Genau ein einziges Mal durfte Stephan Andrist im FCB-Dress über 90 Minuten ran. Das war im Oktober 2011 gegen GC. Seither wurde er, wenn überhaupt, als Ergänzungsspieler eingesetzt. Viel zu wenig für jemanden wie Andrist, der mit vielen Vorschusslorbeeren als Thun-Topskorer ans Rheinknie gewechselt hat. «Ich gebe zu, dass ich mir mehr Einsatzminuten erhofft habe», seufzt der 24-Jährige, «aber ich war gefasst auf das, was in Basel auf mich zukommen wird.»

Trotzdem bleibt hinter der Personalie Andrist ein grosses Fragezeichen. Denn verletzt war er nie, auch spielerisch war er mit zwei Toren und drei Vorlagen ein dankbarer Offensivspieler. Woran liegts, dass Andrist beim FCB kaum auf Touren kommt?

Lob von Heiko Vogel

Trainer Heiko Vogel lobt seinen Schützling in den höchsten Tönen: «Er ist pfeilschnell, agil und hat einen enorm starken Abschluss.» Diese Vorzeichen reichen aber anscheinend nicht aus, um bei den Baslern eine tragende Rolle zu spielen. Mit den Neuzugängen Mohamed Salah und David Degen hat Basel ein weiteres, klares Zeichen gesetzt: Beide spielen im rechten Mittelfeld und damit auf der gleichen oder ähnlichen Position wie Andrist. Noch mehr Konkurrenz bedeutet einen noch schwereren Stand. «Stephan ist ein wichtiger Spieler für uns. Ausserdem gibt es bei uns keine Stammplatzgarantien, jeder hat dieselben Chancen», gibt sich Vogel diplomatisch.

Im ersten Trainingslager-Testspiel gegen Steaua Bukarest war es David Degen, der von Anfang an über rechts spielte. Andrist kam in der 62. Minute für Degen und markierte in der 82. Minute das 2:4 per Penalty. Salah war über links der stärkste Basler. Im zweiten Testspiel gegen Unterhaching durfte Andrist in der ersten Hälfte ran und zeigte eine gewohnt ansprechende Leistung. Auch der direkte Konkurrent David Degen spielte erfrischend auf. Nur: Mit Neuzugang Marcelo Diaz wird bald ein weiterer Mittelfeldspieler im Kader stehen. Andrist gibt sich selbstsicher, ist fest davon überzeugt, in der kommenden Saison eine gewichtigere Rolle zu spielen: «Wir haben so viele Spiele vor uns, da bekommt sicher jeder seine Chance.» Vorerst heisst es abwarten. Die vielen Neuverpflichtungen auf den Mittelfeld-Positionen hinterlassen jedenfalls einen fahlen Beigeschmack.

Der ewig Verletzte

Einen noch viel härteren Stand im Basler Star-Ensemble hat Aussenverteidiger Kay Voser. Mit grossen Ambitionen ist er Ende letzte Saison von den Grasshoppers zum FC Basel gekommen. Die ernüchternde Bilanz: Verletzungspech. Neun Monate Pause. «Es war die bisher schwierigste Saison meiner Karriere», sagt Voser selbstredend. Auch im Trainingslager in Rottach-Egern hat sich der Aargauer jüngst den Fuss vertreten, muss wieder mühsames Aufbautraining machen. Einsätze bei den Testspielen waren demnach kein Thema.

Entsprechend nüchtern blickt der 25-Jährige in die neue Saison: «Für mich wird es extrem schwer, einen Platz in dieser Mannschaft zu erkämpfen. Zuerst muss ich fit werden, danach werden wir sehen, wies weitergeht.» Wirklich optimistisch hören sich solche Sätze nicht an. Auch wenn Vogel seine «unglaubliche mentale Stärke» hervorhebt, die Karten für Voser stehen denkbar schlecht. Das weiss er auch. «Ich komme nur wieder auf 100 Prozent, wenn ich regelmässig spiele.» Doch wie will Voser spielen, wenn er seit Monaten durch Verletzungen zurückgeworfen wird? Ein Teufelskreis. «Und genau aus diesem Grund bin ich für den Trainer derzeit auch nicht interessant», fügt der Badener enttäuscht an. Die Hoffnung hat Voser noch nicht aufgegeben. Denn die stirbt bekanntlich zuletzt.