In der 68. Minute brandet im Joggeli gleich zweimal Jubel auf. Zunächst als der Stadion-Speaker verkündet, dass 2995 Zuschauer das Spiel des Jahres zwischen den Frauen des FC Basel und des FC Zürich live im Stadion sehen. Nur wenige Sekunden später erneut, weil Jana Brunner soeben als erste FCB-Spielerin ein Tor im grossen Stadion erzielt hat.

Nach einer Ecke von Alexandra Szarvas hält die 20-jährige Innenverteidigerin gekonnt den Kopf hin und trifft, leider aus Basler Sicht nur zum 1:3-Ehrentreffer. «Ich war etwas überrascht, aber es war definitiv ein schönes Gefühl, auch wenn man beim Stand von 1:3 natürlich keine Zeit zum Jubeln hat», sagte die Torschützin anschliessend.

Bilder zum Spiel:

Aber von vorn. Gegen Zürich gehört die grosse Bühne für einmal nicht Urs Fischer und seinen Mannen, sondern zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte den FCB-Frauen, die momentan an dritter Stelle der NLA stehen. Zu Gast zum «Spiel des Jahres» der grosse Rivale aus Zürich, das Nonplusultra im Schweizer Frauenfussball – zuletzt fünfmal in Folge Meister notabene. Vor dem Spiel gegen den FCZ trennen die beiden Mannschaften in der Tabelle nur zwei Punkte.

Mittelfristig wollen die Basler die Zürcher attackieren, doch auch nach dem Spiel gegen Zürich warten die Baslerinnen nach nun 14 Spielen gegen den FCZ immer noch auf ihren ersten Sieg.
Die Nervosität ist dem FCB zu Beginn anzusehen. Die Konsequenz: das 0:1 durch Franssi in der 5. Minute. Auch in der Folge dominiert der FCZ. So beklatschen die Zuschauer statt FCB-Chancen halt eine rabiate Grätsche von Sandra Aloi oder ein sehenwertes Solo von Eunice Beckmann. Als der FCZ dann durch Stierli (35.) und Lienhard (48.) zwei weitere Chancen nutzt und mit 3:0 davonzieht, ist das Spiel sportlich gelaufen, dennoch geht niemand heim.

Fischers Tochter bleibt draussen

«Wir wollten sehen, was mit maximaler Marketingunterstützung in Basel in Sachen Frauenfussball möglich ist», sagte FCB-Marketingdirektor Martin Blaser vor dem Spiel. Nach dem Event, der auch in Zukunft ein bis zwei Mal jährlich stattfinden soll, ist Blaser sehr zufrieden: «Das Wetter hat mitgespielt, die Stimmung war gut. Ich glaube, dass die Zuschauer mindestens genauso froh gehen, wie sie gekommen sind. Das ist doch schön.»
2995 Zuschauer sind es am Ende, die im Parkett der Haupttribüne Platz finden.

Die FCZ-Frauen haben in der Champions League gegen den FC Barcelona zwar schon vor 7300 Zuschauern im Letzigrund gespielt, für den FCB und die Liga sind 2995 Besucher bei einem Frauenspiel aber Rekord. «Wir unterstützen den FC Basel, da gehören die Frauen auch dazu», sagt FCB-Fan Gilberto Lima stellvertretend für viele, die da sind. Unter ihnen ist neben FCB-Captain Matias Delgado und Präsident Bernard Heusler auch Männer-Trainer Urs Fischer, dessen Tochter Riana 90 Minuten auf der FCZ-Bank schmort.

Die Spielerinnen und FCB-Trainerin Sissy Raith sind sich nach dem Spiel einig: «Es war toll, vor so einem Publikum spielen zu können», heisst es unisono. «Wir freuen uns über die Wertschätzung des Vereins extrem. Das nächste Mal wollen wir uns mit einem Sieg bedanken», blickt Torschützin Brunner in die Zukunft.