Auf dem Tisch liegt ein Mathematik-Buch. Daniele Zorzato kommt gerade von der Schule und macht vor dem Training im Keller des Basler Fechtklubs noch artig seine Hausaufgaben. Währenddessen erzählt Teamkollege Alexandre Oberson über seine Leidenschaft - das Fechten. Man spürt sofort, der 17-Jährige hat Ziele, Visionen und das wichtigste: den nötigen Ehrgeiz. «Deswegen ist er auch der Bessere von uns beiden. Ich gebe der Schule mehr Gewicht, sehe das Fechten mehr als ein Hobby», sagt Zorzato und schmunzelt. Als frischgebackener U20-Schweizer-Meister hat sich Alexandre Oberson in der Tat als einer der besten nationalen Junioren-Fechter etabliert - Zorzato wiederum wurde in Bern Siebter. «Immerhin habe ich mit Louis Bourgeois den Topfavoriten geschlagen», sagt der Muttenzer stolz.

Saisonstart in Bratislava

Nach dem nationalen treten die Fechter nun ins internationale Rampenlicht: Am Wochenende fällt mit dem Turnier in Bratislava der Startschuss in die neue Junioren-Weltcup-Saison. Bezüglich Wunschresultat in der Slowakei zeigt sich Oberson bescheiden: «Ein Platz unter den besten 32 wäre ein gutes, einer unter den Top 16 ein sehr gutes Resultat», meint der Therwiler. Zu wenig für seinen Trainer, der Fecht-Ikone Vincent Laplaze: «Wenn man hoch hinaus will, muss man sich entsprechend hohe Ziele setzen. Alexandre hat die Erfahrung, um unter die besten 8 zu kommen.» Neben den ersten Weltcup-Punkten geht es innerhalb der 12-köpfigen Schweizer Delegation auch um WM-Punkte, wo sich letztlich die drei besten Schweizer nach den sechs Weltcup-Turnieren ein Ticket sichern können. Dass Oberson dazu imstande ist steht für Laplaze ausser Frage. Überhaupt hält sein französischer Maître grosse Stücke auf seinen Schützling. Begabt sei er, ein Fechter der Gegenwart. «Er pflegt einen sehr offensiven Stil und spürt, wenn es Zeit ist, seine Chance zu nutzen», lobt der 50-Jährige.

Ohne Fleiss kein Preis

Dieses Potenzial kommt nicht von ungefähr. Mindestens 13 Stunden pro Woche investiert Oberson in seine Leidenschaft. Als Gymnasiast in der Sportklasse bekommt der Roger-Federer-Fan die Zeit, um sich voll und ganz auf das Fechten zu konzentrieren. Die Sportförderung Baselland gibt den nötigen finanziellen Zustupf. Denn auch in seinem zweiten der drei Junioren-Jahre will der Schweizer Meister einen weiteren Schritt nach vorne machen. Heisst: Stärken perfektionieren, Schwächen abbauen. «Vor allem im Bereich Kondition und Technik kann ich mich noch steigern», sagt die Nummer 145 der Junioren-Weltrangliste selbstkritisch. Wo Oberson tatsächlich steht, wird sich morgen und übermorgen zeigen. Die Formkurve zeigt jedenfalls steil nach oben.