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FC Birsfelden: Wo der Box Club das Geld eintreibt

Der FC Birsfelden

Der FC Birsfelden

Der FC Birsfelden feiert 2020 sein 100-Jahr-Jubiläum und blickt auf eine Geschichte voller Kuriositäten zurück.

Am 1. Juli dieses Jahres wird der FC Birsfelden hundert Jahre alt. Im Gründungsjahr 1920 gab es noch keine wirkliche Meisterschaft, diese wurde erst vier Jahre später eingeführt. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Schweizer Fussball-Liga vergrössert und auf die Serien A, B, C und D erweitert. Der FC Birsfelden fing ganz unten an und kämpfte sich mit der Zeit hoch.

Heute sitzen Dominik und Roland Hürner am Stammtisch auf dem Sportplatz Sternenfeld und erzählen die Geschichte ihres Vereins. Dominik ist der aktuelle Präsident und damit auch der Nachfolger seines Vaters, der schon seit 55 Jahren zum FC Birsfelden gehört. Stolz erinnert sich Roland, wie es sein Herzensklub einmal bis in die zweithöchste Schweizer Liga geschafft hat. Doch der ehemalige Präsident wirft sogleich ein, dass man den damaligen Amateur-Fussball nicht mit dem heutigen vergleichen kann: «Das Niveau, die Fitness und die ganzen Vorbereitungen sind heute schon in der 2. Liga bedeutend professioneller als noch bei einem wichtigen Cupspiel in der zweithöchsten Liga vor 70 Jahren.»

Vor 50 Jahren beim damaligen Jubiläumsspiel sah die Mannschaft des FC Birsfelden so aus.

Vor 50 Jahren beim damaligen Jubiläumsspiel sah die Mannschaft des FC Birsfelden so aus.

Eines der sportlichen Highlights des FC Birsfelden war 1947 ein Cupspiel gegen Chiasso, ein Team aus der Nationalliga B. Die Baselbieter reisten zusammen mit ihren Familien mit dem Zug ins Tessin. Die Billette zahlten die Spieler damals selbst. Zum Mittagessen gab es dann einfach eine Wurst mit Brot, zum Dessert die eine oder andere Zigarette. «Nicht gerade die optimale Vorbereitung», sagt Roland Hürner und schmunzelt. Das Spiel ging folglich auch verloren, woran aber sicher nicht die Wurst allein schuld ist. Denn Chiasso hatte ja auch die besseren Fussballer. Die Birsfelder reisten am Ende trotzdem glücklich von ihrem «Familienurblaub» heim.

Wer nicht zahlen will, muss den Box-Club fühlen

Auch im Amateurbereich sind Finanzen immer wieder ein Thema. Doch im Vergleich zu den hohen Honoraren der Profis geht es hier um kleinere Beträge. Doch auch die will nicht jeder zahlen, wie die alten, handgeschriebenen Protokolle der Vereinssitzungen verraten, wenn man diese erst einmal entziffert hat.

Die Geschichte spielt im Jahr 1937. Damals kam es während eines Spiels zu Unruhen, beinahe gar zu Ausschreitungen. Der Gegner auf dem alten Sportplatz Stieracker war der BSC Old Boys. Erst seit kurzem kostete der Besuch für die Zuschauer der Heimspiele des FC Birsfelden etwas. Die Bezahlung erfolgte damals noch ungezwungener als heute. Eine Person ging mit einem Kässeli herum und bat um die Zuschauerbeiträge. Es handelte sich da wohl um wenige Franken, genauer beschrieben ist das in den Protokollen nicht.

Doch die Fans der Old Boys weigerten sich, den Obolus zu bezahlen, und es kam zum Streit. Dumm nur, dass die Gästefans die Rechnung ohne den befreundeten Box-Club Birsfelden gemacht hatten. Die harten Sportlerkollegen, die mit den Fäusten mehr imponieren konnten als die auf ihre Füsse spezialisierten Fussballer, regelten den Aufstand rasch. Die OB-Fans zahlten schliesslich doch, und so kam es dann auch, dass der Box-Club Birsfelden in Zukunft zu einem kleinen Wochen- end-Nebenjob kam. Als Geldeintreiber bei Birsfelder Fussballspielen.

Das passiert, wenn der Präsident keine offenen Rechnungen zahlt

Ende der 50er-Jahre musste sich der FC Birsfelden eine neue Vereinskneipe suchen. Schuld war der damalige Präsident, der die Meinung vertrat, dass er als Vereinsoberhaupt seine offenen Rechnungen nicht bezahlen musste. Der FC Birsfelden hatte zu dieser Zeit noch kein eigenes Vereinslokal, und der Vorstand hielt die meisten Sitzungen im anliegenden Feldschlösschen-Restaurant ab. Irgendwann weigerte sich der damalige Präsident zu zahlen. Je nach Bierkonsum mag sich diese Taktik rein finanziell sicherlich gelohnt haben, auch wenn sie nicht gerade ehrenhaft ist. Doch die Konsequenz liess nicht lange auf sich warten: Hausverbot.

Für den Vorstand des FC Birsfelden hatte das zur Folge, dass er sich eine neue Bleibe suchen musste. Gelegentlich soll es auch vorgekommen sein, dass die Sitzungen einfach am alten Ort ohne den knausrigen Präsidenten abgehalten wurden. Seit 1965 hat der FC Birsfelden solche Probleme nicht mehr. Denn der Verein hat auf dem Sternenfeld sein eigenes Clubhaus

Legendeninterview mit den Hürners: Vater Roland war früher, Sohn Dominik ist aktuell Präsident des FC Birsfelden

Dominik und Roland Hürner kennen die Geschichte des FC Birsfelden sehr gut.

Dominik und Roland Hürner kennen die Geschichte des FC Birsfelden sehr gut.

«Unser Platzwart ist ein halber Druide»

Wie seid ihr zum FC Birsfelden gekommen?

Dominik Hürner: Aus familiären Gründen. Mein Vater ist schon sein Leben lang beim FC Birsfelden, und auch sein Vater war davor schon dabei. Selbst meine Mutter hilft kräftig mit und ist im Vorstand aktiv.

Roland Hürner: Früher war es einfach Ehrensache, für seinen Dorfverein zu spielen. Man war stolz drauf.

Warum wollt ihr nie wieder weg?

Dominik Hürner: Weil ich dann böse angeschaut werde (lacht). Mittlerweile ist es fast schon Tradition.

Dominik, wieso hältst Du für Dein Team Woche für Woche die Knochen hin?

Dominik Hürner: Ich spiele noch bei den Senioren, weil ich so Zeit mit guten alten Freunden verbringen kann. Es macht unheimlich Spass und ist zudem auch gut für meine Fitness und Gesundheit.

Worüber plaudert ihr beim Bier nach dem Spiel?

Roland Hürner: Weiter über Fussball. Teils wurde auch viel gejasst.

Dominik Hürner: Über den regionalen Fussball, den FC Basel, die Schweizer Nati und über sonst alles Mögliche.

Was ist das Verrückteste, das ihr beim FC Birsfelden jemals erlebt habt?

Dominik Hürner: Das war ein Spiel auf dem Kunstrasen in Birsfelden gegen den FC Black Stars. Ich war Torwart und erzielte in der 86. Minute nach einem Rückpass per Weitschuss den 1:1-Ausgleich.

Roland Hürner: Das müsste das Spiel im Schweizer Cup gegen den FC Basel gewesen sein. Auch ich war Torwart, und wir verloren 0:8. Das war noch zu Zeiten Erni Maissens.

Welches Spiel war das dreckigste, das ihr jemals gespielt habt?

Dominik Hürner: Das ist schwierig zu beantworten. Die Spiele gegen den FC Pratteln sind immer intensiv. Ein ehemaliger Trainer von uns ist dort Präsident. Das gibt dem Ganzen eine spezielle Konstellation. Und auch gegen den FC Concordia ist es immer spannend. Es motiviert irgendwie speziell, gegen bezahlte Spieler zu spielen.

Wie muss ich drauf sein, wenn ich zum FC Birsfelden kommen will?

Dominik Hürner: Motiviert, flexibel, und ehrlich sein. Gewillt, sich mit Problemen auseinanderzusetzen. Und du darfst kein Problem mit Konflikten haben. Kurz gesagt: E glatte Siech.

Warum hat es euch beiden nie zum Profi gereicht?

Roland Hürner: Bei uns in der Familie standen die Ausbildung und das Berufliche vor dem Fussball. Es gab da mal ein Angebot von den Young Boys, aber die Lehre hatte Priorität.

Angenommen, ihr hättet einen Wunsch für den Verein frei. Wie würde er lauten?

Dominik Hürner: Ein grossartiges Fest zum 100-Jahr-Jubiläum.

Warum ist der Sportplatz Sternenfeld besser als das Joggeli?

Dominik Hürner: Unser «Stadion» ist viel grüner als das Joggeli. Und wir brauchen nicht den FC Concordia, um den Sportplatz Sternenfeld zu bewirtschaften (lacht).

Roland Hürner: Ansonsten ist bei unserer Anlage die Nähe der Garderoben und des Kunstrasens optimal. Unser Platzwart ist ein halber Druide, und es steckt viel Liebe dahinter. 

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