FCB-Legionäre

Fern von Basel weht ein anderer Wind: So schlecht geht es Ajeti, Suchy und Co

Albian Ajeti trägt meist nur das Trainingsshirt von West Ham United.

Albian Ajeti trägt meist nur das Trainingsshirt von West Ham United.

Bis auf wenige Ausnahmen bekunden die ehemaligen FCB-Spieler nach ihrem Abgang im Sommer grosse Probleme. Eine Rundschau.

Im Zuge der Umstrukturierung im FCB-Nachwuchs und dem Wechsel von FCB-Urgestein Massimo Ceccaroni zum holländischen Heilsbringer Percy van Lierop hat CEO Roland Heri betont, wie abhängig der FC Basel von der «wichtigsten budgetären Erlösquelle» ist: den Transfereinnahmen. Auch in Zukunft werden nur die wenigsten Spieler so lange beim FCB bleiben wie Ceccaronis 25 Jahre. Doch die folgende Rundschau zeigt, dass die jüngsten Wechsel sportlich gesehen eher unglücklich waren und der ein oder andere doch lieber hier geblieben wäre.

Straucheln in England: Albian Ajeti hat bei West Ham United so seine Probleme.

Straucheln in England: Albian Ajeti hat bei West Ham United so seine Probleme.

Albian Ajeti:

Das Paradebeispiel ist Albian Ajeti. Er sah sich bereit für den nächsten Schritt und wollte in der Premier League durchstarten. Rund zwölf Millionen Franken liess sich West Ham den Stürmer im Sommer kosten. Doch bisher versauert die Investition auf der Bank. Der Tabellensiebzehnte scheint den Basler nicht zu gebrauchen. Wie sehr Ajeti aussen vor ist, verdeutlichen folgende Fakten.

Ajeti hat in der Vorrunde in drei Partien für den FCB zweieinhalb Stunden mehr gespielt als in der Premier League. Dort stand er nie in der Startelf und sammelte bei seinen sieben Einwechslungen lediglich 120 Spielminuten. Mit Ajeti verlor West Ham sechs der sieben Spiele. Bei allen sechs Saisonsiegen der Hammers kam Ajeti nicht zum Einsatz. Auf einen Skorerpunkt wartet der 22-Jährige noch und Eigenwerbung konnte Ajeti bislang auch nicht betreiben.

Als er im League Cup, dort wo in England traditionell die Reservisten Spielpraxis sammeln dürfen, in Runde 2 zum zweiten Mal über 90 Minuten für West Ham spielen durfte, hagelte es gegen den Drittligisten Oxford United eine peinliche 0:4-Klatsche. Direkt vor dem Spiel hatte sich Ajeti auf der Club-Homepage noch mit folgenden Worten zitieren lassen: «Ich warte auf jedes Spiel. Der Coach weiss, dass er mich immer reinwerfen kann.» Dem war offenbar nicht so. Der Coach heisst mittlerweile nicht mehr Manuel Pellegrini sondern David Moyes. Doch an der Situation von Ajeti änderte auch der Trainerwechsel bislang wenig.

Marek Suchy hat Augsburg-Trainer Martin Schmidt bisher noch nicht viel helfen können.

Marek Suchy hat Augsburg-Trainer Martin Schmidt bisher noch nicht viel helfen können.

Marek Suchy:

Auch für den Tschechen begann die erwünschte Reise in eine «Topliga» beim FC Augsburg denkbar unglücklich. Mit einem Eigentor in der 9. Minute leitete der 31-Jährige die 0:2-Pleite im DfB-Pokal gegen den Viertligisten SC Verl ein. Auch in der Bundesliga lief es nicht besser. Erst kassierte Augsburg mit Suchy zum Saisonauftakt eine 1:5-Klatsche in Dortmund. Dann sass er gegen Union Berlin 90 Minuten auf der Bank. Und im nächsten Spiel wurde er zur Pause beim Stand von 2:1 für Bremen aus taktischen Gründen ausgewechselt.

Das war am 1. September 2019. Seitdem hat Suchy wegen Hüftproblemen kein Spiel mehr für Augsburg bestritten. Mit seinen Konkurrenten Gouweleeuw und Jedvaj in der Innenverteidigung haben die bayrischen Schwaben aus den letzten sieben Spielen fünf Siege eingefahren. Die Sehnsucht nach einem Comeback von Suchy hält sich in Augsburg – anders als vor einem Jahr in Basel, als er nach einem Achillessehenriss in der Rückrunde wieder voll angriff – daher eher in Grenzen.

Aldo Kalulu:

Mit einer Entschuldigung für die «schändliche Niederlage» meldete sich Aldo Kalulu in dieser Woche auf Instagram zu Wort. Zuvor hatte der 23-jährige Franzose mit Swansea im FA-Cup mit 1:5 gegen den Liga-Konkurrenten aber die in der Tabelle schlechter klassierten Queens Park Rangers verloren und dabei zum ersten Mal überhaupt 90 Minuten für sein neues Team gespielt. Eine langwierige Knöchelverletzung hatte Kalulu an mehr Einsatzzeit gehindert. Seit einem Monat ist er aber wieder fit. Bis auf das Spiel gegen QPR wurde Kalulu allerdings nur dreimal in der Schlussphase eingewechselt. Seine Leihe läuft im Sommer aus. Der Vertrag in Basel endet 2021.

Dimitri Oberlin:

Dimitri Oberlin hat bei Royal Mouscron in Belgien Spass am Joggen.

Dimitri Oberlin hat bei Royal Mouscron in Belgien Spass am Joggen.

Der 22-Jährige hat sogar noch ein Jahr länger Vertrag in Basel. Nach seinem Intermezzo in Empoli versucht sich Oberlin seit Sommer in Belgien. 18 Mal spielte er in der Hinrunde für Royal Mouscron, doch kurioserweise nicht ein einziges Mal durch. Ein Blick auf seine Leistungsdaten zeigt: Oberlin funktioniert in Belgien offenbar nur als Joker. Sechsmal spielte er von Beginn an, fünfmal hatte Trainer Francky Dury schon zur Pause genug gesehen und nahm Oberlin wieder raus. Als Joker hat Dury den Schweizer Stürmer deutlich lieber. Zwölfmal wechselte er Oberlin ein, im Anschluss gelangen ihm zwei Tore und ein Assist. Nur dreimal blieb er 90 Minuten auf der Bank.

Eder Balanta spielte in dieser Saison mit Brügge fünfmal in der Champions League.

Eder Balanta spielte in dieser Saison mit Brügge fünfmal in der Champions League.

Eder Balanta:

Der Kolumbianer verliess den FCB im vergangenen Sommer als Letzter. Dafür läuft es ihm beim belgischen Tabellenführer Brügge etwas besser als Ajeti, Suchy und Co. Er spielte in der Champions League gegen Real Madrid, Paris Saint Germain und Galatasaray Istanbul und in den Sechzehntelfinals der Europa League wartet für Balanta mit Manchester United gleich der nächste Hochkaräter. Auch in Belgien fällt Balanta immer wieder mit kleineren Verletzungen aus, doch wenn er fit ist, schenkt ihm Trainer Philippe Clement im defensiven Mittelfeld meist das Vertrauen. Im Cupviertelfinal sorgte Balanta gegen Anderlecht für grossen Jubel. Sein Kopfballtor nach einer Ecke brachte kurz vor Schluss die Entscheidung. Es war bereits Balantas zweites Tor für Brügge.

Beklagte sich in Aarau über fehlende Motivation seiner Mitspieler: Geoffroy Serey Dié

Beklagte sich in Aarau über fehlende Motivation seiner Mitspieler: Geoffroy Serey Dié

Geoffroy Serey Die:

Der Publikumsliebling musste Basel im Sommer verlassen. Nachdem ihn nicht einmal die Black Stars haben wollten, löste der FCB den Vertrag mit dem Ivorer auf. Serey Dié war ablösefrei und kam für ein halbes Jahr in Aarau unter. Doch weil sich der Challenge Ligist mit Shkelzen Gashi – einem weiteren Ex-FCB-Spieler – verstärkte, war kein Geld mehr übrig, um Serey Dié länger zu halten. Gestern vermeldet dann Xamax Neuchatel, dass Serey Dié wieder für ein halbes Jahr zurückkehrt. Bereits vor genau einem Jahr hatte er Xamax in der Rückrunde verstärkt und in der Barrage gegen Aarau vor dem Abstieg bewahrt. Das soll sich aus Neuchatel-Sicht gerne wiederholen.

Martin Hansen:

Martin Hansen wechselte vom FCB nach Norwegen, ist aber schon wieder vereinslos.

Martin Hansen wechselte vom FCB nach Norwegen, ist aber schon wieder vereinslos.

Der Ersatztorhüter verliess den FCB im Sommer in Richtung Norwegen. Doch nach einem halben Jahr als Stammtorhüter von Strømsgodset IF, dem Elfplatzierten der abgelaufen Meisterschaft, ist der 29-jährige Däne aktuell wieder als vereins- los gemeldet. Seit Sommer ohne Verein ist der ehemalige dritte FCB-Goalie Signori Antonio. Dessen Vertrag wurde 2019 ebenfalls nicht verlängert.

Auch Dominik Schmid (Stammspieler als Linksverteidiger beim FC Wil), Gezim Pepsi (15 Spiele im zentralen Mittelfeld des FC Aarau) und Martin Liechti (wegen einer Verletzung nur viermal für den FC Winterthur im Einsatz) sind noch bis Sommer ausgeliehen und kehren dann erstmal nach Basel zurück.

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