Mit seinen fussballerischen Qualitäten hätte er den überraschenden Rücktritt von Matías Delgado vergessen machen sollen. Denn Samuele Campo, dieser eher schüchterne junge Mann aus dem FCB-Nachwuchs, bringt so ziemlich alles mit, was einen guten Spielmacher ausmacht. Er sieht Räume, die anderen verborgen bleiben. Er kann Bälle über Mauern zirkeln und in die äussersten Winkel zimmern. In Lausanne unter Fabio Celestini hat er sogar verteidigen gelernt und die Scheu vor Kopfbällen abgelegt. 

Nach seinem Wechsel im Winter war Campo Ergänzungsspieler. Man wollte ihn schonen, nicht sofort der geballten Ladung journalistischer Kritik aussetzen. Ob es ein weiser Entscheid war, sei dahin gestellt. Campo verlor den Rhythmus, den er hatte und mit dem Rhythmus das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. So schien es wenigstens bei seinen ersten Auftritten. Campo war vor allem ein Versprechen. Ein uneingelöstes über weite Strecken. 

Campo reist allenfalls mit nach Griechenland

Doch je näher das Ende rückte, je mehr die Chance auf den Titel schwand, desto mehr fand er zu sich, zu seinen Stärken, zeigte, was ihn ausmacht. Zu Beginn des Trainingslagers in Tegernsee schwärmten ausnahmslos alle FCB-Verantwortlichen von Campos Form, er habe einen grossen Schritt gemacht, sei bereit durchzustarten. Dann kam das erste Testspiel gegen 1860 München und Campo verletzte sich nach wenigen Minuten. Drei Wochen sind vergangen, seit sich der FCB-Spielmacher am linken Hüftbeuger verletzt hat und noch immer trainiert er nicht mit der Mannschaft. 

Dabei hätte er im 4-2-3-1 im offensiven Mittelfeld im Zentrum die Fäden ziehen sollen. Wie also geht Raphael Wicky mit der Situation um? Ändert er System oder Ausrichtung? Lässt er mit zwei Spitzen in einem 4-4-2 spielen? «Wir können Sämi nicht 1:1 ersetzen, das stimmt. Aber an unserem Spielsystem, an der Anlage, wie wir spielen, ändert sich nichts», sagt der FCB-Trainer. In den Testspielen hat er sowohl Aldo Kalulu als auch Dimitri Oberlin auf dieser Position gebracht. Es ist davon auszugehen, dass Kalulu gegen St. Gallen hinter der Spitze im Zentrum agieren dürfte. Dort hat er letzte Saison bei Sochaux die meisten Einsätze bestritten. 

Campo dagegen befindet sich auf dem Weg der Besserung. Gut möglich, dass er am Samstag erste Minuten mit der U21 sammeln wird und dann mit dem FCB nach Griechenland reist, wo die Basler am Dienstag in der zweiten Runde der Champions-League-Qualifikation auf Paok Thessaloniki trifft. 

Der FCB will Heimstärke demonstrieren

Gegen St. Gallen reicht es mit Sicherheit noch nicht. Gegen einen Gegner, der diesen Sommer eine tiefgreifende Veränderung durchmachte. Neuer Trainer, neuer Assistent, zwölf neue Spieler: St. Gallen ist kaum wiederzuerkennen - und trotzdem keine Unbekannte. «Wir kennen die Philosophie von Peter Zeidler (Trainer, d. Red.). St. Gallen wird aggressiv gegen den Ball arbeiten, uns früh unter Druck setzen, pressen. So hat er das in Salzburg gemacht, bei Sion, zuletzt bei Sochaux und in den Testspielen mit St. Gallen», sagt FCB-Trainer Wicky. 

Der Schwabe Peter Zeidler steht für spektakulären Offensivfussball. Aber davor fürchten sich die Basler freilich nicht. Sie wollen an den Ostschweizern ein Exempel statutieren, demonstrieren, dass man wieder eine Heimmacht ist, die Gegner gleich zu Beginn der Saison in Angst und Schrecken versetzen. Oder in den Worten Wickys: «Wir sind heiss. Ich bin überzeugt, dass die Jungs von der ersten Minute an Vollgas geben werden. Denn wir wollen zeigen: Hier sind wir daheim, hier bestimmen wir das Spiel. Wir sind bereit.»

Cümart schon bald wieder voll dabei

Zweifel kennt Wicky keine. Obwohl mit Campo, Taulant Xhaka, Eder Balanta und Zdravko Kuzmanovic zu Beginn der Saison gleich viel potentielle Stammspieler ausfallen. Seine Gemütslage dürfte sich aber schlagartig ändern, sollte sich Neuzugang und Serie-A-Routinier Silvan Widmer verletzen. Denn auf der Position des rechten Verteidigers verfügt Wicky derzeit über keine Alternative. Zum einen weil Xhaka verletzt ist, zum anderen weil sich Nachwuchsspieler Neftali Manzambi mit der Umfunktionierung vom Stürmer zum Verteidiger nicht anfreunden konnte. Deswegen hat man ihn in die U21 zurückgestuft. 

Gute News gibts von Eray Cümart. Der Innenverteidiger, der zum Saisonende bei Sion und zu Beginn der Vorbereitung wegen einer Schulterverletzung ausfiel, trainiert unterdessen wieder mit dem Team. Er wird am Samstagnachmittag um 15 Uhr im Leichtathletikstadion mit der U21 auf Aufsteiger Bellinzona treffen. Ebenfalls in der U21 wird der griechische Neuzugang Konstantinos Dimitriou antreten.