Grosses Interview

FCB-Goalie Jonas Omlin über das Corona-Virus, Geisterspiele und den möglichen Auslandtransfer: «Das Ganze ist irgendwie surreal»

Jonas Omlin sagt auf der Münster-Fähri: «Ich kann gut am Rhein entspannen, auch wenn ich ab und zu angesprochen werde.»

Jonas Omlin sagt auf der Münster-Fähri: «Ich kann gut am Rhein entspannen, auch wenn ich ab und zu angesprochen werde.»

Jonas Omlin ist gerne auf dem Wasser. Als Kind wuchs er direkt am Sarner See auf, heute ist er in Basel und am Vierwaldstättersee daheim. Konditionstraining macht er lieber schwimmend als joggend und in der Freizeit macht er gerade die Bootsfahrprüfung. «Wasser bedeutet für mich Lebensqualität», sagt er beim Interview auf dem Rhein. Es fand vor einer Woche statt. Die Aussagen zu den kommenden Geisterspielen wurden im Nachhinein präzisiert, als feststand, dass das Hinspiel in Frankfurt ohne Zuschauer stattfindet.

Jonas Omlin, ab jetzt sind wohl nirgendwo mehr Zuschauer zugelassen. Was halten Sie von den Massnahmen der Behörden?

Jonas Omlin: Die sind drastisch, aber sie sind im Sinne der Gesundheit. Das steht im Vordergrund. Und deswegen akzeptieren wir die Entscheidung und die Konsequenzen.

Haben Sie Angst vor dem Virus?

Das nicht. Aber du wirst schon sensibilisiert. Grippewellen gab es immer wieder, aber solch drastische Massnahmen wurden noch nie ergriffen.

Was hat das für Sie persönlich für Konsequenzen?

Ich desinfiziere meine Hände häufiger. Aber das liegt wahrscheinlich auch daran, dass überall Desinfektionsmittel herumstehen. Ansonsten schränkt mich das Virus nicht ein. Ich gehe immer noch normal auswärts essen.

Eine Konsequenz ist auch, dass Sie zum ersten Mal in Ihrem Leben die Fasnacht verpasst haben. Die Luzerner, weil Sie international spielten, und die Basler wegen des Corona-Virus.

Das stimmt. Vor allem die Luzerner Fasnacht habe ich eigentlich noch nie verpasst. Die Basler Fasnacht habe ich noch nie besucht. Das wäre in diesem Jahr auf der Agenda gestanden.

Wie schwierig ist es, wenn Spiele abgesagt werden und Sie Ihren Job nur halb ausführen können?

Wir sind immer noch täglich auf dem Platz. Aber es ist schon ein anderes Training, wenn man sich nicht spezifisch auf das nächste Spiel vorbereitet. Seit zwei Wochen ist nun dieses Spiel gegen Frankfurt der einzige Fixtermin. Damit müssen wir uns abfinden.

Hatten Sie an den freien Tagen einen Kurzurlaub nach Italien geplant?

Nein. Wir Spieler wissen natürlich auch, dass wir die Risikogebiete momentan meiden sollen. Die Dinge ändern sich im Moment so kurzfristig, dass wir lieber nicht zu weit planen.

Werden in der FCB-Kabine schon Horrorszenarien wie eine Saisonabsage diskutiert?

Natürlich wird es auch in der Kabine immer mehr zu einem Thema. Gerade wenn so Entscheidungen fallen, dass ein Rückspiel in der Europa League nicht in Basel stattfinden kann, sorgt dies selbstverständlich auch bei uns für Gesprächsstoff. Und dennoch ist das Ganze noch irgendwie surreal. In den Medien wird zwar sehr viel geschrieben, die Infizierten und die Todeszahlen steigen. Aber in der Stadt kriegst du nicht wirklich mit, dass etwas nicht stimmt. Darum ist es sehr schwierig, sich vorzustellen, was das noch für Ausmasse annehmen könnte.

Vor lauter Virus kommt der Gegner fast zu kurz. Was waren Ihre ersten Gedanken nach der Auslosung?

Geiles Stadion, viele Zuschauer. Das ist für mich eigentlich immer der grösste Reiz an solchen Spielen. Ich war in der Europa-League-Quali beim Match Frankfurt gegen Vaduz. Das hat mich fasziniert. Es war ausverkauft, obwohl Frankfurt auswärts 5:0 gewonnen hatte. Diese Fankultur ist abnormal. Darum hatte ich mich schon sehr auf diese Stimmung gefreut.

Jonas Omlin: «So hart wie das tönt, kam die  Pause jetzt gerade zum richtigen Zeitpunkt.»

Jonas Omlin: «So hart wie das tönt, kam die Pause jetzt gerade zum richtigen Zeitpunkt.»

Wer ist der Favorit?

Frankfurt. Sie spielen regelmässig auf hohem Niveau. Aber wir haben gezeigt, dass wir europäisch gut drauf sind, und dass wir vermeintlich bessere Gegner schlagen können. Wir gehen mit breiter Brust in diese Spiele. Du kannst nur gewinnen.

Auch das Hinspiel findet kurzfristig doch ohne Zuschauer statt. Wie schlimm sind Geisterspiele?

Das ist sehr schade. Ich vergleiche das gerne mit einem Testspiel. Dort hast du keine Zuschauer und keine Stimmung und schon wird ein ganz anderer Fussball gespielt. Es wird schwierig sein, in das Ernstkampf-Feeling reinzukommen. Da müssen wir uns in der Mannschaft selber irgendwie motivieren.

Ist es ein Vorteil, dass Sie jetzt 14 Tage kein Pflichtspiel bestritten haben, während Frankfurt aus einer englischen Woche kommt?

Zu viel Pause ist nicht gut. Ich glaube, es ist schon besser, wenn du einen gewissen Spielrhythmus hast.

Merken Sie selber, dass Sie nach einer Pause Zeit brauchen?

Manchmal bin ich nervöser, manchmal gar nicht. Ich weiss nicht genau, woran das liegt. Aber ich finde es einfacher, alle drei Tage zu spielen, als nach einer Pause wieder anzufangen. Dann bist du im Rhythmus: spielen, regenerieren, vorbereiten, spielen. Da wird gar nicht gross trainiert. Das finde ich als Goalie einen geilen Modus. Ich muss ja nicht gross laufen, komme nicht an meine körperlichen Grenzen (lacht). Ich fände es super, wenn wir ab April nur noch spielen.

Noch spielt der FCB in allen drei Wettbewerben. Welchen Titel würden Sie am liebsten gewinnen?

Schon die Meisterschaft. Die Europa League wäre auch cool, Wahnsinn eigentlich. Aber die meisten Spiele bestreitest du in der Meisterschaft. Darum ist der Titel der, den man sich am härtesten erarbeiten muss.

FCB-Trainer Marcel Koller lebt das Motto Spiel für Spiel. Wäre es nicht besser, sich auf einen Wettbewerb zu fokussieren, um am Ende immerhin einen Titel zu gewinnen?

Ein Titel wäre ein Titel, egal ob Cup, Meisterschaft oder Europa League, da haben Sie schon recht. Aber ich glaube, als Sportler ist es nur logisch, wenn du probierst, jeden Match zu gewinnen. Auf das grosse Ziel am Ende zu schauen, macht wenig Sinn.

Soll der FCB mit Koller verlängern?

Das steht über meiner Kompetenz. Ich finde, dass wir, auch wenn nicht alle Resultate gestimmt haben, sehr gute Sachen gemacht haben. Darum glaube ich, dass der Trainerstab mit der Mannschaft doch einiges richtig macht. Wir dürfen nicht immer dem Trainer oder dem Verein alles in die Schuhe schieben. Am Ende zählt das grosse Ganze und unsere Leistung auf dem Platz.

Jonas Omlin: Stand jetzt bleibe ich beim FC Basel. "Ich weiss nichts anderes, staune aber ab und zu, was die Medien alles zu wissen glauben."

Jonas Omlin: Stand jetzt bleibe ich beim FC Basel. "Ich weiss nichts anderes, staune aber ab und zu, was die Medien alles zu wissen glauben."

Was ist abgesehen vom Corona-Virus aktuell anders als vor einem Jahr, als der FCB in der Rückrunde fast alles gewann?

Damals war es selbstverständlich, dass wir einfach gewinnen. Momentan müssen wir uns jeden Punkt brutal erkämpfen. Wir sind überall noch dabei, hatten viele Verletzte und Gesperrte. Es war nicht einfach, die zu kompensieren. So hart, wie das tönt, kam die Pause jetzt gerade zum richtigen Zeitpunkt. Wir haben noch genug Zeit, damit die Rückrunde erfolgreich wird.

Wissen Sie schon, wo es bei Ihnen im Sommer weitergeht?

Stand jetzt bleibe ich beim FC Basel. Ich weiss nichts anderes, staune aber ab und zu, was die Medien alles zu wissen glauben. Für mich muss das Gesamtpaket stimmen, vielleicht bleibe ich auch noch eine Saison in Basel. Es gefällt mir hier sehr gut.

Was muss das Gesamtpaket beinhalten, damit Sie den nächsten Schritt wagen?

Nach China oder Russland muss ich nicht unbedingt. Interessierte Vereine müssen ein Konzept und vor allem auch mit mir einen Plan haben. Natürlich würde ich gerne weiterhin spielen.

Spült Sie der nächste Transfer rheinaufwärts in die Bundesliga, oder wohin soll die Reise gehen?

Das ist offen. Du musst überall eine Pro- und Kontraliste machen und alles abwägen. Aber wo der Weg hingeht, kann ich erst sagen, wenn wirklich konkrete Angebote da sind.

Hatten Sie je Kontakt zu Schalke?

Nein. Da müssen Sie Telebasel fragen, woher die diese Infos haben.

Was wäre denn Ihre Wunschliga? Bundesliga oder doch direkt in die Premier League?

Das trifft es ganz gut. England fasziniert mich. Ich mag den Kampfgeist. Auch in Deutschland musst du vor allem als Goalie viel mehr Aufwand betreiben, dass du dort auch spielen kannst. Ich bin gespannt, was auf mich zukommt.

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