Europa League

FCB-Gegner CSKA Sofia im Porträt: Der aussichtslose Kampf eines Traditionsvereins

Trotz allen Querelen hat CSKA Sofia immer noch sehr viele enthusiastische Fans.

Trotz allen Querelen hat CSKA Sofia immer noch sehr viele enthusiastische Fans.

CSKA Sofia hat seine besten Tage lange hinter sich. Trotz jahrelangem Niedergang hat der bulgarische Rekordmeister grosse Ambitionen. Ein Sieg gegen den FC Basel könnte dabei zumindest kurzfristig sehr helfen.

Früher war CSKA Sofia, der zentrale Sportklub der Armee, eine grosse Nummer. In Bulgarien mit 31 Meistertiteln und 20 Pokalsiegen sowieso, aber auch international. 14 Mal stand CSKA unter den besten Sechzehn des Landesmeisterpokals. Zweimal waren die Bulgaren sogar im Halbfinale. Unvergessen, wie im April 1982 70000 Zuschauer im Vasil Levski Stadion in Sofia ihr Team zu einem 4:3-Sieg gegen Bayern München schreien. Das Finale winkt. Doch dann verlieren die Bulgaren das Rückspiel gegen Paul Breitner und Co mit 4:0 und scheiden aus.

Seitdem geht es schleichend bergab. Zehn Jahre später verabschiedet sich CSKA in der ersten Runde der neu gegründet Champions League, die damals ausschliesslich in K.o.-Duellen gespielt wurde, gegen Rapid Wien bis heute aus der Königsklasse. Das Ende des Kommunismus setzt dem sozialistischen Verein in der Folge zu. National reichte es noch zu dem ein oder anderen Meistertitel, doch international spielt CSKA Sofia seitdem die zweite Geige. Wenn überhaupt.

Erst fast Insolvenz, dann Insolvenz

Champions-League-Qualifikations-Spiele gegen Galatasaray oder Liverpool mit einem 1:0-Sieg an der Anfield Road sind für die Bulgaren das höchste der Gefühle. Doch zum Weiterkommen reicht die Qualität von CSKA nicht mehr aus. Der sportliche Niedergang soll mit Investitionen wettgemacht werden. Gelder werden versprochen, die gar nicht vorhanden sind. Und so schlittert CSKA auch abseits des Rasens immer weiter dem Abgrund entgegen.

2008 wird CSKA Sofia letztmals bulgarischer Meister. Eigentlich ist der Klub damit für die Playoffs zur Champions League qualifiziert. Doch der Verein wird wegen offener Zahlungen von der Uefa ausgeschlossen. Statt CSKA erbt der zweitplatzierte Rivale Levski Sofia den Platz und scheitert an Bate Borissow aus Weissrussland. CSKA steht vor dem Konkurs. Doch auch weil ein bulgarisches Abfallentsorgungsunternehmen als Investor einsteigt, bleibt der Verein der bulgarischen Liga erhalten. Vorerst.

Nach einem sportlichen Strohfeuer qualifiziert sich Sofia 2009 für die Europa League. In der Gruppe treffen die Bulgaren dort auch zum ersten und einzigen Mal auf den FC Basel. Dank vier Treffern von Alex Frei gewinnen die Schweizer beide Spiele (2:0, 3:1). Sofia scheidet als Gruppenletzter mit nur einem Punkt aus. Der FCB mit neun Punkten als Gruppendritter ebenfalls.

2015 ist CSKA Sofia bankrott. Diesmal gibt es keine Rettung. Der Rekordmeister muss zu den Amateuren in die dritte Liga. Sensationell gewinnt CSKA mit der neu aufgestellten Truppe den nationalen Cup und steigt auf. Und zwar direkt zurück in die erste Liga. Möglich wird das, weil CSKA unter dem neuen Eigentümer, Öl-Oligarch, Grischa Ganchev, die Lizenz von Erstligist Litex Lowetsch übernimmt. Der Traditionsverein ist nach nur einem Jahr zurück in der höchsten Liga des Landes.

«CSKA ist wie Basel, Zweiter ist nicht genug»

Doch das mit dem Titelgewinnen ist unterdessen ein Ding der Unmöglichkeit geworden. Der Grund: der neureiche Plastikklub Ludogorets Rasgrad. «Sie haben das Geld, CSKA und Levski die Fans», sagt Georgi Banov, Sportredaktor bei «24Tschasa», einer der grössten Zeitungen in Bulgarien. Doch während Rasgrad jährlich Millionen in den Kader buttert, müssen sich die Traditionsklubs mit ablösefreien Spielern verstärken. «CSKA hat grosse Ambitionen, aber nicht die Mittel», erklärt Banov. Tatsächlich beträgt das Budget des Rekordmeisters mittlerweile nur noch rund sechs Millionen Euro.

Die zusätzlichen Einnahmen für eine Europa League Gruppenphase machen die Hälfte des Jahresetats von CSKA aus. Ein Weiterkommen gegen den FCB wäre enorm wichtig. «In Bulgarien ist man optimistisch, dass das gelingen kann. Wir wissen, dass Basel nicht mehr das Team früherer Jahre ist», sagt Banov. Der Journalist warnt vor der Offensive von CSKA. «Yomov, Henrique und Carey sind schnelle Flügelspieler und Stürmer Sowe mag zwar manchmal ein Chancentod sein. Aber er ist auch in der Lage, drei Verteidiger gleichzeitig zu vernaschen.» Der ehemalige Luzern-Stürmer Tomi Juric spielt aktuell kaum eine Rolle und kommt wenn dann nur von der Bank.

Schwächen hat CSKA dafür in der Defensive, wo zahlreiche Spieler verletzt ausfallen. Auch Captain Zanev leidet immer noch an den Folgen einer Covid19-Infektion. Doch Banov erklärt, dass das nicht als Ausrede gelten soll. «CSKA ist wie der FCB, ein zweiter Platz ist nicht genug.» Und auch ein Ausscheiden in den Playoffs wäre für den stolzen Traditionsverein eine herbe Enttäuschung.

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