FC Basel
Fehlerketten statt Defensivrekord: Die FCB-Verteidigung hat sich zum Sorgenkind entwickelt

Der FCB war auf dem Weg, diese Saison so wenige Gegentore zu bekommen wie noch nie. Die Entwicklung der letzten Spiele verunmöglicht dies nun aber.

Céline Feller
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Gegentor in der Nachspielzeit: Der FC Basel muss gegen Sion das 2:2 in der 95. Minute hinnehmen.

Gegentor in der Nachspielzeit: Der FC Basel muss gegen Sion das 2:2 in der 95. Minute hinnehmen.

Marc Schumacher/freshfocus

Kurz nach Abpfiff des Spiels zwischen dem FC Basel und Sion steht Bernhard Heusler dem klubeigenen Fernsehen Rede und Antwort. Auf dem Platz, wenige Meter vom Ort entfernt, wo seine Mannschaft in der 96. Minute noch das Anschlusstor zum 2:2 kassiert hatte. Zum zweiten Mal innert fünf Tagen fängt sich der FCB in der Nachspielzeit noch den Ausgleich ein. «Dass so etwas schon einmal passiert ist, gleich zwei Mal nacheinander, daran kann ich mich nicht erinnern», sagt der scheidende Präsident. Vielmehr sei es der FCB gewesen, der die Spiele zuletzt in der Nachspielzeit noch habe drehen oder zumindest einen Punkt habe retten können. Man denke dabei an die Spiele gegen Lausanne oder das 1:1 gegen Thun.

Aber das alles war, bevor der FC Basel als Meister der Saison 2016/2017 feststand. Seither hat sich das Prunkstück des Schweizer Meister, seine Defensive, zum Sorgenkind entwickelt. Auch wenn Cheftrainer Urs Fischer mahnt, vorsichtig zu sein, weil man Sion am Donnerstag gerade einmal drei Chancen zugestanden habe, weiss auch er ob der negativen Entwicklung. «Wir haben in den letzten drei Spielen sieben Tore kassiert, vorher waren es 24 in 30 Spielen. Das ist leider so, wie es ist», rechnet Fischer vor. Somit hat sich der immens starke Schnitt von gerade einmal 0,8 Gegentoren pro Spiel um das fast Dreifache auf 2,33 gesteigert. «Wir wollen gar nicht zu lange darüber nachdenken, sondern es einfach ansprechen und besser machen.»

Doch auch wenn es Fischer lieber wäre, das Thema so schnell als möglich ad acta zu legen, kommt er um die Frage nach dem Warum nicht herum. «Es gelingt uns im Moment nicht mehr, dass wir Fehler, die uns passieren, ausbügeln können. Bislang war das immer so. Jetzt aber löst es jeweils Kettenreaktionen aus und die Summe dieser Fehler führt dann zu den Gegentoren. Das haben wir früher besser gelöst», so seine Erklärung. Als Beispiel nimmt Fischer das Tor von Sion zum 1:1, weil man bei der Entstehung genau sehe, wo die Probleme aktuell liegen. Am Ursprung steht ein Ballverlust in der Vorwärtsbewegung von Luca Zuffi im Mittelfeld. Statt dass seine Hinterleute den Sittener Angriff unterbinden können, kommt Manuel Akanji zu spät, Marek Suchy steht falsch und öffnet dem Gegner den Raum in die Tiefe, sodass der heraneilende Taulant Xhaka nur noch zuschauen kann, wie Chadrac Akolo mit seinem Schuss in die rechte untere Ecke den Ausgleich erzielt.

Unglaublich unverständlich

«Diese Fehlerkette zeigt den Spannungsabfall vielleicht auf. Wir können noch so lange davon reden, dass wir das nicht wollen. Aber es ist einfach menschlich und alles andere als das wäre auch überraschend gewesen.» Auch deshalb will Fischer die Situation nicht überbewerten. Sorgen bereitet ihm das noch nicht. «Aber natürlich würden auch wir den Schalter gerne einfach umlegen können. Sowohl die Spieler, als auch ich. Aber es ist nicht einfach.»

Wie sehr sich auch die Spieler ob solcher unnötiger Gegentreffer, vor allem dem zweiten gegen Sion, nerven, zeigten die Reaktionen von Akanji und Marc Janko nach Spielschluss. Für Letzteren war es «unverständlich», wie man das Spiel noch aus der Hand habe geben können. Und Akanji, der beim ersten Gegentor schlecht aussah, bezeichnete es als «unglaublich.»
Die aktuelle Entwicklung rund um das ehemalige Basler Prunkstück sorgt auch dafür, dass der in der Saison 2012/13 aufgestellte Defensiv-Rekord höchstens noch egalisiert werden kann. Damals liessen die Basler unter Murat Yakin und Heiko Vogel nur gerade 31 Tore zu – also genau so viele, wie die Basler aktuell bekommen haben. Doch so, wie sich die Abwehr momentan präsentiert, scheint es eher unwahrscheinlich, dass es die FCB-Ausgabe 2016/2017 bei noch drei ausstehenden Spielen ihren Kollegen von damals gleich tun kann.

So liefen die beiden Mannschaften in das Stadion ein.
10 Bilder
«Strafraumkobra» Marc Janko schoss den FCB in Führung.
Die Basler jubeln über den Führungstreffer zum 1:0.
Das Tor zum 1:0 fiel in der 33. Minute.
FC Basel - FC Sion, 24. Runde, 12.03.2017
Chadrac Akolo brachte den FC Sion wieder ins Spiel.
Der Basler Davide Calla am Ball.
Seydou Doumbia wurde in der zweiten Halbzeit für Torschütze Marc Janko eingewechselt.
Das letzte Duell der beiden Mannschaften konnte der FCB mit einem 1:0-Sieg für sich entscheiden.
In dieser Saison konnte der FCB gegen Sion immer als Sieger vom Platz gehen.

So liefen die beiden Mannschaften in das Stadion ein.

Keystone