Meisterbeilage

FCB-Kult-Spieler Massimo Ceccaroni: Er schoss in 398 Spielen kein einziges Tor

Massimo Ceccaroni kickte 15 Jahre beim FCB, sechs davon in der Nati B. 2002 gewann er mit Basel den ersten Titel nach 22 Jahren und musste dann gehen.

Massimo Ceccaroni kickte 15 Jahre beim FCB, sechs davon in der Nati B. 2002 gewann er mit Basel den ersten Titel nach 22 Jahren und musste dann gehen.

398 Ligaspiele, kein Tor in der höchsten Klasse, ein Meistertitel und ein Leben für Rotblau. Das ist Massimo Ceccaroni. Unvergessen bleibt die Episode, als er gegen GC 2001 mittels Penalty die Möglichkeit hat, sein erstes Tor zu erzielen und es dann doch nicht schafft. Mit seinem Kämpferherz spielte er sich in die Herzen der Fans.

Am Ende seiner Karriere ging es nicht mehr um ihn, nur noch um den Klub, den FC Basel, seine grosse Liebe. Massimo Ceccaroni (48) erinnert sich: «Meine letzte Saison beim FCB war richtig schwierig. Ich hatte eine wichtige Position in der Mannschaft, dann verletzte ich mich.» Ein Kreuzbandriss. Das Karriereende geistert ihm durch den Kopf. Längst verehren ihn die Fans. Er ist eine lebende Legende, schon als Sechsjähriger dem Klub beigetreten und trotz Abstieg, finanziell prekären Zeiten und elend langen Jahren in der Nationalliga B immer treu geblieben.

Massimo Ceccaroni spielte sich in die Herzen der Muttenzerkurve.

Massimo Ceccaroni spielte sich in die Herzen der Muttenzerkurve.

Er spürte, dass Christian Gross nicht mehr auf ihn bauen wird, gleichzeitig aber enormen Respekt vor ihm hat, vor seiner Bedeutung für die Fans und den Klub. Irgendwann kam Gross zu ihm, sagte mit rauer Stimme: «Cecca, i bruuch Sie, bliibet Sie ruehig. I bruuch Sie in jedem Training.» Ceccaroni verstand. «Ich hätte rebellieren können, aber ich schwieg», sagt er. Er wäre längst wieder fit gewesen in der Rückrunde, behauptete gegenüber Journalisten aber stets, dass es nicht gehe.

Nur dreimal darf er von Anfang an ran in dieser Saison 2001/02. Heute gesteht er: «Es raubte unglaublich viel Energie, emotionale Energie, mich damals so zurückzunehmen.» Der Lohn ist der Titel, der erste nach 22 Jahren, der einzige für Ceccaroni in seiner 15-jährigen Profi-Karriere beim FCB. Denn danach ist Schluss. Gross baut trotz gegenteiliger Behauptungen nicht mehr auf ihn.

Massimo Ceccaroni spielt 2005 in einem Cupspiel als Old-Boys-Spielertrainer gegen seinen Ex-Verein Basel.

Massimo Ceccaroni spielt 2005 in einem Cupspiel als Old-Boys-Spielertrainer gegen seinen Ex-Verein Basel.

«Cecca» verlässt seinen Klub, weil er nicht als Maskottchen irgendeinen Job übernehmen will. Er spielt noch kurz bei Dornach in der Erstliga, dann bei den Old Boys. Erst als Spielertrainer, dann nur noch als Chef an der Linie. Daneben arbeitet er. Vollzeit. Als Mitinhaber einer Firma, die Bodenbeläge herstellt und verkauft. 30 Mitarbeiter.

Der erste Titel nach 22 Jahren

Sein Ende beim FC Basel ist kurz und knapp. Doch den Moment, als der FCB den Titel nach 22-jähriger Durststrecke endlich auf sicher hat, wird er nie vergessen. 24. April 2002, 3:0 im Neufeld gegen YB – drei Runden vor Schluss sind die Basler nicht mehr einzuholen. Mit dem Bus gehts zurück nach Basel, zum Ausbildungszentrum. Eine erste Delegation um Präsident René C. Jäggi und Mäzenin Gigi Oeri erwartet dort das Team. Als Trainer Gross aussteigen will, stellt sich Ceccaroni in den Weg. «Halt, halt, Herr Gross», sagt er keck. Gross erstaunt: «Was soll das Cecca?»

Ceccaroni geht als Erster raus, ruft jeden, der in Bern war, mit Namen auf. Applaus für jeden einzelnen. Genau gleich machen sie es später auf dem Barfi. «Das mit dem Aufrufen der Spieler, Trainer und Funktionäre – das habe ich erfunden», sagt Ceccaroni. Die Lachfalten in seinem Gesicht vertiefen sich. Stolz schwingt mit in seinen Worten. Er erinnert sich, als wäre es gestern gewesen. Über 30 000 Menschen versammeln sich in dieser Nacht auf dem Barfi, um ihre Helden zu feiern. «Ich hatte Tränen in den Augen, als wir durch die Stadt fuhren», erinnert sich Ceccaroni.

Wie der FCB zu zwei Sternen kam – die zwanzig Meistertitel des FC Basel in Bildern:

2012 kehrt Ceccaroni zum FC Basel zurück. Als Nachwuchs-Chef. Bald sitzt er mit Marco Streller und Alex Frei im Verwaltungsrat seines FC Basel. Doch vorerst coacht er die U21. Vorübergehend, weil sich Raphael Wicky auf seine neue Aufgabe als Cheftrainer vorbereiten will. «Cecca» ist da, wie er immer da war, wenn es ihn brauchte. Für Rotblau hat die ehemalige Nummer 2 immer alles gegeben.

Die neue sportliche Führung des FC Basel mit Marco Streller, Alex Frei und Massimo Ceccaroni bei ihrer ersten Pressekonferenz.

Die neue sportliche Führung des FC Basel mit Marco Streller, Alex Frei und Massimo Ceccaroni bei ihrer ersten Pressekonferenz.

Sein sieben Jahre älterer Bruder hat ihn infiziert mit dem rotblauen Virus. Stefano, Stürmer, riesen Talent – aber andere Prioritäten. Das Studium als Sportlehrer war ihm wichtiger. Der ganz grosse Durchbruch blieb ihm verwehrt. Massimo hatte nicht dasselbe Talent, dafür einen unbändigen Willen. Er war sechs Jahre alt, als er 1974 dem FCB beitritt. Die Jüngsten sind ein Jahr älter, er darf mittun, weil sein Bruder schon im Verein ist. Dessen Hose mit der Nummer 10 trägt er, wenn sie zu Hause kicken. Dazu ein rotblaues Baumwoll-Shirt. «Ich brauchte jeweils eine Viertelstunde, bis ich anfangen konnte, weil ich immer das Leibchen anschaute», sagt er heute und lacht.

Mit dem FCB hat er alles mitgemacht. Den Abstieg 1988, die finanziellen Turbulenzen danach. «Es gab viele spannende Momente in dieser unheimlich schwierigen Zeit in der Nati B. Wir mühten uns gegen Mannschaften wie Châtel-St-Denis ab und erkämpften uns mit Müh’ und Not ein 2:1. Wir waren schlicht zu schlecht. Man kann sich das kaum vorstellen», sagt Ceccaroni.

Während 398 Meisterschaftsspielen hielt er seine Knochen für den FCB hin, sechs lange Jahre in der Nationalliga B. Vier Tore erzielte er dort. In der höchsten Spielklasse blieb er torlos. Selbst dann, als er 2001 gegen GC einen Penalty schiessen durfte. Ceccaroni: «Der Penalty auf der Schützenmatte hat mich unsterblich gemacht. Die Leute jubelten, die fanden es toll. Ich habe mich genervt.» Er hat gelernt, damit zu leben. Sein eigenes Schicksal war ihm immer weniger wichtig als das des Klubs.

Murat und Hakan Yakin: Die verlorenen Söhne in ihrem «Wohnzimmer»

Mirat und Hakan Yakin kehrten 2002 zum ersten Mal zum FCB zurück.

Mirat und Hakan Yakin kehrten 2002 zum ersten Mal zum FCB zurück.

Es war mal eine Zeit, da gab es auch für fussballspielende Jungs aus Münchenstein interessantere Adressen als den FC Basel. Die Grasshoppers aus Zürich hatten in den 90er-Jahren mehr Geld, mehr Geist und mehr Erfolg als der FCB. Und deshalb die besseren Argumente im Wettstreit um die besten Schweizer Fussballtalente. Murat Yakin wechselte bereits mit 18, sein drei Jahre jüngerer Bruder mit 20 zu GC. Immerhin: Der FCB war mutig und weitsichtig genug, die Yakins mit aller Kraft nach Basel zurück zu lotsen.

2002 waren sie in ihrem «Wohnzimmer», im Joggeli, wieder vereint. Und mit den Yakins in der Hauptrolle setzte der FCB die ersten Ausrufezeichen in der Champions League. Murat Yakin blieb bis 2006 der Ankermann. Bruder Hakan machte den Fehler, nach einem hervorragenden Jahr im Sommer 2003 zu Paris St-Germain zu wechseln, wo ihn zumindest der Trainer nicht auf der Rechnung hatte. Er durfte zwar nochmals zum FCB zurückkehren. Aber sein Glück fand er erst wieder in Bern bei den Young Boys. Immerhin: Der FCB hat nach den Yakins nur noch einmal ein Talent verkannt: Alex Frei, den späteren Rekordtorschützen der Schweizer Nati. (fsc)

Ivan Ergic: Das Gesamtkunstwerk, das im Dunklen strahlt

Ivan Ergic war ein Gesamtkunstwerk.

Ivan Ergic war ein Gesamtkunstwerk.

20-jährig ist er erst, als ihn Basel 2001 von Juventus Turin ausleiht. Aber schnell wird ersichtlich: Ivan Ergic ist ein Gesamtkunstwerk. Er vereint die Souplesse des Balkaners mit dem Sportsgeist des Australiers. Ergic ist ein kompletter Mittelfeldspieler. Einer, der vorne wie hinten entscheidend Einfluss nimmt. Einer, der den Rhythmus der Mannschaft bestimmt. Einer, der selbst in absoluter Dunkelheit strahlt. Aber Ergic ist auch ein Spieler, der sich viele Gedanken macht. Zu viele für einen Fussballer, der eigentlich besser bedient ist, wenn er tut, was von ihm verlangt wird, statt das System zu hinterfragen.

2003 leidet der serbisch-australische Doppelbürger erst an Leistenproblemen, dann am Pfeifferschen Drüsenfieber und schliesslich an einer Depression. Ergic kehrt auf den Platz zurück. Wird beim FCB sogar Captain. Gibt dieses Amt später wieder ab. 2009 ist für ihn Schluss beim FCB. Er wechselt zu Bursaspor in die Türkei. Holt mit dem Klub den ersten Meistertitel der Geschichte und beendet 2011 seine Karriere. Sein Lebensmittelpunkt ist zwar Belgrad. Aber Ergic kehrt immer wieder nach Basel zurück. Auch, um seine Niederlassungsbewilligung erneuern zu lassen. (fsc)

Julio Hernán Rossi: Das fehlende Rädchen im System

Julio Hernan Rossi folgte 2002 Christian Giménez nach Basel.

Julio Hernan Rossi folgte 2002 Christian Giménez nach Basel.

Julio Hernán Rossis Geschichte ist nicht jene typische eines argentinischen Jungens, der wie alle anderen um jeden Preis Fussballer werden will, weil er sonst keinen Lebenszweck sieht. Vielmehr war sein Beitritt in einen Fussballverein der Versuch seiner Eltern, ihr hyperaktives Kind unter Kontrolle zu bekommen. Sogar sein Kinderarzt riet zu diesem Schritt.
Dass er Talent hat, fällt schnell auf. Rossi spielt bei Independiente und beim grossen River Plate, der Durchbruch aber gelingt ihm nicht. Er denkt gar daran, den Fussball aufzugeben und sein Studium als Anwalt wieder aufzunehmen – bis das Angebot des FC Lugano ins Haus flattert.

Ein Glücksfall. Vor allem für den FC Basel. Im Tessin nämlich macht er mit seiner Spielweise, die Eleganz und Aggressivität vereint, so sehr auf sich aufmerksam, dass er seinem Freund und Landsmann Christian Giménez 2002 nach Basel folgt. Vier Jahre trägt Rossi das rotblaue Dress, erzielt 36 Treffer in 112 Spielen und ist massgeblich am Erfolg des FCB bei dessen erster Champions-League-Teilnahme beteiligt. Rossi sagte einst, bei Basel das Gefühl gehabt zu haben, «das fehlende Rädchen im System zu sein». Widersprechen würde ihm wohl niemand. (cfe) 

Scott Chipperfield: Als wäre die Leichtigkeit auf dem Platz geblieben 

Scott Chipperfield ging beim FC Basel als Held.

Scott Chipperfield ging beim FC Basel als Held.

Nicht Marco Streller, nicht Beni Huggel und auch nicht Alex Frei – sondern Scott Chipperfield. Er ist der erfolgreichste Spieler in der Vereinshistorie des FC Basel. Als völlig unbekannter 25-Jähriger kam er 2001 aus dem australischen Wollongong nach Basel. Es sollte ein Zwischenstopp auf dem Weg in die Premier League sein, von der er immer träumte. Es blieb ein Traum. Stattdessen hielt es Chipperfield in Basel. Elf Jahre lang rannte er am linken Flügel mit unbändiger Hingabe und Leidenschaft auf und ab. Als Lohn und Krönung für seine Leistungen gab es 13 Titel, sieben davon in der Meisterschaft, sechs im Cup.

Chipperfield ist in Basel eine Legende. Eine Kultfigur. Ein Volksheld. Der Allergrösste. Heiko Vogel, sein letzter Trainer beim FCB, meinte einst, dass er Chipperfield mit Worten nicht gerecht werden könne. Christian Gross versuchte es mit der Bezeichnung «Mister Commitment». Als «Chippie» 2012 unfreiwillig gehen musste, tat ihm das weh. Er wäre gerne noch ein Jahr geblieben. Die Klubführung aber untersagte ihm schweren Herzens diese Möglichkeit. Seither tut er sich schwer. Es scheint fast, als hätte er seine Leichtigkeit am Abend des 23. Mai 2012 auf dem Platz gelassen. (cfe)

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