Fabian Frei, nach dem Spiel gegen Xamax wurde es sehr emotional. Man hörte Schreie aus der Kabine, man monierte fehlenden Willen. Hatte der Auftritt Konsequenzen für die Mannschaft?

Fabian Frei: Es fehlte der letzte Zacken, die letzte Überzeugung, das ist möglich. Aber mit Sicherheit wollten wir alle gewinnen. Ich finde, man kann uns fehlenden Willen nicht vorwerfen. Wenn die Mannschaft zu wenig gelaufen ist, dann kann man das statistisch nachweisen – das war nicht der Fall. Darum glaube ich, ist es auch schwierig eine Strafe auszusprechen. Aber der Trainer hat uns diese Woche eine kleine Aufgabe gegeben. Und die haben wir auch gut erledigt, wie der Trainer meinte.

Was war es?

Wir mussten in Gruppen das Spiel analysieren und unsere Analyse dann dem Team präsentieren.

Der Trainer hat das also nicht einfach geduldet. Haben Sie schon mal eingegriffen, sind laut geworden?

Ja, es gibt Momente, in denen ich einschreite. Aber ich bin nicht der Typ, der sich aufbauscht vor einem Spieler und ihn zusammenstaucht. Ich schnappe ihn mir, wenn er allein ist und sage es ihm anständig. Das hätte für mich früher schon mehr Wirkung gehabt als wenn dir einer über den ganzen Platz hinweg eine Standpauke hält. Ich mache es vielleicht nicht immer richtig, aber ich mache es so, wie ich es für richtig halte. Mir ist bewusst, dass ich manchmal auch lauter werden könnte oder sogar müsste.

In welchen Momenten?

Vor allem als Captain auf dem Platz. Aber ich kann nicht etwas imitieren, das ich nicht bin. Das kommt nicht an beim Gegenüber. Da denkt die Person höchstens: «Nur weil er jetzt die Captainbinde am Arm trägt, nimmt er sich wichtig.» Das will ich nicht. Ich spreche viel auf dem Platz, aber versuche immer, positiv zu sein, zu helfen.

Fehlen die Bad Boys beim FCB?

Naja, wir haben durchaus Spieler, die das übernehmen könnten und zum Teil auch bereits machen. Aber vielleicht sollten sie noch mehr in diese Rolle schlüpfen.

An wen denken Sie?

Zum Beispiel an Taulant Xhaka oder Geoffroy Serey Dié. An unsere Aggressiv-Leader, die diese Härte auch verkörpern. Mit ihrer Spielweise, ihren Zweikämpfen.

Werden die Zwei denn nie laut?

Doch, aber vor allem Tauli könnte es öfter machen. Aber er will auch nicht böse sein. Eigentlich will das ja niemand und das ist auch gut so. Aber manchmal auf dem Platz, da wünschte ich mir schon, dass der eine oder andere mal laut würde. Vielleicht muss auch ich es mal machen.

Müssen die jungen Spieler denn diszipliniert werden? Schätzen Sie die Situation falsch ein?

Ein Junger, der frisch zu uns gekommen ist, kennt ja keine andere Situation als die jetzige. Da ist es an Spielern wie mir, Valentin Stocker, Serey oder Tauli - Spieler, die die absoluten Top-Zeiten erlebt haben - ihnen klarzumachen, dass das nicht der FCB ist, wie er sein sollte. Es wird nicht besser, wenn man nicht hart arbeitet, mal eine Zusatzeinheit einschiebt. Das musste mir auch mal einer sagen.

Wer hat Sie angewiesen?

Zu meiner Zeit waren das Marco Streller und Beni Huggel. Sie haben Valentin Stocker und mich unter die Fittiche genommen. So viel Positives wie wir erlebt haben, so haben sie uns doch hin und wieder einen Tritt in den Hintern gegeben wenn es nötig war.

War es früher härter als Junger?

Wir mussten härteres Brot beissen, ja.

In welchem Sinn?

Sobald es ums Material ging, ums Tore aufräumen, mussten die Jungen über den ganzen Platz rennen. Heute macht es der, der am nächsten ist. Ich trage auch ab und zu ein Tor, auch wenn ich vom Alter her nicht mehr «müsste». Ich möchte, dass man Respekt vor meinen Leistungen hat, nicht vor meinem Alter. Unter früheren Trainern wie Christian Gross war das schon noch anders. Man wurde dann täglich darauf aufmerksam gemacht, dass man noch zu den Jungen zählt.

Ihr jetziger Trainer, Marcel Koller, wird oft mit Gross verglichen. Zurecht?

Von den Trainern, mit denen ich in den letzten Jahren zusammengearbeitet habe, ist er ihm sicherlich am ähnlichsten. Man merkt, dass Koller einerseits Spieler unter Gross war und auch mit ihm zusammen als Trainer gearbeitet hat. Es gibt Parallelen.

Welche?

Die Art und Weise, wie er vor die Mannschaft steht, zwischendurch mal einen Spruch fallen lässt. Da merkt man, natürlich nebst dem Dialekt, schon gewisse Ähnlichkeiten.

Schlafen Sie in dieser harzigen Phase eigentlich schlechter?

Nach einem Spiel schlafe ich immer schlecht, aber sonst habe ich keine Probleme. Wäre das der Fall müsste ich mir helfen lassen, das wäre kontraproduktiv. Das war früher nicht immer so.

Erzählen Sie.

Ich hatte manchmal fast schon Angst, ins Training zu gehen, wenn ich wusste, dass ich in einem Spiel etwas nicht so gut gemacht habe.

Den Jungen heute wird es mit Koller wohl ähnlich ergehen, wie Ihnen damals. Er ist ja auch sehr fordernd.

Die Zeit hat sich schon ein wenig verändert. Die Jungen heute müssen sicherlich nicht so hartes Brot essen, wie das früher bei uns der Fall war. Und vor uns war es sicher noch viel schlimmer. Die Jungen wissen schon, dass sie auch mal einen Spruch auf meine Kosten machen können. Damit kann ich umgehen und da muss ich nicht von oben herab auftreten.

Sind Sie als stellvertretender Captain derzeit mehr gefordert als sonst?

Ja, in allen Belangen. Im Moment fokussiert sich vieles auf mich, ich muss den Kopf als Captain öfters hinhalten. Meine Familie meinte schon, man sehe immer mich, wenn wir nicht gewinnen. Darauf möchte ich nicht reduziert werden. Es ist wichtig, dass jetzt weitere Führungsspieler zurückkommen.

Sorgen Sie als Captain auch einmal für Ablenkung neben dem Platz, trommeln das Team zusammen für einen gemeinsamen Anlass?

Ich mag es nicht, wenn man künstlich etwas inszeniert. Sonst kommt die Hälfte sowieso nur widerwillig. Solche Anlässe müssen spontan entstehen. Ein paar von uns gehen zum Beispiel hin und wieder Golf spielen. Oder am Donnerstag waren wir bei den Swiss Indoors.

Wer kam denn mit zum Tennis?

Mein Bruder, ein paar Spieler, die Frauen.

Hilft das beim Kopf durchlüften?

Was meinen Sie, den Event oder das Spiel von Roger?

Das Gesamt-Paket.

Der Event nicht unbedingt. Denn du wirst von jedem Zweiten am Turnier auf den FCB angesprochen (lacht). Aber allgemein, ja. Ich schaue Roger einfach gerne zu, auch daheim vor dem Fernseher. An solch einem Turnier freuen wir uns über seine Siege, das macht Spass. Es gibt Leute, die von uns erwarten, dass wir eine Woche lang «en Lätsch risse». Das macht aber die Situation nicht besser. Und irgendwie müssen wir ja auch abschalten können, auf andere Gedanken kommen. Wenn du ständig Trübsal bläst, bessert sich ja auch nichts.

Nerven Sie denn die Sprüche?

Einen Spruch verträgt es immer. Aber wenn man denselben 100 Mal zu hören kriegt, findest du ihn beim hundertsten Mal vielleicht nicht mehr lustig.

Wird es gegen GC wieder lustiger?

Wir sind momentan nicht in der Verfassung, zu sagen, dass wir jetzt dahinfahren und drei Punkte holen. Dieses Selbstverständnis fehlt. Dafür sind wir zu wenig konstant.

Noch vor dem Spiel gegen Apollon Limassol sagten Sie, dass Sie das Gefühl hätten, das Selbstvertrauen sei gross genug, um dieses Spiel gewinnen zu können.

Das hätte es auch sein müssen. So war die Stimmung im und um den Verein nach sechs Spielen unter Koller. Wir dachten, wir sind drüber hinweg. Und dann kam Limassol, ein grosses Finale und wir spielten schlecht. Alle Leute, die dem FCB folgen, werden hin und wieder an dieses Spiel zurückdenken – und das ist kein gutes Zeichen.

Warum?

Es hat viel Geld gekostet. Aber noch wichtiger: Es hat unser Selbstvertrauen zerstört, das wir über sechs, sieben Spiele aufgebaut haben. Das dürfte nicht passieren.

Aber es passierte.

Ja. Und seither haben wir ein, zwei gute Spiele gemacht, um dann wieder abzugeben.

Ist Selbstvertrauen immer so fragil?

Eine andere Mannschaft hätte mit unserer Punkteausbeute vielleicht ein gutes Selbstvertrauen. Aber wir sind uns anderes gewöhnt aus den letzten Jahren. Jetzt stecken wir in einer Situation, die viele bei uns nicht kennen. Was man nicht kennt, verunsichert. Das ist nicht nur im Fussball so. Herumjammern bringt da nichts, man muss mit sich selbst kritisch sein und mit vollem Willen zur Tat schreiten.

Kann eine so junge Mannschaft überhaupt konstant spielen oder braucht es im Winter Verstärkung?

Es sind viele routinierte Spieler ausgefallen. Aber langsam kommen diese wieder zurück. Im Winter können wir dann ein Fazit ziehen.

Wie eng ist Ihr Austausch mit Sportchef Marco Streller?

Wenn er meine Meinung hören will, dann gebe ich ihm sie. Ansonsten sind wir nicht tagtäglich in Kontakt.

Er war Ihr Götti.

Ja, wir haben viel zusammen erlebt. Aber deswegen werde ich nicht bevorzugt.

Als Sie zurückkamen…

… ich bereue es nicht.

Darauf wollte ich nicht hinaus. Aber hätten Sie erwartet, dass es so schwierig wird?

Ich habe es weder erhofft, noch erwartet. Aber damit muss man immer rechnen in diesem Geschäft. In Basel gab es immer wieder Abgänge und ich habe mehrfach Zweifel gehabt, ob es gut kommt. Nach einem schlechten Start in die Saison zum Beispiel. Und mir war bewusst, dass die Meisterserie irgendwann reissen würde. Es hätte nicht sein müssen, dass ich das erlebe. Aber so ist es nun Mal.

In Sachen Nati hat Ihnen der Wechsel nicht viel gebracht.

Das belastet mich nicht wirklich. Die Nati ist momentan zweitrangig.

Haben Sie abgeschlossen?

Nein, das sollte man auch nicht. Aber ich bin realistisch genug, um meine Chancen einzuschätzen. Es belastet mich aber nicht mehr, wenn ich nicht mehr aufgeboten werde.

Schauen Sie die Spiele noch?

Ja, natürlich, wenn es sich ergibt. Aber es ist jetzt nicht so, dass ich mir die Termine zwei Monate im Voraus eintragen würde.

Und Champions League? Oder Europa League?

Es interessiert mich natürlich. Manchmal schaue ich die Konferenz, manchmal verfolge ich es aber bloss auf dem Ticker.

Schmerzt es, wenn man andere Teams in diesen Wettbewerben sieht, und selber nicht teilnehmen kann?

Vor allem am Donnerstag, ja. Nach dem zweiten Platz in der Meisterschaft letztes Jahr war absehbar, dass es mit der Champions League schwierig werden würde. Damit könnte man sich ja noch abfinden. Aber der Donnerstag nervt schon sehr.