderung gegen die teilweise deutlich jüngeren Gegner jedoch hervorragend: Die Tecknauer spielen abgeklärt, präzise und vor allem schnell. Ein Altersunterschied ist kaum auszumachen. Und so stösst Tecknau bis in den Final vor, den es gegen Lampenberg, ein weiteres Team aus dem Baselbiet, gewinnt.

Diese Baselbieter Dominanz kommt nicht von ungefähr. Von insgesamt 79 gemeldeten Teams am Turnfest kommen 24 aus dem Kanton Basel-Landschaft. Bei den Männern stellt man gar beinahe die Hälfte aller Teilnehmer. Nur Solothurn und das Tessin, die beiden anderen Indiaca-Hochburgen, können da mithalten.

«Im Unterschied zu diesen Kantonen hat sich der Sport allerdings bei uns noch nicht wirklich bei den Junioren durchgesetzt», erklärt Buess. Indiaca werde bisweilen noch immer als Altherrensport belächelt.

Werbung für den Sport

Für die Tecknauer ist dies jedoch nicht weiter schlimm: «Wir kennen das noch aus unserer Faustball-Zeit. Irgendwann hat es sich auch dort gebessert und heute wird der Sport auch von den Jungen als Leistungssport betrieben. Wir hoffen, dass es beim Indiaca ähnlich wird.»

Mit ihrem Auftritt am ETF wollen die Tecknauer dazu ein Stück beigetragen. Man hoffe nun, dass die Präsenz auf der grossen Bühne als Werbung für den Sport dienen könne und vielleicht einige Junioren animiert würden, selbst einmal das Indiaca über das Netz zu spedieren.

«So wäre gesichert, dass das Indiaca im Baselbiet nicht ausstirbt und die Tradition aufrechterhalten werden kann.» Der Weg dahin ist allerdings noch weit, denn reine Indiaca-Juniorenteams gibt es im Kanton noch keine. Eine Baustelle, die dringend angegangen werden sollte, wenn das Baselbiet in seiner exotischen Paradedisziplin auch künftig Erfolge feiern will.