Auch der FC Basel konnte bei seinen Sichtungsgängen im Talentladen Wil nicht widerstehen. 2011 füllte er den Warenkorb mit dem nordkoreanischen Stürmerjuwel Kwang-Ryong Pak, in diesem Jahr mit Innenverteidiger Fabian Schär. Während Erstgenannter behutsam aufgebaut wird und noch auf den Durchbruch wartet, darf man Schär bereits nach 15 Spieltagen getrost als Verstärkung bezeichnen.

«Der FCB ist das Nonplusultra»

Dabei war lange unsicher, ob Schär überhaupt zum FCB wechselt. Die Pläne des Klubs gingen erst in eine andere Richtung, änderten sich dann aber zugunsten des Ostschweizers. Es lief bereits die Saisonvorbereitung, als der 20-jährige Ur-Wiler endlich Klarheit über seine Zukunft hatte. «Ich war schon ein wenig nervös. Bei anderen Klubs hätte ich schon früher unterschreiben können, aber das wollte ich nicht, für mich gab es nur das Ziel Basel.» Warum? «Weil der FCB in der Schweiz das Nonplusultra ist», antwortet er, ohne zu überlegen. «Tagtäglich mit den Besten zu trainieren und zu spielen, das will doch jeder.»

Im Gespräch wirkt Fabian Schär zwar nicht schüchtern, die Abgeklärtheit jedoch, wie sie etwa der zwei Monate ältere Xherdan Shaqiri vorlebt, fehlt ihm (noch). Das hat seine Gründe: Anders als der jetzige Shootingstar von Bayern München, der schon als Teenager voll auf die Karte Fussball setzte, lebt Schär erst seit dem Wechsel nach Basel als Vollprofi. In Wil hat er bis zuletzt 30 Prozent bei einer Bank gearbeitet. «Ich muss mich noch daran gewöhnen, dass es jetzt nur Fussball gibt», sagt er, «alles ist ein Level höher als in Wil. Das Tempo, das Stadion, die Zuschauer, das Medieninteresse, die Anzahl Spiele. Viele mögen einen anderen Eindruck haben: Fussballer ist ein schöner, aber anstrengender Beruf.» Dass er – noch unter Heiko Vogel – im ersten Viertel der Saison nicht zum Einsatz kam, betrachtet er im Nachhinein als Vorteil. «Ich konnte mich im Hintergrund an alles gewöhnen.»

«Ich bin ein ruhiger Typ»

Es war nicht mehr der Sprung ins kalte Wasser, als er am 29. September in Lausanne Premiere in der Super League feierte. Dennoch überraschte, wie souverän Schär die Prüfung meisterte. In keiner Aktion nur eine Spur von Nervosität. «So zu spielen, ist meine Art. Ich bin auf und neben dem Platz ein ruhiger Typ.»

Seit Murat Yakin in Basel Trainer ist, gehört Schär zum Stammpersonal. «Als ehemaliger Innenverteidiger gibt er mir viele Tipps, wie ich mich auf dem Platz verhalten soll. Das hilft mir sehr.» Schär ähnelt seinem Vorgänger im Basler Abwehrzentrum nicht nur, was die Spielweise betrifft. Wie früher Yakins ist auch Schärs Kopfballspiel eine Waffe, die im FCB-Dress schon zu drei Toren führte.

Seit er im Herbst 2009 das erste Mal für Wil in der Challenge League auflief, befindet sich Schär im stetigen Steigflug. U21-Nationalspieler ist er bereits, fehlt noch der Schritt ins A-Team. «Darüber mache ich mir keine Gedanken, erst will ich mich beim FCB längerfristig durchsetzen.» Die WM 2014 in Brasilien sei zwar in seinem Kopf, «doch wenn nicht als Spieler, dann werde ich sicher als Zuschauer hinfliegen. Das haben ich und einige Kollegen vor langer Zeit geplant.»

«Ich liebe den Fussball über alles»

Gut möglich, dass aus Fabian Schär auch ein guter Tennisspieler geworden wäre. Lange machte er beides, bis er sich entscheiden musste. «Ich habe den Fussball gewählt, weil ich ihn über alles liebe.» Was nicht verwundert, wenn man schaut, aus welchem Elternhaus Fabian Schär stammt. Vater Martin war ebenfalls Fussballer, ebenfalls Innenverteidiger, ebenfalls beim FC Wil. «Er hat mich mit dem Fussballvirus infiziert.» So sehr, dass auch nach Spiel- und Trainingsschluss bei Fabian Schär das runde Leder dominiert. Er weiss über alle Topligen Europas Bescheid. «Fussball ist mein Beruf und mein Hobby.» Platz für eine Freundin gibt es in Schärs Leben zurzeit keinen.

Wenn er sich zur Erholung in seine Dreizimmerwohnung in Binningen zurückzieht und die Playstation startet, wird – was sonst – Fussball gezockt. Schär wählt meistens ein Team aus der Bundesliga oder der Premier League. Noch sind Deutschland und England für Fabian Schär ein Traum. Die Chance, dass daraus Wirklichkeit wird, könnte kleiner sein.