Meisterbeilage

FCB-Legende Otto Demarmels: Mit Benthaus und Hitzfeld zu den Azteken-Tempeln

Auf dem Landhof begann alles: Otto Demarmels an alter Stätte.

Auf dem Landhof begann alles: Otto Demarmels an alter Stätte.

Er prägte die Ära Benthaus und der legendäre Trainer prägte ihn. Mit seinem Interesse für Kultur. Otto Demarmels besuchte mit Helmut Benthaus und Ottmar Hitzfeld bei Reisen an internationale Spiele Azteken-Tempel. Demarmels: «Daran erinnere ich mich besser als an viele Spiele.»

«Regen macht schön!», sagt Otto Demarmels und marschiert entschlossen über den nassen Rasen. Hier auf dem Sportplatz Landhof hatte er einst mit einem Paukenschlag seine grosse Karriere lanciert. Sechs Meistertitel und ein Cupsieg sorgten dafür, dass der heute 69-Jährige in Basel eine Kultfigur ist.

Der Landhof, vom Roche-Turm fotografiert.

Der Landhof, vom Roche-Turm fotografiert.

Als 19-Jähriger war er im Sommer 1967 zum FCB gekommen, nachdem er für Pratteln in der 2. Liga 40 Saisontore geschossen hatte. Aber Basel war unter Spielertrainer Helmut Benthaus eben erst Meister geworden und Demarmels brauchte etwas Geduld, bis er erstmals auflaufen durfte. Doch beim Debüt am 16. September schlug er dann gleich zu. Gegen YF gelang ihm nicht nur das entscheidende Tor, sondern ein fantastisches obendrauf. «Von dort drüben hat Hauser geflankt, und hier habe ich zum Fallrückzieher angesetzt», schildert Demarmels an alter Stätte jene Szene, die ihm heute noch präsent ist. Es war auch deshalb ein spezielles Tor, weil es das letzte überhaupt auf dem Landhof war. Danach zügelte der FCB ins Joggeli.

Otto Demarmels im Meistercup-Spiel beim Kampf um den Ball mit Brügge-Torwart Barth im Jahr 1980.

Otto Demarmels im Meistercup-Spiel beim Kampf um den Ball mit Brügge-Torwart Barth im Jahr 1980.

«Auf dem Platz war ich ein Spinner»

Demarmels wurde Stammspieler und von Benthaus im linken Mittelfeld eingesetzt. «Obwohl ich ein klassischer Rechtsfuss war», sagt Demarmels. Während zweier Jahre trainierte er wie ein Besessener seinen linken Fuss. Das Üben trug Früchte. Nicht weniger als 15 Jahre lang war Demarmels, wegen seiner feinen Statur von allen «Otteli» genannt, auf seiner Position einer der Besten des Landes, wurde 16-facher Nationalspieler. Auf dem Feld sei er ein Spinner gewesen, aber einen Platzverweis habe er nie erhalten, sagt Demarmels.

Meisterfeier 1973: Helmut Benthaus machte Basel zur Fussballstadt.

Meisterfeier 1973: Helmut Benthaus machte Basel zur Fussballstadt.

In Basel war er ein Star und wurde von jedem Zweiten gegrüsst. Als Held fühlte er sich aber nicht; zumal ja Karl Odermatt die ganz grosse Nummer war. Er arbeitete nun wieder bei Sport Gerspach und damit dort, wo er einst die Lehre absolviert hatte. In all seinen Jahren als Spitzenfussballer schuftete er Vollzeit, trainiert wurde erst um 18 Uhr. «Viele Mütter kamen mit ihren Kindern in den Laden, wollten eine Unterschrift und kauften dann auch noch etwas», sagt Demarmels, dessen Eltern aus dem Bündnerland zuerst nach St. Gallen und später, als Otto fünf war, nach Pratteln gezogen waren. «Ich war als Knirps oft im Espenmoos und habe den Geschmack am Fussball gefunden.»

Wie der FC Basel zu zwei Sternen kam – die zwanzig Meistertitel in Bildern:

Am grossen Fussball, muss man sagen. Denn Demarmels spielte im Bernabéu gegen Real Madrid, auch gegen Ajax und er war beim legendären 6:4 gegen Brügge im Meistercup dabei. «Ein Highlight war auch, als wir 1972 vor 56 000 Zuschauern mit einem 4:0 über den FC Zürich Meister wurden», sagt Demarmels. Obwohl ihn Timo Konietzka zum FCZ locken wollte, blieb Demarmels dem erfolgreichen FCB treu. Nur im Cup wollte es nicht klappen. Von fünf Finals gewann er bloss einen, jenen von 1975 gegen Winterthur. Seine hochschwangere Frau sah von der Tribüne aus, wie ihr Ehemann das 1:0 schoss und den 2:1-Siegtreffer von Balmer vorbereitete. Kurz danach kam Tochter Nathalie zur Welt. Sie wurde später Schweizer Juniorenmeisterin im Tennis.

Helmut Benthaus instruiert seine Spieler, links aussen steht Ottmar Hitzfeld. Gemeinsam seien sie laut Demarmels auch Atzteken-Tempel anschauen gegangen.

Helmut Benthaus instruiert seine Spieler, links aussen steht Ottmar Hitzfeld. Gemeinsam seien sie laut Demarmels auch Atzteken-Tempel anschauen gegangen.

Zu Demarmels’ besten Freunden wurde Ottmar Hitzfeld. Sie teilten auf den vielen Reisen das Zimmer und profitierten davon, dass der kulturinteressierte Benthaus sie in den Trainingslagern in Thailand und Mexiko zu den Tempeln und auf die Spuren der Azteken führte. «Daran erinnere ich mich besser als an viele Spiele», sagt Demarmels, der später während der Präsidentschaft von René C. Jäggi drei Jahre lang in der Marketingabteilung des FCB tätig war, diese aber nicht in Minne verliess.

Vom ehemaligen Teamkollegen Bruno Michaud war er schon zuvor in die Versicherungsbranche gelotst worden. Nach anfänglicher Skepsis fand er so sehr Gefallen am Beruf des Brokers, dass er sich vor 17 Jahren selbstständig machte und noch heute täglich ins Büro geht. «Ende Jahr ist aber Schluss, das Geschäft ist verkauft», sagt Demarmels, der an der Heuwaage mitten in Basel lebt. Er wird dann mehr Zeit haben, zusammen mit dem früheren Teamkollegen Walter Mundschin seiner Leidenschaft nachzugehen: der Oper.

Mit Walter Mundschin spielt Demarmels jeden Montag Tennis.

Mit Walter Mundschin spielt Demarmels jeden Montag Tennis.

Mit Mundschin spielt er jeden Montag Tennis, manchmal trifft er Hitzfeld zum Kaffee oder er geht mit den Enkeln in den Zoo. Was den aktuellen FCB betrifft, ist Demarmels bestens informiert. Ab und zu sitzt er auch im Stadion. «Jetzt bin ich gespannt auf den Umbruch im Sommer», sagt Demarmels.

Als er 1982 im Alter von 34 Jahren den Rücktritt gab, hatte er 446 FCB-Pflichtspiele (73 Tore) auf dem Buckel. Doch das war ihm nicht wichtig. «Zu Hause gibt es nur zwei Bilder, die an meine Laufbahn erinnern», sagt Demarmels. «Ich will nicht in einem FCB-Museum wohnen. Lieber trage ich die Erinnerungen im Herzen.»

Erni Maissen: Guter Torriecher und spitze Feder

Erni Maissen schrieb nach seiner Karriere mit spitzer Feder Kolumnen.

Erni Maissen schrieb nach seiner Karriere mit spitzer Feder Kolumnen.

30 Jahre sind es her, seit diesem grossen Auftritt gegen Wettingen. Im entscheidenden Spiel gegen den Abstieg schoss Erni Maissen beim 7:0 vier Tore und bereitete die anderen drei vor. Der aus dem Bündnerland stammende Stürmer hatte beim FC Reinach mit dem Fussball begonnen, wechselte als B-Junior zum FCB und erzielte später beim Debüt im Fanionteam gegen Lausanne gleich ein Tor. Es sollten noch viele weitere folgen, sodass er aktuell hinter Seppe Hügi II (282 Tore) und Marco Streller (144) mit 143 Treffern in 406 Partien der drittbeste Torschütze in der FCB-Historie ist.

Maissen erlebte beim FCB das volle Programm: von Himmel hoch jauchzend bis zu Tode betrübt. Er wurde 1977 und 1980 Meister, machte aber auch die düsteren Zeiten der grossen finanziellen Probleme mit und spielte am Ende seiner Karriere bis 1991 gar noch beim inzwischen abgestiegenen FCB in der Nationalliga B. Der heute 59-Jährige war in drei Tranchen für den FCB tätig. Dazwischen hatte er Engagements beim FCZ und YB. Daneben brachte er es auf 29 Länderspiele. Später schrieb er mit spitzer Feder Kolumnen. Er arbeitet als Verkaufsberater im Aussendienst und spielt in der Ü50 des FC Reinach als Goalie. (br)

Urs Siegenthaler: Sechs Titel als Spieler – als Trainer der Abstieg

Urs Siegenthaler im Jahr 1988.

Urs Siegenthaler im Jahr 1988.

Zum bisher letzten Mal gross in Erscheinung getreten ist Urs Siegenthaler, als er im Herbst 2016 im Joggeli als YB-Verwaltungsrat ein Interview gab und kurz danach diesen Job los war. Es zeigt: Der Mann, der im November 70 Jahre alt wird, ist noch immer aktiv und eng mit dem Fussball verbunden. Wie auch mit dem deutschen Bundestrainer Joachim Löw, dessen Chefscout er seit 2005 ist.

Der Basler Ingenieur mit eigener Firma hatte als 18-jähriger Junior den Sprung ins Fanionteam des FCB geschafft; just, als Helmut Benthaus Spielertrainer geworden war. Er spielte als Verteidiger von 1965 bis 1973 und in der Saison 78/79 für den FCB, absolvierte 169 Partien (drei Tore) und wurde 5 Mal Meister und 1 Mal Cupsieger. Auch für Xamax, YB und Winterthur war Siegenthaler am Ball.

Er erwarb 1978 in Köln den Trainerschein, doch zehn Jahre später erlebte er als Trainer des FCB mit dem Abstieg in die NLB einen Tiefpunkt. Allerdings stand ihm aus finanziellen Gründen kein wettbewerbstaugliches Team zur Verfügung. Er blieb Trainer, schaffte den Wiederaufstieg aber nicht und wurde im November 1989 durch Ernst August Künnecke ersetzt. Siegenthaler lebt in Basel. (br)

Jean-Pierre Maradan: Bewusstlos am Boden wird er verwarnt

Jean-Pierre Maradan wurde bewusstlos am Boden liegend verwarnt.

Jean-Pierre Maradan wurde bewusstlos am Boden liegend verwarnt.

Es sind viele des Fussballs wegen nach Basel gekommen und nach Abschluss der Karriere in der Stadt hängengeblieben. Wie Helmut Benthaus, René Botteron, Detlev Lauscher, Peter Ramseier und Mario Cantaluppi. Jean-Pierre Maradan aber ist nach acht Jahren FCB, 254 Pflichtspielen und 13 Toren 1984 wieder zum FC Grenchen in die solothurnische Heimat zurückgekehrt.

Auf der Visitenkarte standen zwei Meistertitel (1977 und 1980) sowie der Alpencupsieg gegen Sochaux 1981. Der einstige Junior des FC Deitingen hatte es auch zum Nationalspieler gebracht. Am 24. Mai 1977 wurde er beim Testspiel im Joggeli gegen die Tschechoslowakei (1:0-Sieg) acht Minuten vor Schluss eingewechselt. Von Maradan gibt es die folgende Anekdote aus einem Spiel des FCB im St. Galler Espenmoos: Nach einem Zweikampf blieb der Basler Verteidiger bewusstlos liegen. Was Schiedsrichter Peter Hauser nicht daran hinderte, Maradan zu verwarnen. Er dürfte zu den wenigen Spielern gehören, die ohne Bewusstsein sanktioniert wurden.

Der heute 63-Jährige lebt in Oensingen, arbeitete noch bis Ende März auf einer Bank und ist nun pensioniert. (br)

Oliver Kreuzer: Fussballgott, der mit dem Sportplatz vorliebnahm

Oliver Kreuzer hinterliess in Basel Spuren.

Oliver Kreuzer hinterliess in Basel Spuren.

Oli Kreuzer, Fussballgott! Die Fans des FCB verehrten den deutschen Verteidiger, der 1997 für eine Ablösesumme von 800 000 Franken von Bayern München zum FC Basel gekommen war. Er hätte auch zu Newcastle gehen können, doch Kreuzer hörte auf seine Frau und wechselte aus familiären Gründen zum anderen FCB. Präsident René C. Jäggi hatte die Idee, mit einem «Bundesliga-Projekt» (Trainer Jörg Berger, Maurizio Gaudino, Jürgen Hartmann) auf die Erfolgsspur zu kommen.

Aber nur Kreuzer hinterliess Spuren, wurde Meister und Cupsieger. Er war sich nicht zu schade, auch im Ausweichstadion Schützenmatte, das für ihn lediglich ein Sportplatz war, die Knochen hinzuhalten. Dafür feierten ihn die Leute, und nicht, weil er ein besonders guter Fussballer gewesen wäre. Aber er war ein Profi vom Scheitel bis zur Sohle, immer freundlich und nie arrogant. Als er merkte, dass seine Leistungen nachliessen, trat er Ende 2001 nach 162 Spielen − darunter das legendäre 1:8 in Sion − und 25 Toren zurück. Er war Teammanager bis 2005, arbeitete in Salzburg, Graz, beim HSV, bei 1860 München und ist jetzt wieder beim KSC als Sportdirektor tätig. Sohn Niklas spielt bei Dynamo Dresden. (br)

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