Matías Delgado, Sie sind nach mehreren Jahren im Ausland zurück nach Basel gekommen. Was ist so speziell am FCB?

Matías Delgado: Alles. Dieser Klub hat das gewisse Etwas. Die Menschen in Basel lieben den Fussball. Fans und Klub-Verantwortliche haben mich immer vorzüglich behandelt. Ich fühle mich hier respektiert, man hat zu mir gehalten durch alle Höhen und Tiefen.

Wollen Sie deshalb Ihre Karriere in Basel beenden?

Ja, das spielte eine sehr grosse Rolle. Ich denke, Basels grosse Erfolge sind auch dieser Art der Aufmerksamkeit durch den Klub geschuldet, die man dich hier spüren lässt.

In Istanbul, als Sie für Besiktas spielten, wurden Sie von den Fans vergöttert.

Ja, das stimmt. Die Fans waren immer gut zu mir, aber manchmal war es fast ein bisschen zu viel. Ich konnte zu einem gewissen Punkt nicht mehr ohne Bodyguard aus dem Haus. Und vor allem war die Klubführung nicht so respektvoll wie hier in Basel.

Und in Abu Dhabi?

Es war eine gute Zeit, aber wir spielten meist vor 300 Zuschauern. Und ich habe mich einfach nie so zu Hause gefühlt wie hier. Wissen Sie, ich habe nie ein Klub-Trikot geküsst ausser hier in Basel.

Nicht mal bei Ihrem Stammklub Chacarita Juniors in Rosario?

Ich wurde als Fan der Juniors geboren. Dort spielte mein Vater. Dann schaffte ich als junger Spieler den Sprung in die erste Mannschaft. Ein Traum wurde wahr. Aber ich habe auch dort nie das Trikot geküsst. Wie gesagt: Die Verbindung zu Basel ist noch tiefer.

Wie kommt das?

Ich mache Ihnen ein Beispiel: Erinnern Sie sich an César Andrés Carignano? César ist ein Freund von mir, er stiess 2004 zu Basel, spielte aber nur eine halbe Saison, ehe er sich verletzte und in der Folge nie mehr für den FCB auf dem Platz stand. Zum Saisonabschluss gegen GC letzten Sommer hat ihn der Klub eingeladen. Er machte den Anstoss. Stellen Sie sich das vor! Er hat nicht einmal eine ganze Saison gespielt. So etwas gibt es sonst nicht.

Auch Ihnen hat der Klub immer den Rücken gestärkt. Sie brauchten viel Zeit, um wieder auf Ihr Niveau und Ihre Einsätze zu kommen. Wie haben Sie diese letzten drei Jahre in Basel erlebt?

Es hat sich sehr vieles verändert, vor allem letzte Saison. Das war sehr wichtig für mich. Ich begann, mich als Teil der Mannschaft zu fühlen, als Protagonist. Wir sind Meister geworden, das war wichtig für das Team und für mich persönlich war es ein spektakuläres Jahr.

Wie kam das?

Wir bekamen mit Urs Fischer einen neuen Trainer. Er war der Grund für diesen Wandel. Er hat mir das Vertrauen gegeben. Natürlich war es wichtig, dass ich dieses Vertrauen rechtfertigen konnte. Aber letztlich beginnt alles mit der Entscheidung des Trainers und dafür bin ich Urs sehr, sehr dankbar. Ich habe mich endgültig wieder zu Hause gefühlt.

Was hat Fischer anders gemacht als Murat Yakin oder Paulo Sousa?

Er vertraute mir.

Die anderen beiden nicht?

Das ist schwierig zu sagen. Das erste Jahr steht nicht zur Diskussion. Ich hatte nicht das höchste Niveau. Das war nicht der Fehler von Murat. Ich glaube, er hatte Vertrauen in mich. Aber dann sah er, dass ich auf dem Platz nicht das bringen konnte, was er sich erhoffte.

Und bei Sousa?

Da war ich schon besser in Form. Aber seine Rotationen kamen mir nicht entgegen. Denn ich war der, der raus musste, der unter den Rotationen litt. Ich glaube, dass er mir vertraute, aber noch mehr vertraute er auf seine Rotationen und auf andere Spieler als mich. Die Pausen, die ich so zwischen den Spielen hatte, kamen mir nicht entgegen.

Sie wurden in Ihren ersten zwei Jahren teilweise heftig kritisiert. Wie gingen Sie damit um?

Manchmal war es schon irritierend. Aber je nachdem, wer mich kritisiert, schmerzt es nicht. Ich muss mich auf mich selbst konzentrieren und nicht von irgendwelchen Kritikern, die vermutlich noch nie einen Ball berührt haben, aus der Bahn werfen lassen.

Unterdessen sind die Kritiker ohnehin verstummt.

Ja, unter Urs kam und komme ich konstant zu Einsätzen. Diese Kontinuität tut mir gut. Aber das kann sich schnell ändern. Jedes Jahr ist verschieden. Wir haben neue Spieler und müssen vor jedem Spiel um unseren Platz kämpfen.

Kurz bevor Sie im Sommer 2013 nach Basel zurückkehrten, wurden Sie zum dritten Mal Vater. Wie hat das Ihren Anpassungsprozess beeinflusst?

Jeder Spieler spielt, wie er lebt. Mein erstes Jahr war einfach nur Stress – auf und neben dem Platz. Jetzt hat alles seine Ordnung, es ist ruhiger geworden. Die Kinder sind gewachsen. Die Kleine schläft besser.

Wie alt sind Ihre Kinder?

Meine Töchter sind drei und acht Jahre alt, mein Sohn zehn.

Gehen Sie auf eine öffentliche Schule?

Nein, sie sind auf einer internationalen Privatschule.

Aber sie können Deutsch, oder?

In ihrer Schule wird zwar Englisch unterrichtet, aber sie haben auch Deutsch-Stunden. Aber wenn ich den beiden Grösseren zuhöre, staune ich. Sie sprechen richtig gut, vermutlich weil sie beim Sport mit ihren Freunden Deutsch sprechen.

Was machen Sie für Sport?

Mein Sohn spielt Fussball wie ich. In der U11 des FC Basel. Er ist ein typischer Sechser und macht das prima. Aber was kann ich schon sagen als Vater, ich bin nicht objektiv.

Und Ihre ältere Tochter?

Sie möchte auch Fussball spielen. Aber das will ich nicht unbedingt, sie soll beim Tennis bleiben. Sie ist richtig gut.

Leider gibt es in Basel noch keine Roger-Federer-Tennisschule.

Ja, aber als grosser FCB-Fan würde er ihr vielleicht irgendwann Privatunterricht geben (lacht).

Das tönt alles so, als würden Sie gerne über Ihre Zeit alles FCB-Profi hinaus in der Schweiz bleiben. Oder täuscht dieser Eindruck?

Es würde mir gefallen, aber ich weiss es nicht. Ich habe keine konkreten Pläne.

Ende Saison läuft Ihr Vertrag aus. Fragen Sie sich da nie, wie es danach weitergeht?

Nein, ich bin ein völlig verantwortungsloser Vater, ich will nicht über die Zukunft nachdenken (lacht). Im Ernst: Ich mache mir meine Gedanken. Aber ich will mich noch nicht festlegen. Wenn ich Lust dazu habe, mache ich weiter.

Kommen wir noch auf die Champions League zu sprechen. Wie schätzen Sie Ihre Gegner ein?

Es wird sehr schwierig. Arsenal und Paris Saint-Germain sind zwei sehr starke Mannschaften, Mannschaften auf allerhöchstem Niveau. Und bei Ludogorets denken die Leute, dass es einfach wird. Aber wir haben schon gegen sie gespielt. Alle Partien gegen Ludogorets waren sehr hart, sehr intensiv. Ich habe sie in Bulgarien noch ein bisschen stärker erlebt, als beim Heimspiel in Basel.

Was bedeutet das also für den Auftakt gegen Ludogorets?

Wir müssen gewinnen. Wenn wir mit einem Sieg starten, gibt das Selbstvertrauen. Das ist insbesondere im Hinblick auf das nächste Spiel in London wichtig.

Nach der Auslosung der Gruppen haben viele gesagt, dass Basel den ersten Platz anvisiere.

Nein, ich sagte: ‹Warum nicht Erster werden?› Schliesslich haben alle Teams die Möglichkeit, zu gewinnen. Natürlich sind sie nicht für alle gleich, denn einige Teams sind stärker als andere.

Was also ist das Ziel?

Wir wollen im internationalen Geschäft bleiben. Logisch möchten wir alle in der Champions League weitermachen, das heisst, wir müssten Erster oder Zweiter werden. Aber auch der dritte Platz würde reichen, um nächstes Jahr im internationalen Geschäft zu sein. So wie der Fussball heute ist, dürfen wir daran glauben, dass alles möglich ist.