Wer 1:7 verliert, der wird normalerweise nicht gerne daran erinnert. Geschweige denn verspürt er Freude, wenn er darüber Auskunft geben soll – und das noch fast eine Woche nach der erlittenen Niederlage.

Bei Marcel Koller wirkt das alles etwas anders. Als er am Freitagnachmittag gefragt wird, wie gut man diese Schmach im vermeintlichen Spitzenspiel gegen die Berner Young Boys bereits aus den Köpfen bekommen hat, da winkt er nicht ab oder versucht das Thema zu wechseln. Stattdessen sagt er: «So blöd das auch klingt und so weh das auch getan hat: ein 1:7 legt vieles frei. Wenn du immer gewinnst, verdeckt das auch vieles. Wenn man hingegen mal eine solche Schlappe bekommt, kann das Kräfte und Reaktionen im Teamgefüge frei setzen.»

Solche Dinge könne man mit- und aufnehmen. «Das ist auch für mich als Trainer wichtig.» Es sind solche Sätze, die dazu führen, dass man dem Trainer des FC Basel schon länger ein philosophisches Verhältnis zu Niederlagen nachsagt. Auch in seiner Biographie sagt Koller: «Niederlagen sind notwendig. Denn man kann mehr rausdestillieren als aus Erfolgen.»

Das Verlangen nach Bestätigung

Ins Detail gehen und offen legen, welche Reaktionen und Kräfte im Teamgefüge des FCB nach dem Spiel vom letzten Sonntag zu beobachten gewesen sind, wollte Koller dann aber nicht. Nur so viel: «Es ist wichtig, dass mal etwas ausbricht. Nicht nur oberflächlich, sondern dass man in die Tiefe gehen und schauen kann, wo die Probleme liegen. Sowohl beim Einzelnen als auch in der Gruppe.» Denn nur wenn diese Probleme gelöst werden, so Koller, kann eine Mannschaft auf dem Platz harmonieren.

Dass der FCB durchaus noch für ein Harmonie-Gefühl sorgen kann, hat er am Mittwoch gezeigt. Drei Tage nach dem YB-Spiel hat er in Form eines 2:1-Sieges über den FC Luzern eine erste Antwort geben können. Ein Zeichen, dass diese Mannschaft noch immer lebt. In diesem Spiel der Rehabilitation wäre gar mehr möglich gewesen. Die eben doch spürbare Verunsicherung sowie mangelhafte Chancenauswertung verunmöglichten jedoch eine ganz grosse, heftige Reaktion.

Lässt man die fehlende Kaltschnäuzigkeit aussen vor, dann ist das Gezeigte gegen Luzern das, an was angeknüpft werden soll am Sonntag in Lugano. Koller fordert von seinen Spielern «eine Bestätigung. Wir verlangen so eine Leistung wie wir am Mittwoch gesehen haben. Und nicht weniger. Keinen Millimeter weniger wollen wir sehen.» Es müsse seinen Spielern bewusst sein, dass sie auch jetzt nicht nachlassen dürfen und genau das abrufen müssen, was sie am Mittwoch auf den Platz gebracht haben. «Dann können wir ein gutes Spiel machen», ist sich der Trainer sicher, auch wenn der Gegner ein anderer als das zuweilen erschreckend harmlose Luzern ist.

Mehr Fokus, mehr Konzentration 

Insbesondere im läuferischen Bereich hat Koller bereits eine Verbesserung erkannt. Eine, die sich in einem im Vergleich mit den früheren Saisonspielen überdurchschnittlichen Laufpensum niedergeschlagen habe, wie Koller sagt. Damit dieser am Sonntag zu wiederholende Aufwand am Ende in Form von drei Punkten auszahlt, müssen aber auch noch Tore erzielt werden. «Wir haben gegen Luzern acht Möglichkeiten gehabt und nur zwei Tore erzielt. Das heisst, dass wir mehr Fokus und Konzentration brauchen.»

Denn auch wenn Koller einen guten Umgang mit Niederlagen pflegt, ist es wohl auch so, dass er an einer erneuten am Sonntag nicht mehr ganz so viel Positives ziehen könnte.