FC Basel
FCB-Verteidiger Michael Lang ist die Abweichung vom Prototyp

FCB-Profi Michael Lang entwickelt sich mit viel Bodenständigkeit und harter Arbeit beim FC Basel zu einem Führungsspieler.

Sebastian Wendel
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Gefühlt schon ewig dabei im Profizirkus, aber erst 25 Jahre alt: Michael Lang.

Gefühlt schon ewig dabei im Profizirkus, aber erst 25 Jahre alt: Michael Lang.

Andy Mueller/freshfocus

Integrationsfigur! Was heisst das schon aus Basler Sicht? Ist das der, der nach jedem Spiel das FCB-Logo küsst? Der jeden Tag in einem der Restaurants am Barfüsserplatz isst? Der in FCB-Bettwäsche schläft? Oder der einfach mit Basler Dialekt spricht?

Michael Lang stellt sich diese Frage manchmal auch. Er versteht irgendwo die latente Diskussion um mehr Lokalkolorit im FCB-Kader. Die Sehnsucht der Basler nach Spielern, die sie voller Überzeugung «eine vo uns» nennen können. Aber er denkt weiter und sagt: «Ist nicht auch einer, der sich mit den hohen sportlichen Zielen des Vereins identifiziert und alles dafür tut, sie zu erreichen, eine Identifikationsfigur?»

Wiedersehen Sevilla-Coach Unai Emery und FCB-Abwehrboss Marek Suchy arbeiteten 2012 zusammen bei Spartak Moskau – heute kommt es in Basel zum Wiedersehen.

Wiedersehen Sevilla-Coach Unai Emery und FCB-Abwehrboss Marek Suchy arbeiteten 2012 zusammen bei Spartak Moskau – heute kommt es in Basel zum Wiedersehen.

KEYSTONE

Lang erinnert an Spieler wie Fabian Frei oder Valentin Stocker, die von den Fans verehrt wurden, aber weder in Basel geboren noch aufgewachsen sind. Lang will damit nicht bezwecken, dass man auf die Idee kommen könnte, ihn als Identifikationsfigur zu bezeichnen. «Einen solchen Status muss man sich über Jahre hinweg erarbeiten – mit guten Leistungen.» Aber er möchte vielleicht darauf hinweisen, dass die Diskussion um Lokalkolorit ein Basler Luxusproblem im Erfolgsrausch ist. Und dass ihr in den Medien auch zu viel Gewicht gegeben wird: «Als ich im vergangenen Sommer neu war, gab es in der Stadt ein, zwei Sprüche à la: Was, schon wieder ein Zürcher! Aber die meisten Passanten gratulieren zu den sportlichen Erfolgen und wünschen weiterhin viel Glück.»

In die runtergekommene Bar

Dass Lang sich über solche Themen überhaupt Gedanken macht und sich äussert, spricht für ihn. Dafür, dass er abweicht vom Prototyp des modernen, jungen Fussballers. Und es ist ein Blick hinter die Fassade von Michael Lang, von dem man bisher eigentlich nur wusste, dass er ein guter Fussballer ist. Aber nicht klar war, was das für ein Typ ist, über den eine Zeitung angesichts seiner langen, roten Haare geschrieben hat: eine Mischung aus Räuber Hotzenplotz und Highlander.

Gutes Omen? Der FCB steht zum vierten Mal in einem Europa-League-Achtelfinal (früher Uefa-Cup). Und setzt sich die Serie aus der Vergangenheit fort, wird sich Rot-Blau gegen Sevilla für die Viertelfinals qualifizieren. Denn: Bisher ist der FCB noch nie in einem Europa-League-Achtelfinal ausgeschieden. Er setzte sich gegen Monaco (2006), St. Petersburg (2013) und Salzburg (2014) durch.

Gutes Omen? Der FCB steht zum vierten Mal in einem Europa-League-Achtelfinal (früher Uefa-Cup). Und setzt sich die Serie aus der Vergangenheit fort, wird sich Rot-Blau gegen Sevilla für die Viertelfinals qualifizieren. Denn: Bisher ist der FCB noch nie in einem Europa-League-Achtelfinal ausgeschieden. Er setzte sich gegen Monaco (2006), St. Petersburg (2013) und Salzburg (2014) durch.

Keystone

«Ganz gut getroffen», sagt Lang dazu und lacht. Warum? «Weil in mir ein Abenteurer schlummert. Den ich aber unter Verschluss halten muss, solange ich Profifussballer bin.» Und die Figuren stünden für ehrliche Arbeit, für Bodenständigkeit. «Das bin ich. Ich bin ein Familienmensch. Den einzigen Luxus, den ich mir leiste, ist teures und gesundes Essen.»

Lang ist, obwohl gefühlt schon ewig dabei, erst 25. Anders als seine Altersgenossen breitet er sein Privatleben nicht via Facebook und Instagram aus. Anders als viele seiner Teamkollegen hat er sich seine Wohnung im Basler Vorort Kaiseraugst nicht vom Klub organisieren und einrichten lassen, sondern das alles selber gemacht. Normal halt – oder? «Ja», sagt Lang, «für mich schon. Ich halte mich nicht für etwas Besseres, weil ich Fussballer bin. Ich nehme am ganz normalen Leben teil, mich trifft man auch mal in einer etwas runtergekommenen Bar. Das ist wichtig, um nicht den Boden unter den Füssen zu verlieren.»

Athen – warum nicht?

Lang kann dies heute mit Überzeugung sagen. Weil es den Moment gab, an dem er an der Schwelle dazu stand, abzuheben und sich für etwas Besseres zu halten. Das war in der Saison 2008/09: Der FC St. Gallen war aus der Super League abgestiegen. Und Lang, mit dem Zeugnis von ein paar wenigen Profieinsätzen, dachte, er sei nun als Stammspieler gesetzt. Weil er schon in der Super League dabei war und dort als 16-Jähriger debütierte. Weil er ein Eigengewächs ist, müssten die ihn doch eh spielen lassen. Es kam anders: Lang, damals 17 Jahre alt, sass plötzlich auf der Ersatzbank. Es war die richtige erzieherische Massnahme von Uli Forte. Lang realisierte nach ein paar Spielen am Seitenrand: «Will ich ein guter Spieler werden, muss ich jetzt Gas geben.»

Besitzverhältnisse geklärt Vor vier Tagen machte die «Schweiz am Sonntag» publik, dass PräsidentBernhard Heusler einen Teil seiner FCB-Aktien verkauft hat. Nun istklar, an wen. Neu sind die Aktien der FCB Holding AG folgendermassen verteilt: Bernhard Heusler (44,2 Prozent); Sportdirektor Georg Heitz (25 Prozent); Vizepräsident Adrian Knup (10 Prozent); Verwaltungsrat René Kamm (5 Prozent); Verwaltungsrat Stephan Werthmüller (5 Prozent); weitere Aktionäre (10,8 Prozent).

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Lang stieg mit St. Gallen auf und wechselte 2011 zu GC, wo ein Jahr später sein Förderer Uli Forte Trainer wurde. Pendelte er zuvor zwischen Innen- und Aussenverteidigung, spielte Lang fortan nur noch als rechter Verteidiger. Weil ihn Forte dort am besten fand. Anfangs rieb sich Michael Lang daran, denn er dachte damals: «Ein Innenverteidiger ist wichtiger für die Mannschaft. Ich werde abgeschoben auf die Seite, weil ich weniger wert bin.» Von diesem Minderwertigkeitsgefühl ist heute nichts mehr zu spüren. Lang sagt: «Im modernen Fussball haben die Aussenverteidiger eine grosse Bedeutung. Vor allem dann,wenn die Mannschaft offensiv eingestelltist. Als Rechtsverteidiger bin ich zum FC Basel gekommen und Nationalspieler geworden.» Nicht nur das: Lang sei einer, der zuvorderst am Karren ziehe, sagt sein jetziger Trainer Urs Fischer. Ob als Sprücheklopfer oder mit ernsthaften Wortmeldungen – Lang sei einer, den man wahrnehme, und auf dem besten Weg zum Führungsspieler.

Als im Januar 2015 der FCB erstmals anklopfte, lehnte Lang noch ab. Er wolle GC – damals im freien Fall – nicht im Stich lassen und die Saison in Zürich zu Ende spielen. Dieser Zug stärkte die Überzeugung der FCB-Verantwortlichen, in Lang den Richtigen für die Zukunft auf der Rechtsverteidigerposition gefunden zu haben. Also blieben sie dran und holten ihn ein halbes Jahr später. Für Lang war schnell klar, dass er das FCB-Angebot annehmen würde. Trotz Offerten aus besseren Ligen. «Aber wirklich näher angeschaut habe ich mir nur noch das Angebot von Panathinaikos Athen. Weil es wie der FCB ein Klub ist mit der Perspektive, um Titel zu spielen. Das ist mir wichtiger als das Etikett, in einer Topliga gespielt zu haben.» Mit dem FCB habe er eine sehr gute Adresse gefunden – und es müsse schon ein unverschämt gutes Angebot kommen, sollte er Basel vor Ablauf des bis 2019 gültigen Vertrags verlassen.

Bjarnason fit, Embolo gesperrt Wie von der «Nordwestschweiz» angekündigt, steht Birkir Bjarnason dem FCB wieder zur Verfügung. Dies nur zwei Wochen nach seinem Mittelhandbruch. Fehlen werden den Baslern der gesperrte Embolo, der nicht spielberechtigte Aliji sowie die verletzten Akanji, Boetius und Sporar.

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Lang warnt vor Sevilla

Doch allzu lange will Michael Lang nicht über «was wäre wenn» sprechen. Lieber erklärt er, dass seine – für einen Verteidiger – auffällige Torgefährlichkeit (7 Tore, 4 Assists in 33 Saisonspielen) mit den Mitspielern zu tun habe. Und einfach eine gute Phase widerspiegele und er sich nicht sehr viel darauf einbilde– denn: «Ich bewerte mich anhand meiner defensiven Leistung, ich bin Verteidiger.» Als solcher kommt heute gegen den FC Sevilla mehr Arbeit auf ihn zu als in der Super League. Lang freut sich sehr auf die Herausforderung gegen den spanischen Riesen. Und warnt: «Die haben zwar nicht den ganz grossen Namen, sind aber in meinen Augen im Moment besser als Liverpool oder Manchester United. Unter anderem wegen solcher Spiele bin ich zum FCB gekommen.» Und spielt er auch gegen die Spanier so gut wie zuletzt, ist das für seine Entwicklung zur Identifikationsfigur sehr förderlich.