FC Basel
Fabian Schärs Traum war Arsenal - die Realität ist Hoffenheim

Fabian Schär wechselt vom FC Basel in die Bundesliga zu Hoffenheim. Warum der Wechsel von FCB-Abwehrchef Fabian Schär in das Fussballdorf Sinsheim trotzdem kein Abstieg ist.

Sebastian Wendel
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Am Wochenende jubelte Fabian Schär letztmals über einen Meistertitel mit dem FCB: Er wechselt in die Bundesliga.

Am Wochenende jubelte Fabian Schär letztmals über einen Meistertitel mit dem FCB: Er wechselt in die Bundesliga.

KEYSTONE/PATRICK STRAUB

Es ist der vergangene Montag, als wir Fabian Schär zum Gespräch treffen. Anlass des Gesprächs ist der bevorstehende Cupfinal. Doch wollen wir vom 23-Jährigen natürlich vor allem wissen, wie er seine persönliche Zukunft sieht und ob das Spiel gegen Sion sein vorerst letztes für den FC Basel sei.

Schär grinst, schaut zu Boden, greift sich an die Nase – die typischen Gesten halt, wenn man viel zu sagen hat, aber nichts sagen darf. Was er aber auch nicht von sich gibt, ist ein Bekenntnis zum FCB. «Jetzt ist der Cupfinal, dann die Länderspiele und dann sehen wir weiter.» Spätestens in diesem Moment gibt es kaum mehr Zweifel: Schär wird den FCB verlassen.

Die Bestätigung erfolgt drei Tage später. Und es ist wie erwartet die TSG Hoffenheim 1899, die sich die Dienste Schärs bis 2019 geschnappt hat. «Er passt bestens in unser Anforderungsprofil», freut sich Sportdirektor Alexander Rosen. Sein Kollege aus Basel, Georg Heitz, bedauert den Abgang, auch weil der FCB den Vertrag mit Schär über 2016 hinaus verlängern wollte.

Gleichzeitig betont Heitz, dass man sich im Guten trenne: «Wir legen unseren Spielern keine Steine in den Weg, wenn sie sich wirtschaftlich und sportlich verbessern können.» Und wohl auch dank der geschätzten Ablösesumme von rund 5 Millionen Franken ist der Schmerz über den Verlust des Abwehrchefs aushaltbar.

Der schlechte Ruf

Fabian Schär kam im Sommer 2012 als Innenverteidiger Nummer vier vom FC Wil nach Basel. Als drei Monate später Trainer Heiko Vogel gehen musste und Murat Yakin übernahm, nahm Schärs Entwicklung Fahrt auf. Und wie: Als Stammspieler im Abwehrzentrum erreichte er mit dem FCB die Halbfinals in der Europa League und gewann den ersten von drei Meistertiteln.

Es folgte das erste Aufgebot für die Nationalmannschaft und im August 2013 das Länderspiel-Debüt gegen Brasilien. Seither ist Schär auch aus der Abwehr der Nationalmannschaft nicht mehr wegzudenken. Begleitet wurde sein Gipfelsturm von ständigen Gerüchten, die Schär eine Zukunft bei den Grossklubs dieser Welt prophezeiten. Dazu sagte er einst: «Solche Geschichten ehren mich und lösen natürlich Träume aus.»

Grossklub? Diese Bezeichnung verdient Hoffenheim beim besten Willen nicht. Ob Schär deswegen enttäuscht ist? Wissen wir nicht. Er kommentiert den Wechsel so: «In Hoffenheim treffe ich auf ein junges und ambitioniertes Team.»

Schär begeistert die FCB-Fans mit seiner Torgefährlichkeit.
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Der steile Aufstieg von Fabian Schär
In seinen ersten beiden Einsätzen im Trikot der Nationalmannschaft erzielte Schär bereits drei Tore.
Die Gratulationen von Nati-Trainer Ottmar Hitzfeld nach Schärs Toren gegen Norwegen.
Fabian Schär spielt erst seit rund einem Jahr für den FC Basel.

Schär begeistert die FCB-Fans mit seiner Torgefährlichkeit.

Keystone

In der Tat bietet der Verein aus dem 4000-Seelen-Dorf viele Reize: ein gefestigter Platz in der boomenden Bundesliga. Ein Trainingszentrum, das zu den modernsten Europas gehört. Mit Markus Gisdol ein Trainer, der offensiv spielen lässt, was zu Schärs Interpretation der Innenverteidigerposition passt.

Mit dem schwerreichen SAP-Gründer Dietmar Hopp ein Mäzen, der den Profifussball in Hoffenheim erst ermöglicht hat und mit dem Klub das internationale Geschäft anpeilt: Ein durchaus realistisches Vorhaben mit Blick auf das Kader, zu dem mit Pirmin Schwegler und Steven Zuber zwei weitere Schweizer Nationalspieler gehören. Perspektivklub statt Grossklub. Schär sagt: «Der Verein verfolgt ein hervorragendes Konzept. Ich bin sicher, dass ich mich hier entwickeln kann.»

Hoffenheim als Abstieg für Schär zu bezeichnen, wäre falsch. Doch warum geht der talentierteste Innenverteidiger mit Schweizer Pass nicht zu Arsenal, Tottenham, Manchester United, Dortmund oder Inter Mailand, die ihn einst alle auf dem Zettel hatten?

Noch weitere Abgänge?

Zwei Gründe liegen auf der Hand: Erstens hegen die Entscheidungsträger der europäischen Topklubs Zweifel, ob Schärs Zweikampfverhalten und Stellungsspiel allerhöchsten Ansprüchen genügen. Zweitens geistert im Ausland der Glaube herum, seine Knie seien chronisch geschädigt.

Tatsächlich hatte Schär schon als Teenager mit Problemen zu kämpfen. Im Dezember 2013 legte er sich sogar unters Messer, nachdem die Schmerzen zu gross wurden. Doch mittlerweile scheint der Ruf, der Schär vorauseilt, schlechter zu sein als die Realität. Er sagt: «Die Probleme sind Vergangenheit. Ich spiele schmerzfrei.»

Der FC Basel hat im Voraus auf Schärs Abgang reagiert und mit dem Dänen Daniel Höegh (von Odense), Michael Lang (von GC) und Manuel Akanji (von Winterthur) bereits drei Abwehrspieler verpflichtet. Und wie geht es weiter in dieser ereignisreichen Woche? Wird heute vermeldet, dass auch Fabian Frei den Klub verlässt? Fest steht nur: Am Sonntag spielt Rot-Blau im Cupfinal gegen Sion. Sehr gut möglich, dass dann neben Marco Streller und Fabian Schär noch weitere Spieler zum Abschied ins Publikum winken.

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