Super League
FCB-Trainer Raphael Wicky: «Oft wird zu wenig tiefgründig beurteilt – und dann trifft es den Trainer»

Raphael Wicky ist seit 9 Monaten und 10 Tagen Trainer des FC Basel und somit puncto Dienstalter auf Platz vier der Super League – gemeinsam mit Marc Schneider vom FC Thun. In einer Woche der Trainerentlassungen tut Wicky sehr deutlich seine Meinung kund.

Céline Feller
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Raphael Wicky: «Ich bin frisch»

Raphael Wicky: «Ich bin frisch»

Keystone

An einem Tag wie diesem Dienstag, an dem GC Murat Yakin entlässt – nur einen Tag nachdem sich Lugano von Pierluigi Tami getrennt hat – und somit bereits der siebte Trainer in dieser Super-League-Saison seinen Job verloren hat, kommt man auch beim FC Basel nicht um das Thema Trainer-Entlassung herum.

Nicht weil Raphael Wicky absehbar in den nächsten Tagen der achte Trainer werden wird. Aber weil Raphael Wicky das Schicksal seiner Trainerkollegen auch mitbekommt. «Beurteilen kann ich das aber in beiden Fällen nicht im Detail. Da bin ich zu weit weg», sagt er erst etwas abwehrend bezüglich der Thematik, um dann an einer angeregten Diskussion teilzunehmen.

«Generell empfinde ich Kontinuität als den besseren Ansatz und jenen, der längerfristig der erfolgreichere Weg ist. Das habe ich schon als Spieler so gesehen, beispielsweise in meiner Zeit bei Werder Bremen. Aber das ist nicht das einzige Beispiel», erklärt Wicky.

Schwarz oder weiss, nichts dazwischen

In seinen 25 Jahren im Profi-Fussball habe er vor allem ein Phänomen wahrgenommen: «Oft wird alles nur schwarz oder weiss gesehen und Trainer aufgrund dieser Wahrnehmung beurteilt. Es wird am Ende einer Saison nicht wirklich tiefgründig untersucht, ob man mit einer Person weiter arbeiten will oder nicht. Vielmehr aber müssten die Verantwortlichen jeweils die Gesamtsituation beurteilen, die tägliche Arbeit anschauen und nicht nur die Resultate.»

In der Beurteilung seiner Arbeit, so Wicky, treffe diese eingeschränkte Sichtweise nicht zu: «Ich habe nicht gespürt, dass da nur schwarz oder weiss geht. Ich habe einen guten Austausch mit jenen Leuten, die hier die Entscheidungen treffen. Aber ich weiss natürlich auch, dass am Ende viel an den Resultaten hängt.»

Als Trainer müsse man sich der Schnelllebigkeit im Fussball bewusst sein und auch damit leben können, dass der Trainer eben oft derjenige ist, den es als erstes trifft, wen es nicht läuft. «Aber auch hier: Würde man tiefgründiger nachdenken und prüfen, was man will, würden sich auch die Vereine viel sparen und müssten sich nicht sechs Wochen nach Saisonstart von jemandem trennen.»

Einer der Dienstältesten

Die Entlassungswelle in der Super League hat dazu geführt, dass Raphael Wicky und Thun-Coach Marc Schneider mittlerweile ex-aequo auf Platz vier der dienstältesten Trainer der Liga stehen mit je 9 Monaten und 10 Tagen im Amt. Dass er in dieser Rangliste so schnell heraufklettern würde, habe er nicht erwartet. Es sei aber einmal mehr Zeugnis dieser Schnelllebigkeit im Fussball.

Einer Schnelllebigkeit, die gepaart mit dem immensen Druck bei seinen Kollegen oft auch dazu führe, dass sie irgendwann ausgelaugt und müde sind, wie Wicky festgestellt hat. Und er? «Ich bin frisch», sagt er und lacht. Helfen würden ihm dabei das Privatleben und richtiges, bewusstes Abschalten.

Und auch wenn Wicky in der Diskussion um Entlassungen, Fussballmechanismen und wenig tiefgründige Beurteilungen eine sehr klare Meinung vertritt, sagte er auch: «Ich will mich nicht beschweren. Wenn man mit all dem nicht umgehen kann, muss man auch keinen Vertrag irgendwo unterschreiben. Das ist das Business, und das wird sich ebenso wenig ändern wie der Fussball. Dessen muss man sich bewusst sein.»