Eines war schon vor der gestrigen Präsentation der FCB-Geschäftszahlen des vergangenen Jahres klar: Präsident Bernhard Burgener wird alles unternehmen, um nach sieben fetten Jahren mit Millionen-Gewinnen nicht erstmals wieder einen Verlust ausweisen zu müssen.

Und natürlich gelang ihm dies, auch wenn die Transfereinnahmen deutlich geringer ausfielen, als er und seine Crew dies im Sommer 2017 budgetiert hatten. 22 Millionen Franken wollten Burgener & Co. mit Spielerverkäufen einnehmen, tatsächlich kamen nur knapp über 8 Millionen rein.

FCB-Präsident Bernhard Burgener über Dividenden und Gewinn

«Es war im Sommer schlicht kein Spieler gefragt und wir bieten niemanden einfach so zum Verkauf an», sagt Burgener dazu. Natürlich haben trotzdem einige Spieler den Klub verlassen. In der Winterpause gingen Birkir Bjarnason und Jean-Paul Boëtius, im Sommer folgten die Transfers von Nicolas Hunziker, Adama Traoré, Andraz Sporar und Daniel Hoegh.

Richtig lukrativ war keiner der Transfers. Am meisten dürfte Bjarnason mit knapp über zwei Millionen Franken eingebracht haben. Wie genau die acht Millionen Transfereinnahmen zustande kamen bleibt unklar.

Der Bruch mit Heuslers Tradition

Neben den weit unter Budget gebliebenen Transfereinnahmen fallen die Personalkosten auf: Sie gingen nicht wie budgetiert zurück (geplant war, den Aufwand für das Personal von 45 auf 38 Millionen runterzuschrauben), sondern wuchsen auf 49 Millionen Franken an. Und das, obwohl man das Kader der ersten Mannschaft von 33 auf 20 Spieler reduzierte.

«Wir hatten zum Beispiel zwei Trainer auf der Lohnliste, weil ich sagte, dass wir den Trainer wechseln», beginnt Burgener. Zudem habe man bei gewissen Spielerverträgen Kompromisse eingehen müssen. Ob man nun bei einigen Leihverträgen einen Teil der Lohnkosten trägt, oder hier und da mehr bezahlte als geplant, liess Burgener offen.

Und dann waren da noch die Prämienzahlungen an die Spieler für die erfolgreiche Champions-League-Kampagne, die so nicht budgetiert waren. Burgener sagt: «Ich gehe davon aus, dass diese Kosten im nächsten Jahr um sechs bis sieben Millionen runtergehen, weil wir das Kader reduziert haben.»

Präsident Bernhard Burgener präsentierte an der Bilanz-Medienkonferenz des FC Basel die Zahlen des letzten Jahres.

Präsident Bernhard Burgener präsentierte an der Bilanz-Medienkonferenz des FC Basel die Zahlen des letzten Jahres.

Man hat bei Transfers deutlich weniger eingenommen und beim Personal deutlich mehr ausgegeben als budgetiert und macht trotzdem einen Gewinn – wie ist das möglich? Burgener: «Wir haben einen Teil der ausgefallenen Transfereinnahmen kompensieren können, etwa durch die höheren Matcheinnahmen.

Und die Uefa-Einnahmen sind höher ausgefallen als budgetiert.» Die Zahlen dazu: Bei den Matcheinnahmen konnte der FC Basel 6 Millionen Franken mehr einnehmen (26 Millionen statt der budgetierten 20 Millionen).

Zugleich konnte der FCB dank der erfolgreichsten Champions-League-Kampagne der Klubgeschichte 32 statt der budgetierten 20 Millionen Franken an Prämien einstreichen. Dabei hat der neue Präsident etwas gemacht, was die alte Führung unter Bernhard Heusler stets unterliess: Er verbuchte die Achtelfinal-Prämie im alten Jahr, also 2017. Das ist absolut legal und legitim, denn die Prämie wurde mit der Qualifikation für die K.o.-Runde fällig. Und trotzdem ist es neu.

Es fehlen sieben Millionen

Rechnet man nun nach, merkt man schnell: Es fehlen auch nach diesen nicht budgetierten Mehreinnahmen noch sieben Millionen Franken. Wie genau dieses Minus gedeckt wurde, ist nicht klar. Sicher ist, dass die flüssigen Mittel (von 30 auf 23 Millionen) als auch die Rückstellungen für Transfers (von 22 auf rund 14 Millionen) zurückgingen.

Und dass Burgener darauf verzichtete, den Transfer von Manuel Akanji des Geldes wegen im alten Jahr durchzudrücken. «Das hätten wir machen können, aber wir haben bewusst länger verhandelt und so den Preis noch erhöhen können», erklärt der FCB-Präsident. Wie genau der Gewinn von rund 580 000 Franken zustande kam, bleibt unklar.

Sicher ist, dass die Zahlen im kommenden Jahr deutlich besser ausfallen dürften. Dann wird Burgener wahrscheinlich auch eine Dividende ausschütten, wie er das ankündete im Erfolgsfall. Dieses Jahr verzichtet er darauf und sagt: «Wir schütten keine Dividende aus, das macht keinen Sinn.»

Dafür sprach sich der Präsident ganz klar für die definitive Verpflichtung von Dimitri Oberlin aus. «Er erinnert mich irgendwie an Mohamed Salah, als er zum FCB kam.» Scheint fast so, als würde Burgener den nächsten Millionen-Deal wittern.

Und mehr Transfereinnahmen können nie schaden, damit nächstes Jahr auch im Falle des Verpassens der Champions League (der FCB muss durch die Qualifikation, sollte er Zweiter werden) eine anständige Dividende ausbezahlt werden kann. Denn letztlich ist und bleibt Burgener Unternehmer.